Auf ein GLAS mit : Jürgen Kuttner

Daniela Martens

Manche Entscheidungen sind nicht ganz einfach: Bier oder Wein? Eckkneipe oder kultivierte Bar? Ein paar Stunden vor der Verabredung hat sich Moderator Jürgen Kuttner, 50, umentschieden: Wein im „Volapük“ statt Bier im „Halli Galli“. Beide Lokale sind in der Hufelandstraße in Prenzlauer Berg, nur ein paar Schritte von seiner Wohnung entfernt. Kuttner steigt also die paar Stufen zum Volapük im Souterrain hinunter, setzt sich an den großen Mosaiktisch in der Mitte des Lokals und bestellt einen „kleinen Roten“.

Ist er ein Weinkenner? „Nein, Raucher haben ja nicht gerade die empfindlichsten Geschmacksnerven“, sagt er und sieht sich suchend nach einem Aschenbecher um. Die Wirtin drückt ein Auge zu. Das Verbot war gerade neulich Thema in einem seiner monatlichen Videoschnipselvorträge an der Volksbühne. Eine Art Reizthema für Kuttner: „Das ist doch Gaga – zumindest für Eckkneipen wie das Halli Galli.“ Schließlich seien das Orte, an denen man hauptsächlich Männer finde, die rauchen und Fußball gucken wollten. „Es ist doch nicht so, als ob dadurch plötzlich Ökomuttis mit ihren makrobiotisch ernährten Kindern da einreiten.“

Seit zwölf Jahren zeigt er die Schnipsel, inzwischen auch in München, Hamburg, Wien. Am 25. April hat er ein kleines Jubiläum, den 80. Videoschnipsel-Vortrag an der Volksbühne. Während der Show dort wird er wie immer Bier Trinken. In allen anderen Städten trinkt er dabei Wein. „Um die Zunge zu lösen, aber vor allem, weil es ein Ritual geworden ist. Bei zwei bis drei Stunden quatschen braucht man was zu trinken.“ Drei Stunden – ganz schön anstrengend, oder? „Und für mich erst mal“, sagt er und grinst sehr breit. In Köln bereitet er gerade ein Theaterprojekt vor, über Parsifal und seine Gralssuche. Eins der Bücher, die er dafür brauchte, hat er hier im Volapük gefunden: Der Laden ist gleichzeitig Antiquariat, eine Seite des Raumes bis zur Decke mit Büchern bedeckt. Im Hintergrund am weißen Holztresen unterhält sich die Wirtin mit ein paar Stammgästen auf Französisch: „Das ist doch besser als Musik“, sagt Kuttner.

Wer ihn noch nicht auf der Volksbühne gesehen hat, hat ihn bestimmt schon bei der Radio-Eins-Show „Kuttner und Kuttner“, die er seit November gemeinsam mit seiner Tochter Sarah moderiert. Und? Wie läuft das? „Wenn zwei Solotänzer zusammenarbeiten, ist das nicht immer ganz einfach“. Seine Zuhörer sind viel jünger als er: „Solange ich keinen Psychotalk über Blasenschwäche mache.“ Meistens stört den 50-Jährigen das Älterwerden nicht weiter: Nur dass er inzwischen auf der Bühne eine Lesebrille tragen muss, „kotzt mich an“. Daniela Martens

Volapük & Ici et la, Hufelandstr. 35, Prenzlauer Berg, Di.-Fr. 13-20 Uhr, Sa. 12-18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar