Auf ein GLAS mit : Valentine

Ric Graf

An dieser Stelle zeigt uns jeden Monat ein interessanter Berliner sein Lieblingslokal. Heute: Valentine, 19, Sängerin.

Sie mag die Gegend gerne. Die ist so schön dreckig und liegt weit ab von der Erlebnismeile Simon-Dach-Straße. Hier, in der Gegend um den Bahnhof Ostkreuz, ist es etwas düsterer. Hier geht Valentine gerne hin. Ins „Übereck“, ins „7“ und heute ins „Zebrano“. Die Bar spielt mit dem Mitte-Schick: Es gibt viele Lampen und Möbel im 70er-Stil und allerhand klare Formen. Kerzen stehen auf der Bar, ein künstlicher Kamin flackert am einen Ende des Raums, am anderen Ende sitzt Valentine. „Ich bin fast jeden Abend hier unterwegs“, sagt sie. Die Gegend sei noch „Original-Berlin“. So, wie sie es aus der Kindheit kennt. Valentine ist in Friedrichshain aufgewachsen. Und will hier auch nicht weg.

In der Bar trifft sich das südliche Friedrichshain: Alternative, Künstler, Musiker. Valentine wirkt entspannt. Sie trinkt einen Latte macchiato und raucht genüssliche eine Zigarette. Die letzten drei Jahre hat sie verdammt viel erlebt. Sie ist das, was man einen Shootingstar der deutschen Musikbranche nennt: Sie gab große Konzerte, trat bei Stefan Raabs „TV Total“ auf, Paul McCartney war von ihren selbst geschriebenen Popsongs begeistert, ihr erstes Album konnte sich in den Charts halten, ihre Single „Feel So Bad“ wurde deutschlandweit im Radio rauf und runter gespielt. Das war vor drei Jahren. Beim zweiten Album veränderte sich etwas. Plötzlich war sie nicht mehr die große Nachwuchshoffnung, Freunde zweifelten an dem eingeschlagenen Weg. „Diese Phase war ziemlich unangenehm. Ich war total unmotiviert, konnte nicht mehr schreiben und wusste überhaupt nicht, wie es weitergehen könnte“, erzählt sie zurückblickend. Kraft gab ihr im letzten Herbst die Songwriterin Michelle Leonard aus Köln. Valentine verließ ihre Plattenfirma und ist wieder im Studio – und auf der Suche nach einer neuen Plattenfirma. „Ich habe in den letzten Jahren viel über die Branche gelernt – und auch die schlechten Seiten kennengelernt“, sagt sie und bestellt sich einen zweiten Kaffee.

Valentine ist im Musikbusiness erwachsen geworden: Mit sechs dachte sie sich schon eigene Songs aus, spielte früh viel Klavier, mit 14 wurde der erste Plattendeal verhandelt, mit 16 war sie in den Charts. Sie kümmert sich seit einiger Zeit selbst um die Fotoshootings, die Homepage und neue Cover, entscheidet viel mehr mit und will, dass alles hundertprozentig von ihr kommt. „Ideen habe ich genug.“ Was Valentines Musik auszeichnet, ist ihr Instinkt. Sie nahm nie Gesangsunterricht, singt eher intuitiv, komponiert nicht für den schnellen Poperfolg, sondern solange, bis das Gefühl stimmt. Ihre Ehrlichkeit hat viele überzeugt. Für das neue Jahr ist sie sehr hoffnungsvoll gestimmt: „Ich bin der glücklichste Mensch, wenn das neue Album kommt.“

Und dann will sie in diesem Jahr viel reisen. Nach Costa Rica und Tunesien. „Ich möchte neue Eindrücke für meine Songs sammeln“, sagt sie. Bis dahin wird sie weiter jeden Tag drei Stunden vor dem Klavier sitzen, Songs schreiben und die Abende in der Friedrichshainer Sonntagstraße verbringen. Ric Graf

„Zebrano“ in der Sonntagstraße 8, Friedrichshain, Telefon: 29 36 58 74, im Internet: www.zebranobar.de

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