Ausgerutscht : Same procedure as last year? Absolut nicht.

Wie erlebt ein Engländer Silvester in Berlin? Eine überraschende Schilderung.

Mark Espiner
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Mark Espiner testet Berlin. Der Londoner Journalist schreibt unter anderem für den Guardian.Foto: Thilo Rückeis

Ich muss zugeben, ich war etwas unvorbereitet für Ihr Berliner Silvester. Die erste Sache, die mich fuchste, war dieses "Guten Rutsch!", das mir jeder entgegenschleuderte. Als ich die Bedeutung nachlas, erfuhr ich, dass Sie alle hofften, ich würde ausrutschen. Dies war tatsächlich in der momentan herrschenden Schneesturmwetterlage eine sehr reale Möglichkeit.

Der zweite Schock war die Sache mit Dinner For One. Sie alle kennen Miss Sophie und James nur zu gut, also werde ich mich hier nicht darüber auslassen. Aber ehrlich gesagt war das etwas Neues für mich. Jedes Jahr zu Silvester sehen Sie sich allen Ernstes einen alten schwarz-weiß Comedysketch an, in dessen Hauptrolle ein zweitklassiger Schauspieler agiert, der größtenteils unbekannt ist in England und der die Deutschen so sehr nicht mochte, dass er sich weigerte, eine deutsche Version für seine treuesten Fans zu produzieren. Ich fühlte, dass ich hier kulturelle Nachhilfe benötigte. Viele Leute sagten mir, es wäre wirklich sehr lustig und ich müsste es unbedingt an Silvester sehen - es ist einfach ein Teil des Deutschseins.

Wo sollte ich es also anschauen an diesem wichtigen Datum? Ich bekam den Tipp (Danke Ian), dass eine Live-Aufführung in der Brotfabrik stattfand. Das musste ich sehen! Ein vollgepacktes Theater versuchte tapfer die Lacher zu finden in dieser Wiederaufführung, die traurigerweise kein passendes Gegenstück zu Freddie Frinton's Slapstick war. Wie konnte das sein? "Hat es Ihnen gefallen?", fragte ich einen älteren Herrn, als er das Gebäude verließ. "Ja!", begeisterte er sich. Warum? "Geschichte! Same procedure as last year!", antwortete er, wobei er dabei die Tatsache übersah, dass es diese nicht war.

Ungesunde Obsession für Pyrotechnik

Wie dem auch sei, es könnte Sie vielleicht interessieren, dass Dinner For One, zumindest nach meinem Wissen, nie im englischen Fernsehen gezeigt wurde. Sie finden es wahnsinnig komisch. Wir anscheinend nicht. Sind wir für immer im Humor geteilt? Kann mir jemand erklären, warum wir in diesem Punkt so unterschiedlich sind?

Aber es war nicht Ihr eigenartiger Geschmack für diese englische Exzentrizität, die mich am meisten überraschte. Es war Ihre schon fast ungesunde Obsession für Pyrotechnik, die mich buchstäblicherweise weggeblasen hat. Eigentlich hätte ich es ahnen können, als ich den mit Feuerwerkskörpern vollgepackten Rucksack einer Frau in der Straßenbahn sah - in der Londoner U-Bahn wäre sie so als Selbstmordattentäterin verhaftet worden.

Als ich kurz nach Mitternacht zum Fernsehturm hinausging, um 2010 zu feiern, hatte ich meine Bedenken, dass ich es über den ersten Januar hinaus schaffen würde. Es war wie in Bagdad. Ich beobachtete zwei Typen mit Schutzbrillen, wie sie Raketen und Knaller zündeten. Gut für sie, dachte ich, als ich mich nach einer Explosion zu meiner Linken schutzsuchend duckte, während mir gleichzeitig eine Rakete über den Kopf zischte. Offensichtlich gab es hier nicht die öffentlichen Warnsendungen, die wir in England hatten, wie zum Beispiel diese http://www.youtube.com oder diese http://www.youtube.com/watch. Sie waren wirklich grotesk und verfolgen mich heute noch mit ihren schrecklichen Bildern der von Feuerwerkskörpern entstellten Gliedmassen und der ernsten Stimme, die am Ende so etwas wie "Spiel nicht mit dem Feuer" donnerte.

Vielen Dank jedoch für Ihre Tipps, was ich sehen sollte, um Berlin's Puls zu fühlen. Senden Sie mir mehr (mark@espiner.com)! Sie können mir auch auf Twitter folgen (@deutschmarkUK). Ein glückliches Neues Jahr an Sie alle in einer Stadt, die wohl keine Anleitung zum Party feiern benötigt - es hat sicher mit einem großen Knall angefangen.

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