Artur Brauner : "Auf Leben und Tod“

Artur Brauner sieht sich als ein Opfer der Banken, die er für seine Pleite und Notlage verantwortlich macht. In einem Brief spricht er über Selbstmordgedanken.

Bernd Matthies
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In den Miesen. Filmproduzent Artur Brauner will kämpfen. Foto: dpa

Die Selbsttötung des schwäbischen Mil liardärs Adolf Merckle hat auch in Berlin viele Menschen bewegt. Einer von ihnen ist Artur Brauner, der 90-jährige, in Grunewald lebende Filmproduzent, der seit Jahren gegen die Pleite kämpft und Banken für seine Notlage verantwortlich macht. In einem jetzt veröffentlichten Leserbrief an den „Spiegel“ spricht er davon, ihm sei „das gleiche Los beschert worden wie Herrn Merckle“; er habe über 60 Jahre ununterbrochen aufgebaut, habe vier Kinder und stehe seit vier Jahren „unter gemeingefährlichstem Druck einiger Banken“.

Die Folge: Er habe wiederholt an Suizid gedacht. Doch diese Gedanken habe er durch die Überlegung verdrängt, „wonach ich, nachdem ich Hitler und Himmler überlebt habe, den Banken nicht den Gefallen tun würde, und gerade dies trotz der halbkriminellen Machenschaften und wiederholten Versuchen, die Existenz unserer Familie auszulöschen“. Selbst in der Nazizeit habe er nicht ein einziges Mal daran gedacht, nicht weiterleben zu wollen, ergänzte er in einem Zeitungsinterview.

Im vergangenen Jahr hatte Brauner Aufsehen erregt, als er in einem offenen Brief, der als halbseitige Anzeige im Tagesspiegel erschien, zwei Banken namentlich angriff – das war vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise. Hauptschurke in Brauners Darlegung ist die US-Investmentbank Goldman Sachs, der er vorwirft, sie habe ein Kaufangebot für seinen gesamten Immobilienbesitz nur fingiert, um seine Finanzlage in allen Details auszukundschaften. Später kaufte der britische Ableger der Bank aber nicht die Häuser, sondern Brauners Verbindlichkeiten, rund 30 Millionen Euro, und kündigte diese Kredite. Dies alles geschah laut Brauner, obwohl er sich mit der Hypo-Vereinsbank, seiner langjährigen Hausbank, schon darauf geeinigt hatte, 80 Prozent der Forderungen zu begleichen.

Seither läuft die Zinsenuhr. Das Hauptproblem liegt für Brauner darin, dass er nicht mehr in der Lage ist, einzelne Häuser aus seinem Bestand zu verkaufen, solange die Gesamtsumme, die inzwischen mit Zinsen auf 35 Millionen Euro hinauslaufen dürfte, nicht getilgt ist. Das Interview der Bild-Zeitung endet dramatisch: Auf die Frage, warum er nicht kapituliere und Insolvenz anmelde, sagt er: „Auf gar keinen Fall! Das ist vielleicht mein letzter Kampf, aber es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Ich kapituliere nicht. Das habe ich nicht bei Hitler, und das werde ich auch jetzt nicht.“

Konkret hat Brauner bei der Münchener Staatsanwaltschaft gegen die komplette Vorstandsriege der Hypo-Vereinsbank und mehrere Goldman-Manager Anzeige erstattet. Der Vorwurf: Betrug, Untreue, Vermögensschädigung. Insgesamt hat Brauner nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Euro Schulden, die schon in den Jahren nach der Wende wuchsen, weil er zahlreiche Mieter in den Ostteil der Stadt oder ins Umland verlor.

Von den rund 70 Immobilien, die Brauner mal in guten Zeiten besaß, sind ihm in der Stadt fast nur noch die 22 geblieben, die nun unter Zwangsverwaltung stehen. Neben Wohnhäusern handelt es sich vor allem um das „Hollywood Media Hotel“ am Kurfürstendamm. Schon lange klagen die Mieter seiner verbliebenen Berliner Häuser über Baumängel und allerhand anderen Ärger. Brauner sagt, er habe praktisch keinerlei Einnahmen mehr. Bernd Matthies

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