Auf ein GLAS mit : Maren Kroymann

Daniela Martens

„Reserviert“ steht auf allen Tischen: Die Gastwirtschaft „Engelbecken“ am Lietzensee in Charlottenburg ist definitiv kein Geheimtipp. Um 18 Uhr sind viele der dunklen Holzbänke mit den grauen Filzquadraten als Kissen aber noch leer. Eine halbe Stunde darf man sich an einem der für später schon verplanten, blank geputzten Tische aus hellem Holz noch niederlassen.

Eine halbe Stunde ist jedoch viel zu kurz für ein Gespräch mit Maren Kroymann. Die Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin und studierte Anglistin und Romanistin hat einfach zu viel zu erzählen. Dabei redet die 59-Jährige schon so schnell, dass man mit dem Denken und Aufschreiben kaum hinterherkommt. Und sie nicht mit dem Trinken: Am Ende des Gesprächs wird ihr Glas Kefirschorle noch zur Hälfte voll sein.

Wie bitte? Kefirschorle? Ganz richtig. „Das ist ein Getränk, das polarisiert. Viele finden es einfach Bööööaaaah“, sagt sie, tut, als müsse sie sich übergeben, und grinst dabei breit. „Probieren Sie doch mal.“ Es macht ihr nichts aus, das Glas mit jemandem zu teilen, den sie eben kennengelernt hat. „Das lappt einem so schön säuerlich erfrischend entgegen, oder?“ Sie liebt ungewöhnliche Getränke. Wenn sie irgendwo etwas auf der Karte sieht, das sie noch nicht kennt, muss sie es sofort ausprobieren.

Am Engelbecken mag sie nicht nur die Kefirschorle und die „netten Betreiber“, sondern auch die anderen Gäste. Oft ist es hier so voll, das sie mit Fremden am Tisch sitzt und sich unterhält. „Ich habe das Gefühl, dass das alles feinsinnige, angenehme, kultivierte Menschen sind, nicht so poltrige Leute und vor allem keine Angeber.“ Damit hat sie auch gleich eine sehr treffende Selbstbeschreibung geliefert. Maren Kroymann ist aber so vielschichtig, dass die paar Adjektive noch lange nicht ausreichen. Denn auch das Polarisierende – wie die Kefirschorle – und das Ungewöhnliche ist irgendwie typisch für sie. Während sie früher in Comedy-Serien und in ihrer eigenen Satiresendung als Nachtschwester Kroymann zu sehen war, ging es in ihren letzten Filmen sehr ernsthaft um Tabubrüche: Sadomasochismus, Sex mit einem Minderjährigen, Postnatale Depression. Ihr neuer Film „Das Fremde in mir“ kommt im Herbst in die Kinos.

„Ich habe so extrem zwei Gesichter“, sagt Maren Kroymann, meint damit allerdings weniger ihre Arbeit als ihr Erscheinungsbild: das öffentliche, sorgfältig von einer Maskenbildnerin geschminkte, mit dem sie im Engelbecken erschienen ist, und das „private verhuschte mit Brille, wenn ich nach dem Qigong schnell auf den Markt gehe“. Und noch so etwas Gegensätzliches: Meistens spielt sie Mutterrollen, hat aber selbst nie Kinder bekommen. „Mit Kind hätte ich mir zuerst mein Künstlerdasein zwischen allen Stühlen nicht zugetraut. Und später bin ich dann ja lesbisch geworden. Da wurde es leider zu kompliziert.“ Daniela Martens

Engelbecken, Witzlebenstr. 31, Mo–Sa 17–1 Uhr, So 12–1 Uhr; Tel. 49 30 615 28 10

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben