Auftritt der Woche : Michael Wendler: Der Partyknaller

Michael Wendler ist der Star des Disco-Fox Jetzt kommt der "König des Pop-Schlagers" in die Spandauer Zitadelle.

Eva Kalwa
Wendler
Am Anfang der Karriere stand ein aufgelöster Bausparvertrag. Mit dem Geld nahm der gelernte Speditionskaufmann Michael Wendler die...Foto: Promo

Wer hätte geglaubt, dass ausgerechnet Berlin einmal zum Mekka des deutschen Schlagers wird? Doch am nächsten Sonntag könnte es soweit sein, dann nämlich tritt Michael Wendler, der selbst ernannte „König des Pop-Schlagers“, in der Zitadelle Spandau auf. Da alle Konzerte seiner Deutschlandtournee „Unbesiegt – Meine Welt“ im Mai „aufgrund von Streitigkeiten mit dem Veranstalter“ abgesagt worden sind, werden vermutlich Fans aus ganz Deutschland anreisen, um „den Wendler“ live zu sehen. Das Spandauer Konzert nämlich wurde außerhalb der Tournee organisiert.

„Der Wendler“ – so sagt der 36-jährige Dinslakener immer an all jenen Stellen im Satz, an denen andere Menschen normalerweise „ich“ sagen. Bevorzugt tritt er in seinen Videos, die auf dem Rummelplatz, im Rokoko-Schloss oder auch gern auf seinen eigenen Konzerten spielen, in breitbeiniger Pose auf, geschmückt mit schwarzer Lederjacke, hochgegelten Haaren, Sonnenbrille und Ohrring. Und schmettert mit der soften Maskulinität des modernen Mannes seine selbst gereimten Liebesverse in die Kamera. Hin und wieder benutzt er dabei einen pseudo-französischen Akzent, der dann ungefähr so klingt: „Auch wenn alle Stricke reißen, isch schpring für disch vom Bangschie-Turm“. In diesen Momenten gleicht er der Karikatur eines Schnulzensängers auf Süßstofftrip aus der TV-Serie „Switch reloaded“. Dass er dazu in Interviews stolz zugibt, nur seine eigene Musik zu hören, und dass die Wände seines Büros in der gelackten Vorstadtvilla im nordrhein-westfälischen Dinslaken, wie beim „Promi-Dinner“ zu sehen, mit seinen eigenen Fotos und Plakaten tapeziert sind, verringert den Fremdschäm-Faktor nicht – es sei denn, man ist eben Fan.

Doch bei aller Distanz zum „Phänomen Wendler“ ist sein Erfolg nicht von der Hand zu weisen, das beweisen schon die vielen Fanseiten im Internet: „Der Wendler“ hat in den vergangenen Jahren eine riesige und vor allem junge Fangemeinde um sich versammelt, mit der er 2008 die Arena Oberhausen mit ihren fast 13 000 Plätzen komplett füllen konnte. Ein Ereignis, das Wendler, der mit bürgerlichem Namen Michael Skowronek heißt, bei dem von ihm selbst organisierten Konzert am 26. September in Oberhausen wiederholen möchte.

Begonnen hatte Wendlers Karriere recht ungewöhnlich: Mit dem Geld eines aufgelösten Bausparvertrages nahm der gelernte Speditionskaufmann im Jahr 2000 die erste von mittlerweile zwölf CDs auf und ersang sich durch aberhunderte von Auftritten im mallorquinischen „Ballermann“, in Bierzelten und NRW-Großraumdiscos seinen heutigen Plattenvertrag bei Sony. Sein größter Hit „Sie liebt den DJ“ wird in Skihütten und Partykellern, auf Vereinsfeiern, Schützen- und Feuerwehrfesten hoch und runter gespielt. Denn der flotte Disco-Fox-Rhythmus seiner Songs, mit dem er den deutschen Schlager beleben und gesellschaftsfähig machen will, geht in die Beine. Die haben nämlich naturbedingt mit Textzeilen wie „mir fehlt irgendwahas/ich glaube duhu bist dahas“ überhaupt kein Problem, Hauptsache, die Bässe hämmern.

Im August startet im Privatfernsehen eine wöchentliche Soap „Die Wendlers“, die den Sänger auch auf seine Konzerte in Dubai und Las Vegas begleitet, im Herbst soll seine Autobiografie „Die Faust des Schlagers“ erscheinen. In diesem April hat der Vater einer siebenjährigen Tochter seine langjährige Lebens- und Geschäftspartnerin geheiratet – natürlich auf Mallorca. Ob er vor dem Altar wohl „Ja, der Wendler will“ gesagt hat?

31. Mai, 19 Uhr. Zitadelle Spandau, Am Juliusturm. Tickets (42 €) und Infos auf www.citadel-music-festival.de und unter Tel. 7809 9810.

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