Ausstellung : Die bunte Welt des Süßkrams

Vom Sarotti-Mohr und lila Kühen: Eine Ausstellung im Freilichtmuseum Domäne Dahlem widmet sich einer Sünde.

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Früher Verführer. Der berühmte Sarotti-Mohr und im Hintergrund die lila Kuh von Milka. -

„Das Leben ist kein Zuckerschlecken“ liest man im Freilichtmuseum Domäne Dahlem. Dort kann man ab heute in die bunte Welt von Zucker, Schokolade und anderen Genüssen eintauchen – in der Ausstellung „Süße Verlockung“. Gezeigt wird, wie sich hierzulande die Lust für Schokolade, Pralinen, Bonbons, Pudding, Kekse, Kuchen und Torten entwickelte. Eine Lust, der bekanntlich die Kleinen leidenschaftlich und die Großen oft schuldbewusst frönen. Und mit zunehmender Tendenz.

Waren es um 1850 nur zwei Kilogramm Zucker pro Kopf, so sind es aktuell rund 35 Kilo, die in irgendeiner Form jährlich verspeist wurden. Kein Wunder, dass Süßes da auch die Sprache mit bestimmte. Eine Auswahl liest man am Eingang der „Süßen Verlockung“ – süß ist da nicht nur der Kuss, auch das Leben und der Tod, und „Arbeit macht das Leben süß“, zu dem man mit „Zuckerbrot und Peitsche“ erzogen wurde.

Das süße Leben kam dabei erst im 18. Jahrhundert richtig in Schwung. Damals entdeckte man, dass man auch aus der einheimischen Rübe das „weiße Gold“ gewinnen kann, das bis dahin von Zuckerrohrplantagen aus Übersee kam. Zuckerbäckerei, Konditorei und Eis waren die Folge der süßen Revolution.

Das alles und viel mehr aus der bunten Welt des Süßkrams wird Naschkatzen in der Ausstellung informativ und vor allem sehr ansehnlich und anschaulich zugleich vorgestellt. Da gibt es eine historische Zuckerlade und einen Automaten für Bonbons und Kaiserwaffeln zu bestaunen. Man erfährt, seit wann es die lila Kühe gibt und bewundert Konfektschachteln, die im 19. Jahrhundert noch kleine Kostbarkeiten waren. Der Besucher kann Süßes erschnuppern und erraten und in Skulpturenform entdecken. Der berühmte Sarotti-Mohr und die Schokoladenschallplatte der Firma Stollwerck von 1903 gehören ebenso zum Augenschmaus der Ausstellung wie ein „Zuckertüten-Himmel“ und hinreißende Reklamebilder und -dosen. Auf einem riesigen Blechbehälter wirbt unter anderen die Berliner Firma Hildebrand als „Hoflieferant Sr. Maj. d. Königs“ für Schokolade. Dass deren Genuss bis heute nicht gefahrlos ist, wird den Ausstellungsbesuchern am Endes des Rundgangs erklärt. In einer Ecke steht da mahnend die altertümliche Ausgabe eines Zahnarztstuhls – samt Bohrer. Wer diesen Anblick ein Treppe tiefer vergessen hat, kann am Ausgang einer „süßen Verlockung“ wieder verfallen – und Schokolade kaufen. (hema)

„Süße Verlockung“ – bis 31. Dezember 2008, tgl. außer Di., 10-18 Uhr, Freilichtmuseum Domäne Dahlem, Königin-Luise-Straße 49 (U-Bahnhof Dahlem-Dorf).

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