Ausstellung : Die schönsten Franzosen in Gold und Diamant

Kämme, Colliers, Broschen, Diademe: Das Bröhan-Museum zeigt in einer René Lalique gewidmeten Ausstellung Schmuck aus Paris.

Elisabeth Binder
Franzosen
Dieses Diadem aus Gold und Diamanten mit Brillantenschliff stammt aus dem Jahr 1901/1902. -Foto: Mike Wolff

Silbern fliegen Schwalben über eine Corsage. Zarte goldene Flötenspielerinnen fügen sich graziös ein in die Glieder eines mehrfarbigen Colliers. René Lalique hat rund um den Anbruch des 20. Jahrhunderts Tabus gebrochen und die zu seiner Zeit geltenden Regeln der Ästhetik revolutioniert. Er gilt als Erfinder des modernen Schmucks. Zum ersten Mal wird nun in Berlin eine monographische Ausstellung seiner Werke unter dem Titel „René Lalique, Jugendstil-Schmuck aus Paris 1890 - 1912“ gezeigt.

Für Kulturstaatssekretär André Schmitz, der sich heftig eingesetzt hat für das Zustandekommen der Ausstellung, die zuvor in Paris im Musée du Luxembourg bereits 300 000 Besucher anzog, ist dies „die schönste Würdigung des 20-jährigen Freundschaftsvertrags zwischen Paris und Berlin“. Der französische Botschafter Claude Martin, der aus Anlass der Ausstellung gestern Abend die Gäste der Vorbesichtigung zu einem Empfang in die Botschaft lud, sprach von einer „Fülle von Wundern, die in einem Schmuckkästchen wie dem Bröhan-Museum wunderbar zur Geltung kommen“.

Die Ausstellung umfasst rund 250 Objekte aus neun Ländern, auch aus Privatsammlungen. Gezeigt werden Kämme und Colliers, Broschen und Diademe, Fächer und Flakons, Anhänger und Gürtelschnallen. Und viele Skizzen und Entwürfe auf tief gebräuntem Papier. Statt Platin und Diamanten, den damals traditionellen Werkstoffen der hohen Juwelierskunst, bevorzugte René Lalique Opal und Mondstein, er arbeitete aber auch gern mit Email, ziseliertem Gold, auch mit Elfenbein, Horn und Glas.

Er ließ sich faszinieren von den magischen Ursprüngen des Schmucks und inspirieren von allen Facetten der Natur, von Pfauen etwa, von Libellen und Katzen, denen er ein Collier gewidmet hat. Besonders interessierten ihn die Metamorphosen des Weiblichen, Antlitze, von Lilien oder Laub umgeben oder mit halb geschlossenen Lidern. Hier wird eine Frau zur Schlangenbeschwörerin, dort spielt sie harmlos mit einem Hund. Nymphen tanzen in einem Rahmen von Fledermäusen, Insekten- und Blütenfrauen geraten zu schmückenden Fabelwesen. Im Hintergrund zweier Vitrinen zeigen Bilder die Gesichter seiner Musen Augustine-Alice Ledru und Sarah Bernard, schöne Frauen, beide mit einem Ausdruck von Geheimnis in den Augen, der so tief ist wie das Meer. Für die Schauspielerin hat er viel gearbeitet, in der Ausstellung ist zum Beispiel eine Brosche zu sehen mit goldenen Gauklergesichtern vor opulenten Zweigen mit winzigen glitzrig grünen Smaragd-Blättern. Lalique-Broschen tragen Anemonen, Weißdornblüten, Stiefmütterchen, Lotus. Immer wieder tauchen Schwäne auf als symbolistische Äquivalente zu den Frauen in einer auch damals erlaubten Nacktheit. Eine aus Kopenhagen entliehene Hutnadel aus Gold und Diamanten mit Rosenschliff trägt gefährliche Wespen hoch überm Frauenhaupt.

Vor den Skizzen für Schmuckstücke ist ganz am Anfang der Ausstellung ein Gitter zu sehen, das Lalique für die Weltausstellung 1900 entworfen hat, eine lebensfrohe Frau mit schwellenden Brüsten und ausgebreiteten Schwingen. Wie ein Traum, der gerade erst anfängt.

Bröhan-Museum, Schloßstr. 1 a, Charlottenburg, vom 8. September bis zum 23. Januar 2008, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 - 18, donnerstags bis 20 Uhr.

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