Auftritt der Woche : Zart aber schmerzlich

Erst vor vier Wochen bekam James Blunt in Berlin den Echo als bester internationaler Künstler überreicht - jetzt kehrt der Brite zurück. Wegen der großen Nachfrage wurde sein Auftritt von der Columbiahalle in die Max-Schmeling-Halle verlegt.

Sebastian Leber
James Blunt
James Blunt. Heute Abend zu Gast in der Berliner Max-Schmelling-Halle. -Foto: picture-alliance

BerlinEr nennt sich selbst einen "Träumer“. Bei Fotoshootings hockt er sich schon mal aufs leere Bett, mit der Wandergitarre auf dem Schoß. Und auf seiner letzten Tour spendete er einen Teil der Konzerteinnahmen, um neue Bäume pflanzen zu lassen. Ja, er sei wohl recht sensibel, sagt er. „Aber ich bin kein Romantiker. Und ich schreibe nicht nur romantische Songs.“

Für die kennt man James Blunt aber. Besonders für seine Ballade "You’re beautiful“, mit der er vor drei Jahren schlagartig Popstar wurde. Die kitschige Liebeserklärung an ein fremdes Mädchen in der U-Bahn hat den Briten reich gemacht. Auch das neue Album „All the lost souls“ schaffte es in sieben Ländern auf Platz eins. Und sein Berlinkonzert diesen Donnerstag wurde bereits wegen großer Nachfrage von der Columbiahalle in die Max-Schmeling-Halle verlegt. Blunt kehrt vermutlich gerne nach Berlin zurück: Erst vor vier Wochen bekam er im ICC den Echo als bester internationaler Künstler überreicht.

Wer so viel Erfolg hat, kann gelassen bleiben, wenn Kritiker die eigenen Lieder als Schnulzen bezeichnen. Manche sprechen sogar von akustischer Folter. „Musik ist subjektiv“, sagt der 34-Jährige. Und: „Auch Schnulzen sind eine kreative Leistung.“ Zumindest, wenn es dem Künstler gelinge, das Publikum damit emotional zu berühren, womöglich gar zu Tränen zu rühren.

Vom Berufssoldaten zum Profimusiker

James Blunt ist erst seit vier Jahren Profimusiker. Davor war er Berufssoldat, wie sein Vater. Der hält Musik übrigens heute noch für „überflüssigen Lärm“. Durch Zufall wurde James 2002 zum Sargträger für die Beerdigung von Queen Mum ausgewählt, da ging sein Bild zum ersten Mal um die Welt. Und dann ging Blunt in den Kosovo, als Panzerfahrer. Andere Soldaten hätten Videospiele oder Pornohefte mit in das Krisengebiet genommen, sagt Blunt. Er entschied sich für die Gitarre, um Lieder zu komponieren. Die „beste Entscheidung meines Lebens“ nennt er das heute. In Pristina hatte er viel Zeit für seine Songs. Er sang oft den Kameraden vor, aber keine Liebeslieder, das hätte die Soldaten sonst zu sehnsüchtig gemacht.

In seiner Kosovo-Zeit ist mehrmals auf ihn geschossen worden, erzählt der Brite. Wenn man so wolle, sei er öfter in Lebensgefahr geraten als 50 Cent, der Gangsta-Rapper aus New York. Aber im Gegensatz zu dem traf ihn nie eine Kugel. Irgendwann wurde Blunt klar, dass er das Musiker- dem Soldatenleben auf jeden Fall vorziehen wollte, also kündigte er. Dass der Sänger so schnell einen Plattenvertrag angeboten bekam, hat ihn natürlich selbst überrascht. Innerhalb eines Jahres habe sich sein ganzes Leben „komplett auf den Kopf gestellt“, sagt Blunt. Doch es sei trotzdem längst nicht so abgedreht wie das von Pete Doherty. Zum Beispiel nehme er keine Drogen.

James Blunt "nervt" die Engländer

Nach zwei Jahren Welt-Tournee und mehreren Chart-Hits hat er sich eine Auszeit genommen, „ich musste meine Balance wiederfinden“. Er lebt jetzt auf Ibiza, „England ist mir ganz einfach zu kalt, um mein Leben zu genießen.“ Und darum gehe es doch schließlich: das Leben genießen, so gut wie irgend möglich, ob nun als Popstar oder Privatperson.

Beides scheint ihm gerade zu gelingen. Selbst, als sein Name voriges Jahr weit oben in einer wenig schmeichelhaften Umfrage auftauchte, blieb er freundlich und verständnisvoll. Eine Firma hatte Blunts Landsleute gefragt, was sie in ihrem Alltag am allermeisten nerve. Die Antwort „James Blunt“ fiel noch häufiger als „lärmende Nachbarn“ und „Hundekot auf der Straße“.

Es gibt noch Karten ab 42 Euro unter

www.berlin-ticket.de

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