Arthur Abraham in der Schule : Gastunterricht mit Box-Champion: Ist das sinnvoll?

Boxen ist seit Jahren wieder Trendsport. Das weiß auch die ARD und hat deshalb Box-Champion Arthur Abraham für eine Unterrichtsstunde mit Schülern gewonnen. Doch soll man Kindern und Jugendlichen das Boxen wirklich nahe bringen?

Susanne Schwarzenau

 Am 30. April  findet die Aktion im Rahmen der Reihe „ARD-Infocenter macht Schule“ statt. Für die Aktion konnten sich Brandenburger und Berliner Schulklassen bewerben. Die Gewinner dürfen mit Abraham über seine sportlichen Erfolge sprechen.

Schon Mitte der 1990er hatte das Fernsehen den professionellen Faustkampf  für sich entdeckt. Durch Live-Übertragungen von Boxkämpfen und dank neuer Helden wie Henry Maske wurde der früher eher als zwielichtig geltenden Sport wieder populär.  Auch Arthur Abraham ist mittlerweile ein gefeierter Star der deutschen Boxszene. Erst im März verteidigte er gegen den Amerikaner Lajuan Simon  seinen IBF-Weltmeistertitel. Abraham alias „King Arthur“  gilt als zielstrebig, durchsetzungsfähig und als vielleicht härtester Schläger im Mittelgewichtsboxen. Für die ARD ist seine Karriere offenbar beispielhaft genug, um sie jungen Menschen als Vorbild zu präsentieren.

Von Verbänden und Jugendeinrichtungen wird der Boxsport als ideale Freizeitbeschäftigung für Teenager angepriesen. Nicht nur an Halbstarke mit Problemen bei der Aggressionsbewältigung richten sich die Angebote, sondern auch an Kinder, Business-Frauen oder gestresste Manager. Boxen sei gut für die  Persönlichkeitsbildung, für das Selbstvertrauen und für die körperliche Fitness. Das sagt Angelika Fischer, Verbandsärztin des Deutschen Boxsport-Verbandes: „Koordination, Ausdauer und Reaktionsvermögen werden durch das Boxtraining geschult“. Mehr als 50.000 Menschen sind Mitglied in deutschen Amateur-Box-Clubs, 6000 davon unter 14 Jahre alt.

Manche besorgte Eltern mögen angesichts der öffentlichen Zurschaustellung von Gewalt ihre Zweifel haben, ob Boxen wirklich das Richtige für ihre Sprösslinge ist. Abraham zum Beispiel hatte 2006 einen seiner Titelkämpfe blutüberströmt und mit doppelt gebrochenem Kiefer zu Ende gebracht. Die Bilder, die damals zu sehen waren, eigneten sich kaum, um für den Sport zu werben.

Im Profi-Boxen ist das Risiko für Kopf- und Hirnverletzungen hoch, da keine Helme getragen werden. Seit 1990 gab es insgesamt mehr als 100 bekannte Todesfälle. Erst 2008 erlag der Mexikaner Daniel Aguillon seinen schweren Verletzungen, nachdem er infolge eines Kampfes ins Koma gefallen war. Auch langfristige Hirnschäden werden mit dem Boxen in Verbindung gebracht. Boxvereine und Anhänger des Sportes betonen dagegen, dass Boxen, zumindest im Amateurbereich, nicht gefährlicher sei als andere Sportarten. Das Risiko, sich zum Beispiel beim Reiten zu verletzen, sei mindestens genauso hoch.

Zu den gesundheitlichen Risiken des Boxsportes sagt Fernando Dimeo, Leiter des Bereiches Sportmedizin an der Berliner Charité: „Boxen hat die Auswirkungen, die Leistungssport immer haben kann,  zum Beispiel Schäden durch Überbelastung. Außerdem gibt es Beobachtungen, die bei Profisportlern nach vielen Jahren kognitive Einschränkungen erkennen lassen.“ Die Ursache dafür vermutet der Sportmediziner wenig überraschend in den vielen Schlägen auf den Kopf, die Boxer während ihrer Laufbahn einstecken müssen.

Für Kinder und Jugendliche im Amateurboxen sieht Dimeo allerdings keine erhöhte Gefahr. Die  Kräfte, die dort wirkten, seien nicht groß genug; um solche Schäden anzurichten, zumal die Kinder auch noch entsprechende Schutzkleidung trügen, so der Arzt. Es sei außerdem  davon auszugehen, dass für verantwortungsvolle Betreuer im Jugendsport das Konditionstraining im Vordergrund stünde und nicht das Kämpferische oder die Leistung im Boxen. „Leistungssport ist immer riskant“ sagt Dimeo. Auch Angelika Fischer vom Boxsportverband sagt, sie kenne keine negativen Auswirkungen des Boxtrainings für Kinder und Jugendliche im Amateurbereich.

Dennoch bleibt das Thema umstritten. In anderen Ländern gibt es zum Boxen, auch im Amateurbereich offenbar auch andere Erkenntnisse. Forscher der Uni Göteborg fanden auch bei Amateurboxern nach Kämpfen erhöhte Werte von Chemikalien, die auf Verletzungen von Hirnzellen hinweisen. Die British Medical Association fordert seit Jahren ein Verbot des Boxens. In einigen Staaten, wie zum Beispiel Norwegen, sind Profi-Boxkämpfe bereits verboten.

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