Auftritt der Woche : Immer wieder wild

Iggy Pop hat mit seiner alten Band The Stooges eine neue Platte herausgebracht, die er am Donnerstag in der Zitadelle vorstellt

Ric Graf

Seine Gesichtszüge sind heute hart, die Falten tief, die Augen dunkel umrandet. Viel erzählt dieses Gesicht und lässt ahnen, was Iggy Pop in so vielen Nächten trank und schluckte. Aber er lebt nicht mehr am Abgrund. Wohnt im eher friedlichen Florida und ist mit 61 Jahren vielleicht auch etwas altersmilde geworden. Am Donnerstag spielt er mit seiner Band The Stooges in der Zitadelle Spandau – die einzige deutsche Station auf der derzeitigen Tour.

Immerhin: Berlin ist Teil seiner Lebensgeschichte. Mitte der Siebziger war Iggy Pop am Ende seiner Kräfte. Die Drogen hatte ihn fest ihm Griff, seine Band brach gerade auseinander. Er kam erst in die Psychiatrie – und dann mit seinem Freund David Bowie nach Berlin. Hier wollten sie vom Heroin loskommen. Aber vergeblich: Nach ihrem Aufenthalt nannte Bowie Berlin die „Welthauptstadt des Heroins“.

Bowie und Pop wohnten in der Hauptstraße 155, saßen oft im Café „Anderes Ufer“ herum und feierten nächtelang im legendären Club „Dschungel“ in der Nürnberger Straße in Charlottenburg. Dennoch: Mit seinem Freund und Förderer Bowie konnte er wieder arbeiten. In Berlin enstanden die beiden Kult-Alben „The Idiot“ und „Lust For Live“. Bowie bewahrte ihn vor dem finanziellen Ruin, und vor allem schaffte es Iggy Pop mit seiner Hilfe, endlich als Künstler anerkannt zu werden. Das war ihm zuvor mit den Stooges und ihren drei gemeinsamen Alben nie gelungen. Vielleicht waren sie ihrer Zeit einfach zu weit voraus. Sie spielten schon Anfang der 70er in New York eine Musik, die Ende der 70er in London Punk genannt werden sollte. Nicht umsonst wurden Songs wie „I Wanna Be Your Dog“, „Search And Destroy“ oder „No Fun“ später von vielen Punkbands gecovert.

Zu einer richtigen Erfolgsgeschichte aber wurde erst Iggy Pops Solokarriere. Insgesamt 17 Alben brachte er heraus, spielte in zahlreichen Filmen mit und ließ die Drogenexzesse irgendwann hinter sich, um einfach nur das zu machen, was er am besten kann: guten Rock ’n’ Roll. Seit 1962 ist er mittlerweile im Geschäft. Angefangen hat er als Schlagzeuger, spielte später in mehreren Blues-Bands in Chicago und traf schließlich auf die Jungs, mit denen er 1967 die Stooges gründete.

Eines aber ist all die Jahre immer gleich geblieben: Iggy Pop macht auf der Bühne eine Wahnsinns-Show. Er spielt keinen Rock ’n’ Roll, er lebt ihn. Laut, krawallig und richtig wild. Früher hat er sich auf der Bühne in die Brust geschnitten, noch heute tanzt er nicht minder exaltiert als Mick Jagger. Und er hat nicht nur mit seinen Songs die Musiklandschaft bereichert: Iggy Pop ist auch der Erfinder des Stage-Divings – des Sprunges von der Bühne kopfüber in die Menge, die ihn dann auf den Händen herum- und zurückträgt. Bis heute tritt der „Godfather of Punk“ in der Regel mit nacktem Oberkörper auf.

2002 riefen sich auch The Stooges wieder zusammen. Nach einer gemeinsamen Tour brachten sie im letzten Jahr ein viel beachtetes Comeback-Album heraus, mit dem sie nun wieder auf Tour sind. Und am Donnerstag hat Berlin Iggy Pop mal wieder zurück.Ric Graf

Iggy & The Stooges am Donnerstag ab 18 Uhr in der Zitadelle Spandau. Als Vorband sind unter anderen die Berliner von Elke dabei. Die Karten kosten 42,90 Euro.

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