Stadtleben : Ausgerappt: Der Hip-Hop-Bunker macht dicht

Zum Abschied verschickte der Mann, der die deutsche Hip-Hop-Szene wie kaum ein anderer geprägt hat, eine kurze Mail. „Jetzt werde ich ein bisschen sentimental, was natürlich auch am Wodka liegt“, teilte Marcus Staiger, 36, mit und schrieb: „Es war schön. Großartig. Jetzt reicht’s.“ Der Exil-Schwabe, den es 1992 nach Berlin zog, macht sein Label „Royal Bunker“ zu – nach zehn Jahren. In seinem Kreuzberger Keller in der Falckensteinstraße hatten einst Rapper wie Sido, Kool Savas, Prinz PI und zuletzt K.I.Z. ihre Heimat. „Ich habe zehn Jahre eine Kultur aufgebaut, wir waren wichtig, es war mein Leben“, sagte der Labelchef, „aber ich habe keine Kraft mehr.“ Zusammen mit Andre Langenfeld, langjähriger Moderator bei Radio Fritz, der den „Hip- Hop-Soundgarden“ leitete, feierte er nun Abschied. Zuletzt hatte Staiger über zu geringe Einnahmen bei zu viel Arbeitsaufwand geklagt und als Fassadenkletterer gejobbt. Im Sommer will er noch die Platte von K.I.Z. herausbringen, der Musikszene will er erhalten bleiben. Aber nicht als Boss im Bunker. Der ist dann dicht. AG

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben