Auftritt der Woche : Heimkehr für einen Abend

Im Schillertheater begann einst Barbara Sukowas Schauspielkarriere. Am Montagabend kehrt sie zurück - und singt.

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Besuch aus Brooklyn. Das Konzert beginnt am heutigen Montag um 20.30 Uhr in der Bismarckstraße 110 (Karten 15-53 Euro). Infos unter www.staatsoper-berlin.org.
Besuch aus Brooklyn. Das Konzert beginnt am heutigen Montag um 20.30 Uhr in der Bismarckstraße 110 (Karten 15-53 Euro). Infos...Foto: Mike Wolff

„Na, Mä‘chen, wo willst‘n hin?“, fragt der ältere Mann die junge Frau, die etwas verloren auf dem Hof des Schillertheaters steht. Die 19-Jährige lächelt erleichtert: endlich jemand, der ihr den Weg zur Bühne weist. Aufgeregt ist sie, denn es ist Barbara Sukowas erster Tag am Theater, die Schülerin der West-Berliner Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel soll als Statistin in dem Stück „Zicke-Zacke” mitwirken. Ihren sympathischen Helfer wird sie in den Wochen darauf im Haus an der Bismarckstraße noch öfter sehen. „Meinen Kumpel” nennt sie ihn. Bis einer sie aufklärt: „Dein Kumpel? Das ist unser Intendant Boleslaw Barlog.“

Vier Jahrzehnte sind vergangen. Jahre, in denen aus der jungen, nervösen Statistin eine herausragende und vielfach ausgezeichnete Schauspielerin wurde. Ihren ersten großen Erfolg feiert Sukowa 1980 als „Mieze“ in Fassbinders Mehrteiler „Berlin Alexanderplatz“, es folgen unter anderem die Filme „Lola“ und „Die bleierne Zeit“ sowie zahlreiche Theaterengagements. Im Schillertheater, wo 1969 Sukowas Karriere begann, ist sie seither nie mehr aufgetreten. Bis heute, denn an diesem Montagabend gibt die 60-Jährige hier zusammen mit ihrem Mann Robert Longo und dem Gitarristen Jon Kessler – beide Multimediakünstler – unter dem Namen „Barbara Sukowa & The X-Patsys“ ein Rockkonzert. Unter anderem mit Liedern von Schubert, Schumann und Weill sowie Cover-Songs von Tom Waits, Joy Division und Patsy Cline. „Sie alle singen von den großen Themen: Liebe und Tod. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar“, sagt Sukowa. Nachdem sie seit den Achtzigern bereits als klassische Interpretin auftritt, entdeckt sie nun die Bandbreite des Rock für sich. Das erste Album der Band, „Devouring Time“, steht auf der Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik. „Singen macht mich glücklich“, sagt Sukowa.

Mit Longo und dem gemeinsamen 16-jährigen Sohn lebt Sukowa im New Yorker Stadtteil Brooklyn in einem großen, von Bäumen umgebenen Haus. Hier kann man im Keller Musik machen und singen, ohne dass es einen Nachbarn stört. Auch die beiden älteren Söhne, 32 und 22 Jahre, kommen oft her. So sehr Sukowa ihr dortiges Leben genießt – nach wie vor schlägt das Herz der gebürtigen Bremerin auch für Deutschland, die deutsche Sprache und besonders Berlin. Daher besitzt sie seit einigen Jahren in Charlottenburg eine Wohnung. Ganz in der Nähe von dem Ort, wo sie schon als Schauspielschülerin gewohnt hat, zwischen Mommsenstraße und Adenauerplatz. Sie erinnert sich gern an die späten Sechziger: die politische Aufbruchstimmung, die Demos auf den Straßen und die hitzigen Diskussionen im Schauspielseminar. Heute jedoch genießt sie vor allem die Gelassenheit der Stadt – jedenfalls im Vergleich zum rasanten Lebenstempo New Yorks. „In Berlin habe ich das Gefühl, dass die Menschen noch Zeit füreinander haben, auch spontan“, sagt Sukowa. In New York sei es undenkbar, morgens einen Bekannten anzurufen, um ihn zum Mittagessen zu treffen. „Die Woche eines berufstätigen New Yorkers ist bis ins kleinste Detail durchorganisiert.

Wenn sie wieder dort ist, wartet neue Arbeit. Margarethe von Trotta, mit der Sukowa bereits einen Film über Rosa Luxemburg gedreht hat, will 2011 das Leben der jüdischen Politiktheoretikerin Hannah Arendt verfilmen. „Ich werde sehr viel lesen müssen“, sagt Sukowa und blickt daher einem ruhigen Winter entgegen. Und das ausgerechnet in New York.

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