Ausdauerleistung : Extremsportler wollen um die Wette marschieren

Extremsportler wollen mehrere Tage lang durch Berlin spazieren. Gegessen wird im Gehen, geschlafen überhaupt nicht.

Sebastian Leber

Rote Ampeln sind etwas Herrliches. Jedenfalls für Alexander Skora und seine Mitstreiter. Denn nur vor diesen dürfen sie anhalten und kurz verschnaufen. Bei Grün geht’s aber sofort weiter, mehrere Tage und Nächte lang, ohne Pause. Bis nur noch ein Teilnehmer übrig ist.

„Extra-Mile-Endurathon“ heißt der neue Extremsport, bei dem bis zur Erschöpfung spaziert wird. Der New Yorker Alexander Skora hat ihn erfunden, die Spielregeln klingen brutal und ziemlich ungesund: Sechs Kilometer pro Stunde sind Mindesttempo, gegessen und getrunken wird beim Laufen, geschlafen überhaupt nicht. Am 1. September soll der Endlos-Spaziergang zum ersten Mal in Form eines offiziellen Wettbewerbs ausgetragen werden – und weil der 37-jährige Skora eine Zweitwohnung in Berlin besitzt und die hiesigen Fußwege sehr schätzt, hat er die Stadt zum ersten Austragungsort gekürt. Startpunkt wird der Kurfürstendamm sein, danach geht es kreuz und quer durch alle Kieze. Und glaubt man den Prognosen der Veranstalter, steht der Sieger frühestens nach acht Tagen fest.

Natürlich würden nur körperlich fitte Starter zum Rennen zugelassen, heißt es. Aber die Verantwortung müsse jeder selbst tragen. „Manche halten Schlafentzug für Folter“, sagt Sprecherin Kerstin Schiemenz. „Andererseits ist es erwiesen, dass er auch therapeutisch sinnvoll sein kann. Zum Beispiel hilft Schlafentzug gegen Depressionen.“

Das Teilnehmerfeld ist auf 20 Läufer begrenzt. Noch haben sich aber erst fünf Mutige gemeldet, die meisten sind Marathonläufer oder Bergsteiger aus den USA. Die 40-jährige Heidi Hausner ist bislang die einzige Frau im Feld. Sie hat bereits einmal den Kilimandscharo erklommen – da können ein paar hundert Runden durch Berlin ja wohl nicht schwerfallen, sagt sie. Auch Skora selbst wird antreten. Im Juni hat er einen Test absolviert, drei Tage und Nächte ist er durch Manhattan und Brooklyn spaziert. Und er hätte noch länger gekonnt, behauptet er.

Nach Berlin will Skora Extrem-Spaziergänge durch Brasilien, Spanien und Australien organisieren, sogar eine eigene Liga will er ins Leben rufen. Vorbild für die neue Sportart ist das Buch „The Long Walk“, das Horror-Autor Stephen King 1979 unter seinem Pseudonym „Richard Bachmann“ veröffentlicht hat. Darin müssen 100 Jugendliche an einem Ausdauermarsch teilnehmen, allerdings mit noch härteren Spielregeln: Wer stehen bleibt, wird erschossen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Skora eine Geschichte von Stephen King in die Realität umsetzt: Vor sieben Jahren führte er in Berlin das Spiel „Reality Run“ durch, bei dem Teilnehmer einen Unbekannten durch die Stadt jagen konnten. Der Gesuchte wurde schließlich in der Staatsbibliothek gefasst, die Siegerin bekam 10 000 Dollar. Beim „Extra-Mile-Endurathon“ gebe es nur ein Zehntel der Summe zu gewinnen, sagt Sprecherin Schiemenz. „So wollen wir vermeiden, dass sich Menschen aus Geldnot für das Spiel bewerben, die körperlich aber gar nicht fit genug sind.“ Sebastian Leber

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