Stadtleben : Auf Zeitreise mit dem Altmeister

Der Sänger, Komponist und Entertainer Paul Anka kommt nach Berlin: Auf der „My Way“-Tour singt er im Tempodrom seine Hits aus 50 Jahren – die CD dazu gibt’s bereits

G,a Bartels

Der Mann hat Klasse. Nicht nur, weil er ein Entertainer alter Schule ist, der die Fliege zum Smoking selber binden kann. Sondern weil er sich ausgesucht höflich für schlappe zehn Minuten Verspätung entschuldigt. „Dafür gehöre ich jetzt ganz Ihnen“, sagt Paul Anka und fegt die vom Management strikt angeordneten „maximal 15 Minuten“ Gesprächszeit elegant vom Tisch.

Anfang April kommt Anka für vier Konzerte nach Deutschland, eins davon gibt er im Berliner Tempodrom. Die Stadt kennt er gut, schon seit den Sechzigern. Seine letzte Europatour „Rock Swings“ hat er 2005 hier begonnen und natürlich lobt der verbindliche Vollprofi die Unterstützung des hiesigen Publikums.

Mit seinem Album „Classic Songs – My way“ schließt Paul Anka jetzt da an, wo er mit seinen bei Publikum und Kritik erfolgreichen Swing-Cover-Versionen von Rocksongs aufgehört hat. Nur ist es zum 50-jährigen Bühnenjubiläum des Sängers und Komponisten diesmal eine spezielle Doppel-CD geworden. Auf der einen kann man die alten Hits wie „Diana“ oder „Put your head on my shoulder“ hören, die Teenie-Idol Anka mit süßen sechzehn gesungen hat. Und auf der anderen gibt der inzwischen 66-Jährige glänzend arrangierte Versionen von Cindy Laupers „Time after time“ oder „Mr. Brightside“ von den Killers im satten Bigband-Sound zum Besten. Wer beide Scheiben hintereinander hört, verliert sofort jede Angst vorm Altern. Früher klang Paul Anka wie weiland Peter Kraus, jetzt klingt er wie ein technisch versierter Sänger, der Gefühl und Coolness kennt.

Sein großer Durchbruch kam 1957 mit dem selbst geschriebenen Song „Diana“. Zehn Millionen Mal hat sich der seither verkauft. In der Liga spielen sonst nur noch „White Christmas“ und „Candle in the Wind“. Ein paar Jahre später war der 1941 in Ottawa geborene Sohn libanesischer Wirtsleute schon Millionär. Knapp 130 Alben hat Paul Anka herausgebracht und über 900 Songs geschrieben, darunter „She’s a Lady“ für Tom Jones und „My Way“ für Frank Sinatra. Als Rentner der Branche versteht er sich absolut nicht: Er arbeitet mit Madonna oder Céline Dion und produziert Michael Bublé.

Das Musikgeschäft sei schon eine kühle Maschinerie geworden, findet Paul Anka. „Technik und Geld spielen heute eine größere Rolle als die Stimme, Talent braucht man aber nach wie vor.“ Ob er sich zwischen all den Popstars noch wohl fühlt? „Klar, die kenne ich ja. Da ist nichts Mystisches dran. Die lernen von mir, wie man ein tolle Liveshow macht. Schlimm ist, wenn Leute wie Britney Spears die Kontrolle verlieren, weil sie nicht gelernt haben zu scheitern.“ Er habe das Ende seiner Zeit als Teenie-Idol als ein Scheitern von vielen weiteren überlebt, sagt Anka.

Die Songs auf dem „My Way“-Album hat er ausgewählt, weil er sie liebt und vor allem, weil er was Neues damit machen wollte. Aber „Time after Time“ ausgerechnet als Up-Tempo-Nummer im rasiermesserscharfen Bläsersound? Anka lacht und sagt: „Gerade! Es ist das intelligenteste und anspruchsvollste Arrangement auf dem ganzen Album. Keiner hat den Song bisher so gebracht.“ Und bei den brüchigen Balladen wie „Ordinary World“ von Duran Duran oder „Both Sides now“ von Joni Mitchell kann er mehr Facetten seiner Stimme zeigen.

Komplett überflüssig ist dagegen das von Akustikgitarrengeklimper begleitete „My Way“ im Duett mit Jon Bon Jovi. Warum er die in unzähligen Karaoke-Bars zu Tode gefolterte Nummer immer noch singt? „Weil für mich die ganze Geschichte meiner Freundschaft mit Sinatra da dran hängt.“ Und auf Tour sei es sowieso nie langweilig, einen Song live vor Publikum zu singen. „Die sitzen dann in Berlin so als schwarzes Loch vor mir. Und ich hab’ nur vier Minuten, um den Song rüberzubringen. Manchmal gelingt dann dieser eine magische Moment. Aber nur, wenn du ehrlich zum Publikum bist, es bemerkt den Unterschied.“

Mehr als 150 Tage im Jahr steht der in Beverly Hills lebende Vater von fünf Töchtern und Großvater dreier Enkel in Kasinos und Konzertsälen von Las Vegas bis Tokio auf der Bühne. Und sonst: in Kalifornien am Strand liegen, Golf spielen? „Nein“, prustet er los, „ich hasse Alte-Männer-Sport“. Er arbeite im Studio, lese, wandere und trainiere viel.

Außerdem sitzt Anka an seinem ersten Buch, einer Autobiografie über seine 50 Jahre im Showbiz, die auch in Deutschland erscheinen wird. Der Titel? „Auf keinen Fall My Way“, lacht er, „versprochen!“ Und dann bedankt sich der auffallend brünette Weltstar mit Hollywood-Lächeln zum Abschied für das Interesse. Keine Ursache, die Stunde mit ihm war ein reines Vergnügen.

Paul Anka tritt am 3. April im Tempodrom auf. Karten ab 41 Euro gibt es unter www.berlin-ticket.de.

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