Auftritt der Woche : Rockige Geigenklänge in der Waldbühne

Der Geiger und Wahl-Berliner David Garrett spielt in der Waldbühne das Crossover-Album "Rock Symphonies". Klassik und Rock haben vor allem zwei Dinge gemeinsam, sagt er: Rhythmus und Rebellentum.

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Teufelsgeiger. Mädchenschwarm David Garrett sieht sich nicht als Popstar, sondern lieber als Klassikrebell.
Teufelsgeiger. Mädchenschwarm David Garrett sieht sich nicht als Popstar, sondern lieber als Klassikrebell.Foto: ddp

Berlin von der Bühne aus, das kennt er. Und es hat ihm offenbar gefallen, was er da sah. Vergangenes Jahr ist David Garrett hierher gezogen, in ein Apartment nach Mitte, wohin sonst? Genaueres will er nicht verraten, sonst hätte er wahrscheinlich keine ruhige Minute mehr, weil die Fans dem Geiger mit dem laszivem Blick die Bude einrennen würden. So viel aber verrät er: „Meine Wohnung hat viel Licht, sie ist sehr offen gebaut, die Location ist großartig, deswegen habe ich sie genommen.“ Einer wie Garrett wohnt natürlich nicht nur in einer Stadt, in New York wird er auch weiterhin bleiben. Vier bis fünf Wochen im Jahr hat er aber früher schon in Berlin verbracht. Jetzt hofft er, dass das mehr wird.

Am Freitag hat er es also nicht weit zu seinem Arbeitsplatz. Dann tritt er in der Waldbühne auf, mit Stücken aus seinem 2010 erschienenen elften Album „Rock Symphonies“ – der Crossover steckt da schon im Titel. Das Album enthält Arrangements klassischer Werke, eingespielt mit einer Rockband, und legendäre Popsongs wie „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana. Der erste Satz von Beethovens 5. Symphonie heißt hier einfach nur „The 5th“, Garrett spielt als Solist den Part der ersten Geigen. Auf dem Cover umfasst er sein Instrument am Griffbrett und schwingt es lässig über die Schulter. Eine programmatische Abbildung, eine Geste, die an Ludwig XIV. erinnert, den Sonnenkönig, der sich bekanntlich mit umgestülptem Szepter hat malen lassen, um zu zeigen, dass er selbst die Regeln setzt.

„Das Album entspricht meinem persönlichen Geschmack, es sind meine Lieblingsstücke“, erzählt Garrett, „ich hatte einfach Lust, mal mit Rockmusikern zu spielen.“ Rock und Klassik hätten viel gemeinsam: Rhythmusgefühl und Rebellentum. Ernsthaft jetzt? „Na klar, auch Beethoven war ein Rebell, ein Außenseiter, der seinen eigenen künstlerischen Weg ging. Mit allen Risiken.“ Obwohl Garrett in erster Linie als Popstar vermarktet wird, sieht er sich selbst überhaupt nicht so. „An welchem Punkt meine Karriere Richtung Pop geschwenkt ist? An keinem. Es gab diesen Punkt nicht.“ Der 30-Jährige, der die Juilliard School besucht hat, von Yehudi Menuhin gelobt wurde und früh eine Aufnahme mit Claudio Abbado eingespielt hat, will vor allem als klassischer Künstler ernst genommen werden. Sein Repertoire umfasst neben den bekannten Sonaten und Violinkonzerten von Bach, Beethoven oder Tschaikowsky auch weniger bekannte Komponisten wie Henryk Wieniawski. Erst Anfang Mai ist er mit einem Fritz-Kreisler-Programm in der Philharmonie aufgetreten.

Nach Berlin ist er auch deshalb gezogen, um sich zu vernetzen: Freunde, Kollegen, Manager und Plattenfirmen sind schon hier. „Natürlich hätte ich auch nach Paris ziehen können, aber was bringt eine schöne Stadt, in der man niemanden kennt?“ Berlin sei energiegeladen und jung, hier gibt es immer was zu tun, „das passt hervorragend zu mir“. Er geht gerne in die Tausend Bar am Schiffbauerdamm, auch im Asphalt Klub soll er schon gesehen worden sein. Und er joggt mit Vorliebe im Tiergarten. Der Zoo ist sein Lieblingsort in Berlin, „da schauen wenigstens einmal alle auf die Tiere und nicht auf mich“. Das wird bei Madame Tussauds anders sein. Dort wird am Donnerstag eine Wachsfigur von ihm präsentiert, in seiner Anwesenheit. Dann können die Fans David Garrett sogar in doppelter Ausführung bewundern.

Waldbühne, Freitag 20 Uhr, Tickets ab 59 Euro

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