Auftritt der Woche : A-ha: Sing zum Abschied leise „adjø“

Am Mittwoch spielen A-ha in der O2-World. Es ist bereits das dritte Konzert der Norweger in Berlin dieses Jahr - und es könnte das letzte für immer sein.

Eva Kalwa
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Dauergast. Im August trat Sänger Morten Harket kurz am Brandenburger Tor auf, zwei Monate zuvor hatte er seine Fans schon in...Foto: ddp

Der Text hätte hellhörig machen müssen: Um den Wunsch nach Ruhe und den Rückzug vom Trubel geht es da und um die große Stille am Fuße eines Berges. Was die norwegische Band A-ha in ihrer Single „Foot of the mountain“, die im Sommer offizieller Song der Leichtathletik-WM in Berlin war, bereits anklingen ließ, soll nun Wirklichkeit werden: Sänger Morten Harket, Gitarrist Paul Waaktaar-Savoy und Keyboarder Magne Furuholmen haben soeben bekannt gegeben, dass sie sich 2010 nach 28 Jahren als Band zur Ruhe setzen und nur noch als Solokünstler oder in anderen Projekten weiterarbeiten wollen. Das Konzert am Mittwoch in der O2-World wird also womöglich das letzte sein, das Berliner Fans der Schöpfer des Nummer-Eins-Hits „Take on me“ und des Pop-Ohrwurms „Touchy“ besuchen können.

Zahlreiche Anhänger haben die Norweger dieses Jahr bereits an einem kühlen Augustabend am Brandenburger Tor auf der Bühne gesehen. Dort spielten A-ha zum Start der Leichtathletik-WM drei Songs – bei freiem Eintritt zwar, jedoch in recht emotionslosem Halb-Playback. Vielleicht war den Musikern noch ihr durch den Ausfall der Bühnentechnik verpatzter Berlin-Auftritt vor vier Jahren beim „Live8-Festival“ in Erinnerung, und sie wollten sich dieses Mal lieber auf die Konserve verlassen.

Sänger Morten Harket, inzwischen 50 und fünffacher Vater, betont in Interviews derzeit gerne, dass Streit nicht die Ursache für die geplante Bandauflösung sei. Außerdem wird die Gruppe mit dem unverwechselbaren Achtziger-Jahre- Sound möglicherweise noch einmal im nächsten Herbst nach Berlin kommen. Denn bevor die Norweger endgültig „adjø“ sagen, soll es nochmal eine Reihe von Konzerten geben – in welchen europäischen Städten das Trio dann spielt, ist aber unklar. Fest steht bisher nur der Termin des allerletzten Konzerts am 4. Dezember 2010 in Oslo. Der war im Internet innerhalb weniger Stunden ausverkauft – ein Schelm, wer zwischen den Ankündigungen der Bandauflösung und der letzten Tour einen marketingrelevanten Zusammenhang vermutet. Tatsache ist, dass A-ha zu den Bands gehören, die schon früh den Nutzen der Medien für ihre Arbeit erkannt haben – und bis heute von ihm profitieren. Auch wenn der ironisierende Titel ihrer zweiten Single „The sun always shines on TV“ 1985 möglicherweise noch Ausdruck einer kritischen Haltung gegenüber der Melange aus Kunst und Kommerz war – ein weltweiter Erfolg wurde der Song nicht zuletzt dadurch, dass das preisgekrönte Video wie sein Vorgänger zum Hit „Take on me“ auf dem damals noch jungen Musiksender MTV hoch und runter gespielt wurde. Doch Morten Harket ist sich sicher, dass es auch ohne die Unterstützung visueller Medien geklappt hätte, die international erfolgreichste Band Norwegens mit angeblich über 70 Millionen verkauften Alben zu werden: „Über das Auge lässt sich schneller Kontakt schließen, aber der Gehörsinn schafft tiefere Bindungen. So betrachtet bin ich sicher, dass A-ha, hätte es niemals Videos gegeben, noch größer rausgekommen wäre.“ Das dürften seine weiblichen Fans entschieden anders sehen: Als er im Juni 2009 in einem Sportschuhgeschäft in Charlottenburg im engen schwarzen T-Shirt einen Sneaker entwarf, waren die „Morten, Morten“-Rufe bis zum Kurfürstendamm zu hören.

Beginn ist um 20 Uhr, Sitzplatzkarten kosten 54-66 Euro.

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