Auftritt der Woche : Amy Macdonald: Voll das Leben

Vor wenigen Tagen ist Amy Macdonald 22 Jahre alt geworden, und wer am Donnerstag ihr Eröffnungskonzert zur Ifa besucht, wird dazu bestimmt die eine oder andere kleine persönliche Geschichte hören.

Eva Kalwa
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Persönliche Note. Das Gitarrespiel hat sich Amy Macdonald aus Glasgow selbst beigebracht. -Foto: promo

Die schottische Sängerin, deren Single „This is the life“ 2008 Platz zwei der deutschen Charts erreichte, erzählt auf der Bühne gern ein wenig von sich.

Wer vertraut ist mit der schottisch-markanten Aussprache des Englischen, erfährt dabei manches von den persönlichen Erfahrungen, über die Macdonald ihre Songs mit Vorliebe schreibt. Wer es nicht ist, kann sich auf alle Fälle an dem Akzent der Glasgowerin erfreuen, den viele als besonders putzig oder gar ausgesprochen sexy beschreiben. Und wundern wird sich wohl jeder. Zumindest solange er die Sängerin, die im Februar in Berlin den Echo als „Beste Newcomerin International“ entgegen nahm, noch nicht live erlebt hat: Über diese zarte, unschuldige Sprechstimme, die beim Singen plötzlich aus der Reife einer viel Älteren zu schöpfen scheint. Eine helle Stimme, die, sobald Macdonald zur Akustikgitarre greift, voll wird und tief, mit ein paar kleinen Ausrutschern ganz nach oben zwischendurch. Und manchmal auch an dünnes Schmirgelpapier erinnert, mit dem eine junge Frau eine alte Kommode vom Flohmarkt aufpoliert.

Aufgepasst, solche Bilder kitschig-schöner Alltagspoesie steigen schnell auf, wenn man den selbst geschriebenen Songs der Glasgowerin lauscht, die sich im Alter von zwölf Jahren das Gitarrespielen selbst beigebracht hat. Der melancholische bis fröhliche Folk-Pop-Rock wirkt bei allen Anklängen an Macdonalds große Vorbilder Travis und Pete Doherty so frisch und unverbraucht eben wegen dieser eindrucksvollen Stimme, die musikalisch von vier hübsch rockenden Jungs unterstützt wird. Auch Oasis zählen zu Macdonalds Idolen, und in deren Bandbiografie wird die Schottin nun auf ewig einen Platz haben: Sie war es, die am Freitag nach dem erneuten Zoff der Gallagher-Brüder in Paris via Twitter das Ende von Oasis prophezeite: „Liam hat Noels Gitarre zertrümmert. Großer Kampf.“

Manche Stücke der Schottin sind durchaus bissig, und wer möchte, kann in ihnen die kritische Studentin der Sozialwissenschaften erkennen, die Macdonald auch ist oder zumindest gern wäre: Da sie in den letzten zwei Jahren fast ständig auf Tour war, blieb weder viel Zeit für die Uni noch dazu, neue Songs zu schreiben. In „Footballer’s wife“ lästert sie über Möchtegern-Promis, die mit ihren Be- und Empfindlichkeiten die Welt beschwatzen und sich dabei so wichtig und berühmt fühlen wie Marilyn Monroe und Ginger Rogers. Und in „Poison Prince“ rät sie Pete Doherty, sich von den Drogen ab- und der Musik wieder zuzuwenden.

Weil Macdonalds Debütalbum, das viermal Platinstatus erreichte, nur zehn Stücke enthält und die Sängerin damit einen Auftritt von höchstens 50 Minuten bestreiten könnte, spielt sie auf ihren Konzerten oft mehrere Covers, etwa Leonard Cohens „Hallelujah“, „Mr. Brightside“ von The Killers oder Springsteens „Dancing in the dark“: Traumverlorene und etwas düstere Momente, in denen manchmal aber auch ein heißer Wüstenwind durch die Fransen eines karierten Cowgirl-Halstuchs weht.

3. September, Sommergarten, Messegelände am Funkturm. 20 Uhr, 42 Euro

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