Auftritt der Woche : Der klassische DJ

Alex Smoke kommt aus Glasgow, half bei der Gründung des Berliner Labels Vakant und ist am Sonnabend im Watergate-Club zu Gast.

Markus Hesselmann
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Vielseitig: Alex Smoke. -Foto: promo

BerlinHier kommt ein DJ, der das Cello beherrscht. Alex Smoke absolvierte eine klassische Musikausbildung, unter anderem auch am Klavier, und sang im Chor der Kathedrale im nordenglischen Durham, bevor er sich dem Mischpult zuwandte. „Ich liebe die ganze Bandbreite der Musik“, sagt Alex Smoke. Remixt hat er sowohl für klassische Komponisten wie Steve Reich, als auch für Elektropopper wie Depeche Mode. Am Sonnabend tritt Alex Smoke im Watergate auf. Bei der zehnten Nacht des Berliner Labels Vakant, mit dem der Glasgower DJ seit der Gründung zusammenarbeitet.

Genaugenommen ist Alex Smokes Musik überhaupt der Grund für Vakants Existenz. Sein Namensvetter Alex Knoblauch arbeitete bei der etablierten Indie-Plattenfirma Mute und trug sich mit der Idee, sich selbständig zu machen, als ihm vor vier Jahren ein Demo Alex Smokes unterkam. „Es hat mich sehr überrascht, dass keiner an seiner Musik interessiert war“, sagt Alex Knoblauch. Er selbst war interessiert und wagte mit Alex Smoke als erstem Künstler den Sprung in die Unabhängigkeit. Heute gilt Vakant als eines der innovativsten und erfolgreichsten Labels aus der Technometropole Berlin. Von der Arbeit dort kann Alex Knoblauch leben. Sieben weitere Künstler stehen nun bei Vakant unter Vertrag.

Alex Smokes Musik ist minimalistisch, aber nie eintönig. Seiner digitalen Maschinerie entlockt er überraschende synthetische Sounds, die sich über komplexe Rhythmen legen. Seine Einflüsse reichen vom britischen Elektronikprojekt Autechre bis zu Rachmaninoff. An der klassischen minimalistischen Musik faszinieren ihn die zunächst kaum wahrnehmbaren Veränderungen, die sich beim intensiven Hinhören herauskristallisieren. Dasselbe gilt in gewissem Maße auch für die Musik von Alex Smoke, obwohl sie – naturgemäß für einen DJ – auch immer absolut tanzbar ist.

Die Berliner Technogemeinde nennt er „funktional, geradlinig, eher non groovy“. Alex Smoke meint das durchaus als Kompliment. Manchmal aber würde er den Berlinern durchaus etwas mehr Offenheit wünschen. Er sagt das in aller britischen Zurückhaltung und ohne als großer Kritiker oder gar Besserwisser wirken zu wollen. Alex Smoke selbst bleibt Glasgow treu mit seiner überschaubaren Szene. Die britische Hauptstadt und Musikmetrople London wäre ihm zum Leben viel zu stressig.

Alex Smoke kann sich gut vorstellen, dass sich der Einfluss der klassischen Musik bei ihm noch verstärken wird. „Mit dem Cello gehe ich aber nicht auf die Bühne“, sagt er und lacht. Seine Mutter, Musiklehrerin und Violinistin, freut sich, wenn der Sohn mit etablierten klassischen Musikern zu tun hat, zum Beispiel unlängst bei einem Projekt mit einem schottischen Orchester. „Doch dann fragte sie sich, ob das Steuergeld für so eine Sache auch richtig angelegt war“, erzählt Alex Smoke. „Sie hätte es besser gefunden, wenn damit wirkliche klassische Musiker gefördert worden wären, nicht ein DJ wie ich.“

Dumb-Unit/Vakant Night, Sonnabend, 17. Mai, ab 24 Uhr im Watergate-Club, Falckensteinstraße 49, Kreuzberg, 12 Euro.

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