Ausländische Unternehmer : "Das Angebot an Bars hier ist unglaublich"

In den vergangenen Tagen trafen sich Unternehmer aus aller Welt in Berlin. Wir haben sie nach ihren Eindrücken von und Ideen für Berlin gefragt.

Moritz Honert
Nachtleben Berlin
Weltklasse: Vom Nachtleben der Stadt zeigen sich auch nüchterne Ökonomen beeindruckt. -Foto: David Heerde

Berlin sucht nach neuen Werbestrategien. Der Regierende Bürgermeister hat dazu eigens eine neue Expertenrunde ins Leben gerufen. Wir haben am Wochenende mit Berlin-Besuchern gesprochen, mit Unternehmern aus aller Welt, die für ein Treffen der „Entrepreneurship Organisation“ gekommen sind. Wir wollten wissen, was sie hier erlebt haben und welche Ideen sie für Berlin haben. Der amerikanischen „Entrepreneurship Organisation“ gehören 6400 Unternehmer aus 41 Nationen an.


Ben Richter, 41, Flughafen-Logistiker aus Houston, Texas, USA

„Wenn in Houston der Name Berlin fällt, denken alle an eine Stadt mit furchtbar viel Industrie. Keine Ahnung, wieso. Denn das entspricht ja nun wirklich nicht der Realität. Aber wahrscheinlich denken bei Houston, Texas, auch alle Berliner erst einmal an reitende Cowboys und Sträucher, die durch die Straße wehen. Auch Quatsch. Das Erste, was ich von Berlin gesehen habe, war der Flughafen Tegel. Ich war überrascht, wie klein der ist. Immerhin ist das hier ja die Hauptstadt. Allerdings war das dadurch auch ein sehr entspanntes Ankommen. Dass Tegel und Tempelhof schließen sollen, habe ich gehört. Richtig verstehen kann ich es allerdings nicht. In Houston mit seinen gut zwei Millionen Einwohnern gibt es schließlich nicht nur einen mittelgroßen und zwei große Flughäfen, sondern auch noch diverse Privatflughäfen. In meinen Augen gibt es für beide Modelle eine Zukunft. Der private Flugverkehr wird in Zukunft noch wachsen. Auch in Deutschland. In den USA werden heute bereits rund elf Prozent des Bruttosozialproduktes in luftfahrtverwandten Branchen erwirtschaftet.“


Julia Langkraehr, 41, Maklerin für Gewerbeimmobilien aus London, England

„Ich bin seit den neunziger Jahren regelmäßig in der Stadt. Die Veränderung, die man mitbekommt, ist gewaltig. Besonders das Angebot an Bars und Restaurants hier ist unglaublich. Da können nur Barcelona und Paris noch mithalten. Das Gerücht, dass Berlin für viele junge Engländer gerade ,the place to be’ sein soll, kann ich allerdings nicht bestätigen. Auch wenn es natürlich stimmt, dass das Leben und die Mieten hier im Vergleich zu London sehr billig sind. Ich bin mir allerdings sicher, dass das nicht mehr lange so bleiben wird. Weil ich beruflich mit Shopping-Centern zu tun habe, gucke ich mir bei meinem Besuch natürlich auch die hiesigen Malls an. Die am Potsdamer Platz beispielsweise ist in meiner Branche für ihre Architektur berühmt. Insgesamt stelle ich aber fest, dass die Berliner lieber lokal einkaufen statt in großen Centern. Was die Öffnungszeiten angeht, ist die Stadt allerdings ganz vorne mit dabei. Da kann London noch eine Menge lernen.“


Genevieve Theseira, 46, Werberin aus Singapur

„Dass die Mauer gefallen ist, haben wir natürlich auch in Asien mitbekommen. Wenn man wie ich zum ersten Mal nach Berlin kommt, wundert man sich allerdings dann doch irgendwie, dass sie in der Stadt so gut wie gar nicht mehr zu sehen ist. Unbewusst geht man davon aus, dass sie trotz der Wiedervereinigung wie die chinesische Mauer einfach weiterhin steht. Mir ist aufgefallen, dass Berlin im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen sehr grün ist. Etwas, das hier völlig anders ist als in Asien, ist die Werbung. Zum einen gibt es viel weniger davon, zum anderen sind die Plakate viel kleiner. Die beste Werbung für die Stadt im Ausland ist allerdings ihre Architektur.“


Bram Frankel jr., 41, Hafenbetreiber aus Atlanta, Georgia, USA

„1989 war ich das erst Mal in Berlin. Ich habe damals in Paris gewohnt, und nachdem die Mauer gefallen ist, bin ich mit dem Zug in die Stadt gefahren. Silvester 1989 stand ich auf der Berliner Mauer. Die Ossis waren völlig aus dem Häuschen damals. Jetzt bin ich das zweite Mal hier. Es ist schon erstaunlich, wie viel sich geändert hat. Der Ostteil der Stadt kam mir damals sehr grau und kaputt vor. Kein Vergleich mit heute. In Atlanta genießt Berlin inzwischen einen sehr kosmopolitischen Ruf und ist berühmt für seine Architektur. Zu Recht, wie ich finde. Für mich als Juden ist der Aufenthalt in der Stadt aber auch emotional sehr bewegend. Ich finde es allerdings sehr beruhigend, wie verantwortungsvoll die Deutschen mit der Nazivergangenheit umgehen und dafür arbeiten, dass so etwa nicht noch einmal geschehen darf. Das Gefühl habe ich, was die Aufarbeitung der Verbrechen der Stasi angeht, ehrlich gesagt nicht.“

Gautam Reddy, 34, Betreiber eines Kraftwerks in Chemnai, Indien

„Das Erste, woran Inder in Bezug auf Berlin denken, ist die Mauer. Ansonsten gelten die Deutschen als ein wenig verbissen. In Berlin bin ich jetzt überrascht von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Ich hatte schon geschäftlich mit Deutschen zu tun, und das war gelegentlich ein sehr harter Umgangston. Um den Berlinern Tipps für ihre Wirtschaft zu geben, bin ich noch nicht lange genug da. In einem Seminar haben wir jedoch festgestellt, dass es auch hier nie zu früh ist, den Kindern schon etwas über Ökonomie und deren Zusammenhänge beizubringen. Das muss unterrichtet werden wie Lesen, Rechnen und Schreiben. Am besten schon im Kindergarten und nicht erst in der Schule oder gar in der Universität.“


Maia Borisova, 38, und Dmitry Buterin, 35, Eigentümer einer Softwarefirma in Toronto, Kanada

„Aufgewachsen sind wir in der Sowjetunion. Das Erste, was wir mit Berlin verbinden, ist der Zweite Weltkrieg. Es ist erstaunlich, heute den Reichstag zu sehen, den wir nur von dem berühmten Foto kannten, auf dem sowjetische Soldaten ihre Flagge hissen. Jetzt tagt dort eine demokratische Regierung. Und exakt auf der Stelle, wo einst die Mauer verlief, steht das Hotel, in dem wir schlafen. In Kanada reden die Leute wenig von Berlin. Wir bekommen wirtschaftliche und politische Entwicklungen mit, doch Europa wird in Nordamerika eher als eine Einheit wahrgenommen. Einzelne Städte gehen da ein bisschen unter.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar