Auftritt der Woche : The Koletzkis: Gefühl im Spiel

Als Techno-DJ stand Oliver Koletzki auf harte Beats. Seit der gebürtige Braunschweiger mit Sängerin und Psychologin Fran Peony zusammen ist, macht er zuckersüßen Pop. Mit The Koletzkis stellen die beiden am Donnerstag im Postbahnhof ihr neues Album "Lovestoned" vor.

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Hier funkt’s. Peony und Koletzki stellen ihr Album „Lovestoned“ in Berlin vor.
Hier funkt’s. Peony und Koletzki stellen ihr Album „Lovestoned“ in Berlin vor.Foto: Klaas

Seinen bislang imposantesten Auftritt hatte Oliver Koletzki im Musikvideo seines Kollegen Tobias Lützenkirchen. Im Clip zu „3 Tage wach“ steckt er in einem weißen Ganzkörperhasenkostüm. Als aufgedrehter Nager läuft er durch die Straßen Berlins und landet schließlich auf einer Privatparty, wo er mit anderen Tieren hemmungslos tanzt und Jägermeister trinkt. So lange, bis alle erschöpft zu Boden sinken. Für Koletzki hat sich die Maskerade gelohnt: Das Technostück, das vor zwei Jahren auf seinem Label „Stil vor Talent“ erschien, wurde ein Hit.

Das Hasenkostüm hat der DJ und Produzent längst abgelegt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Oliver Koletzki das Album „Großstadtmärchen“, vor kurzem kam der Nachfolger „Lovestoned“, den er am Donnerstag mit seiner Band The Koletzkis im Postbahnhof vorstellt. Das Konzert sollte eigentlich im Magnet-Club stattfinden. Doch dann wurde es wegen der starken Nachfrage verlegt.

Selbstverständlich ist der große Zuspruch nicht – mit der aktuellen Platte distanziert sich Koletzki von seinen Technoerfolgen. Schuld daran ist Fran Peony. Sie sang bereits auf Koletzkis letztem Album das Stück „Hypnotized“. Zu zweit haben sie nun elf Lieder aufgenommen. Und sich dabei ineinander verliebt. „Während wir im Studio viel Zeit miteinander verbracht haben, hat es gefunkt“, sagt der 35-Jährige im Büro seines Plattenlabels in Friedrichshain. Wer es nicht weiß, kann es „Lovestoned“ anhören. Koletzki hat zuckersüße Melodien komponiert, in seinen Stücken ist auf ein Mal viel Gefühl im Spiel: zwischenmenschlich, textlich und musikalisch. Fans, die ihn wegen seiner monotonen Technobeats, wegen seiner knochentrockenen Bretter mögen, dürften sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Rechtfertigen will sich Koletzki aber nicht: „Ich will mich ausprobieren und weiterentwickeln.“

Begonnen hat diese Entwicklung in seiner Heimatstadt Braunschweig. Oliver Koletzki wuchs mit der Beatles-Sammlung seiner Eltern auf und nahm Klavierunterricht. Als Jugendlicher spielte er in einer Coverband, die sich auf Stücke der Doors spezialisiert hatte. Später entdeckte er deutschen Hip-Hop für sich, letztlich landete er bei House und Techno. „Ich bin schon immer mit Trends gegangen. Klingt vielleicht schlimm, ist es für mich aber nicht“, sagt Koletzki.

Vor zehn Jahren zog Oliver Koletzki nach Berlin. An der Humboldt-Uni studierte er Musik, aber das Studium langweilte ihn schnell. Statt im Hörsaal zu sitzen, erkundete er die Clubs der Stadt. Tauchte ein in die Elektroszene und legte immer öfter als DJ auf. 2005 bastelte er am Computer sein erstes Stück. „Der Mückenschwarm“ gelangte in die Hände von Sven Väth. Der nahm ihn kurzerhand für sein Label unter Vertrag und veröffentlichte das Stück. Koletzki wurde daraufhin von einem Musikmagazin zum „Newcomer des Jahres“ gewählt.

Bei seinem neuen Album habe er wieder Lust auf Popmusik gehabt, sagt Oliver Koletzki, auf Gitarren und Klavier. „Bei Techno muss man ja kein kleiner Mozart sein, um Musik zu produzieren.“ Das führte ihn per Internet zu Fran Peony. Die 31-jährige Berlinerin hatte auf ihrer Myspace-Seite einen Aufruf gestartet: User sollten ihr Lieder schicken, die sie einsingen würde. Oliver Koletzki meldete sich und wenig später entstand „Hypnotized“.

Für ihre Musikkarriere hat sich Peony eine Auszeit von ihrem bisherigen Job als Psychologin genommen. Die Erfahrung, die sie dabei gemacht hat, ist nun von Vorteil. „Beim Schreiben der Texte geht es ja darum, sich in verschiedene Stimmungen hineinzuversetzen. Als Psychologin gelingt mir das ganz gut.“ Und den Rest erledigt die Liebe. Postbahnhof, Donnerstag 21 Uhr, 15 Euro

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