Auf ein GLAS mit : Philipp Geist

Sebastian Leber

An dieser Stelle zeigt uns jeden Monat ein interessanter Berliner sein Lieblingslokal. Heute: Philipp Geist, 31, Videokünstler.

Kein Wunder, dass er gerne ins „Sorsi e Morsi“ geht. Italien mag Philipp Geist schon lange – und erst recht, seit im September in Rom seine Installation bejubelt wurde. 20 000 Menschen wollten sie sehen, an nur zwei Tagen. Der Bürgermeister persönlich gab den Startschuss. Und dann die Mentalität der Römer: Die sind begeisterungsfähig, sagt Geist. Also ab zum Italiener.

Das „Sorsi e Morsi“ liegt in der Marienburger Straße in Prenzlauer Berg. Es gibt unlackierte Holzmöbel, ein grünes Ledersofa und Plastikblumen, an der Wand steht ein Weinregal. Das glitzert, weil die Kerzen im Raum sich in den Flaschen spiegeln. Geist kommt oft mit seiner Freundin her, er wohnt nebenan in der Greifswalder. Der 31-Jährige weiß auch, was „Sorsi e Morsi“ bedeutet: „Schlücke und Häppchen“. Die Morsi gibt’s zwischendurch und kostenlos, zwei Scheiben Parmesan und dazu Oliven, die schmecken wie frisch vom Baum gepflückt, sagt Geist. Und passen ausgezeichnet zum Rotwein.

In Italien hatte Geist auch Gelegenheit, an seinem Langzeitprojekt „Riverine zones connected“ weiterzuarbeiten. Mit dem hat er sich in den letzten zwei Jahren einen Namen gemacht: Geist stellt sich an Flussufer und hält seine Kamera unter die Oberfläche. Sonderbar, was man dann sieht: Fahrräder, Dosen, Plastikmüll, aber auch Fische. Einige Bilder sind absichtlich unscharf. Oder der sandige Flussboden zaubert Schlieren auf die Bilder. Oder Geist filmt aus dem Fluss heraus auf die Gebäude am Ufer.

Was das alles soll? Geist lächelt wohlwollend. Die Frage hat er schon mal gehört. Großstadtgewässer sind außerge- wöhnlich, sagt er: einerseits sehr präsent, andererseits fast unsichtbar, eine versteckte Realität. Weil niemand auf die Idee kommt, nachzuschauen, was unter der Oberfläche ist. Fast niemand. 15 Flüsse hat Philipp Geist schon gefilmt, die Ergebnisse projiziert er zum Beispiel mit Beamern auf Leinwände. Er stand am Chicago River und an der Themse, auch an Elbe und Weser. Im Rhein krabbeln viele Krebse, sagt er. Und im Tiber in Rom? „Das sah extrem toxisch aus.“ Die Spree hat er natürlich auch gefilmt, auf Höhe der Museumsinsel entdeckte er eine Menge Fische. Nächstes Jahr will er seine Kamera in die Donau halten. Und irgendwann in den Amazonas, den Nil, den Mekong. In Italien gibt es mit Sicherheit auch noch ein paar Flüsse, die eine Reise wert sind.Sebastian Leber

Das „Sorsi e Morsi“ liegt in der Marienburger Straße 10. Geöffnet ist täglich ab ca. 17 Uhr. Infos über Geists Projekt findet man unter www.riverine.videogeist.de.

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