Auftritt der Woche : Auf die ganz eigene Tour

Die Schwedin Robyn hatte Ärger mit der Plattenfirma. Jetzt plant sie ihre Karriere selbst. Morgen singt die 28-Jährige in der Maria.

Sebastian Leber
Robyn
Mit ihrer ersten Karriere hat Robyn abgeschlossen. Jetzt singt sie nur noch ihre eigenen Songs. -Foto: Ullstein

Endlich mal wieder ein Popstar mit klarem Feindbild: Wenn die Schwedin Robyn sich in Interviews ärgert, dann meistens über die Musikindustrie, die großen Plattenfirmen und vor allem deren Manager, die einem als Künstler ständig in die eigenen Songs reinreden wollen. Alte Männer, die alles besser wissen. Die Kerle hätten fast ihre Karriere zerstört! So hört sich die Geschichte jedenfalls an, wenn Robyn sie erzählt. Wobei ihr Ton in den letzten Monaten schon ein bisschen milder geworden ist, was wohl auch daran liegt, dass Robyns Karriere im Moment so gut läuft wie noch nie: Der Ohrwurm „With every Heartbeat“ war in Großbritannien auf Platz eins, läuft in Deutschland seit dem vergangenen Sommer in allen Clubs und Diskotheken. Das Lied wird die 28-Jährige ganz sicher auch morgen Abend singen, wenn sie im Club Maria am Ostbahnhof auftritt. „Was gerade stattfindet, ist meine zweite Karriere“, sagt sie. „Meine zweite Chance.“

Dass ihre erste so unglücklich verlief, daran sind die alten Männer schuld. In den frühen Neunzigern wurde Robin Miriam Carlsson – das Ypsilon im Vornamen hat sie sich später dazugedichtet – bei einer Schulveranstaltung entdeckt und gleich mit einem Plattenvertrag geködert. Da war sie 14. Ihre Aufgabe: Von anderen geschriebene Dance-Pop-Nummern singen und dabei hübsch aussehen. Der asymmetrische Haarschnitt garantierte ihr Aufmerksamkeit. Als Produzenten hatte Robyn ausgerechnet Max Martin erwischt, den legendären Fließband-Popschreiber, der in den Neunzigern auch N’Sync und die Backstreet Boys, Rednex und Ace of Base mit Hits versorgte. Der Dieter Bohlen des schwedischen Pop.

„Ich musste eine Menge Kompromisse eingehen“, sagt Robyn heute. „Das war nicht meine Musik.“ Die Manager hätten aus ihr eine schwedische Britney Spears oder Christina Aguilera machen wollen. Andererseits: Robyn hat drei Alben lang fleißig mitgemacht – und sich bis heute nicht bei den Käufern ihrer damaligen Platten entschuldigt. Und von denen gab es viele: In den USA und Großbritannien feierte Robyn Charterfolge mit Hits wie „Show me Love“ und „Do You know (What it takes)“. Bis sie einen Nervenzusammenbruch hatte und sich zu Hause in Stockholm einigelte.

Jetzt ist sie zurück. Aus dem Plattenvertrag hat sie sich 2004 herausgekauft, dafür eine eigene kleine Plattenfirma gegründet, alle Angestellten sind persönliche Bekannte. Jetzt kann Robyn die Musik schreiben und machen, die ihren Vorstellungen entspricht. Keinen supermarkttauglichen Dance-Pop mehr, dafür eine – wiederum sehr tanzbare – Mischung aus Electro, HipHop und Disco. Als Vorbilder gibt sie Madonna, Prince und Kate Bush an, ein bisschen hört man das ihren Liedern an. Die Texte sind nicht unbedingt tiefgründiger geworden, aber das kann Robyn erklären: „Popmusik ist das perfekte Medium, um über naive, dumme Dinge zu sprechen, ohne dumm zu klingen.“

Dass „With every Heartbeat“ ein Hit wurde, hat Robyn sehr geschmeichelt. Und noch einen Erfolge kann sie als Solokünstlerin verbuchen: Sie hat den Dalai Lama in Schweden getroffen. Es gibt ein Foto, auf dem das buddhistische Oberhaupt ihr Album in den Händen hält und weise lächelt. Wer so einen Fan hat, muss wohl etwas richtig gemacht haben.

Es gibt noch Karten unter: www.berlin-ticket.de

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