Auftritt der Woche : Kanadischer "King of Swing"

Der Kanadier Michael Bublé kommt mit Swing nach Berlin. Außerdem bringt der 31-Jährige seine ganze Familie mit. Denn er ist ein Mensch, der sich nur wohlfühlt, wenn er den ganzen Anhang um sich hat.

Nana Heymann
Michael Buble Foto: Promo
Der kanadische Musiker Michael Bublé. -Foto: Promo

Michael Bublé bezeichnet sich selbst als Familienmenschen. Weil der Sänger so sehr an seinen Lieben hängt, müssen sie ihn stets auf Touren begleiten: die Eltern, die Lebensgefährtin, die beiden Schwestern, deren Familien. Erst wenn Bublé alle um sich hat, fühlt er sich wohl. Einziger Nachteil: Während sich der Künstler auf seine Auftritte vorbereitet, wendet sich die Verwandschaft dem Alkohol zu. Das kann zu ausufernden Gelagen führen, wie Bublé in einem Interview verriet. Er selbst nimmt das mit Humor.

Am Freitag hat der Kanadier also wieder was zu lachen: Da tritt der 31-Jährige in Berlin auf. Mit dabei hat er sein Album „Call Me Irresponsible“, das dritte Werk nach seinem fulminanten Debüt vor vier Jahren. Diese nach ihm benannten Platte verkaufte sich nicht nur in seiner Heimat hunderttausendfach, sondern auch in Australien, Großbritannien und Italien – insgesamt mehr als vier Millionen Mal. Dass Bublé sein Wohnzimmer mit Platin-Auszeichnungen vollhängen könnte, hat er nicht zuletzt der von Robbie Williams angestoßenen Swing-Welle zu verdanken.

Dabei ist Bublé keiner, der nur auf einen fahrenden Zug aufgesprungen ist. Sein Großvater machte ihn schon früh mit Swing-Legenden wie den Mills Brothers vertraut. „Die Texte waren so romantisch, so echt. Ich wusste, dass dies die Musik war, die ich selbst gern singen würde.“ Bis es so weit sein würde, verging aber noch einige Zeit. Der Sieg bei einem Talentwettbewerb in Vancouver wurde Bublé nachträglich aberkannt, weil er noch minderjährig war. Entmutigen ließ er sich nicht, nahm in Eigenregie Platten auf, die er dem Großvater widmete.

Dass seine Karriere dennoch in Gang kam, hat Bublé dem kanadischen Ex-Premier Brian Mulroney zu verdanken. Der Sänger trat auf der Hochzeit von dessen Tochter auf, der Brautvater war so begeistert, dass er Bublé mit dem Erfolgsproduzenten und Grammy-Gewinner David Foster bekannt machte. Knapp zwei Jahre arbeiteten die beiden am Debüt, auf der Platte interpretierte Bublé Klassiker wie Dean Martins „Sway“. Zudem schreckte er nicht davor zurück, Songs wie „Crazy Little Thing Called Love“ von Queen mit Swing-Arrangements zu unterlegen. In der Presse wurde der Künstler als „Frank Sinatra des 21. Jahrhunderts“ und „King of Swing“ gefeiert.

Das macht Michael Bublé eher Angst, weil ihm plötzlich ein seriöses, angestaubtes Image anhaftet. „Irgendwie zieht meine Musik keine Groupies an. Schade eigentlich“, scherzte er kürzlich in einem Interview. Ihm selbst seien aalglatte Typen stets ein Graus. Um sich von denen so weit wie möglich zu distanzieren, gibt er auf der Bühne den lässigen Entertainer, der Frauen und Männer mit Witz und Charme begeistert – und seine schrecklich nette Familie sowieso.

Freitag, 20 Uhr, ICC, ab 56 Euro

0 Kommentare

Neuester Kommentar