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Ausstellung : Fünf Gramm Leberwurst, bitte

01.02.2011 10:55 Uhrvon
Wenn Kinder erwachsen spielen: Im Märkischen Museum eröffnet am Samstag (29.1.) die Ausstellung "Was darf´s denn sein? Kinderträume Kaufmannsläden.".Bilder
Wenn Kinder erwachsen spielen: Im Märkischen Museum eröffnet am Samstag (29.1.) die Ausstellung "Was darf´s denn sein? Kinderträume Kaufmannsläden.". - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Ausstellung "Was darf´s denn sein? Kinderträume Kaufmannsläden" im Märkischen Museum zeigt rund 40 alte Kaufläden aus dem 19. und 20. Jahrhundert und andere Exponate aus der Geschichte des Berliner Handels.

Die Gewichte für die Waage sind nicht größer als ein Fingernagel. Die Hände wollen danach greifen, nach Jahrzehnten wieder den Kunststoff berühren, die Schwere des Gewichts spüren und ihn mit einem leisen „Plopp“ sanft auf die kleine Waage setzen. Ist es wirklich schon so lange her, dass man das zuletzt getan hat: Winzige Plastikäpfel in hübsch bedruckte Dreieckstüten aus Papier stecken, einen daumenlangen bunten Karton mit Waschmittel auf den Tresen stellen, den Kunden freundlich anblicken und fragen: „Darf es sonst noch etwas sein?”

Wer die neue Ausstellung „Was darf’s denn sein? Kinderträume Kaufmannsläden“ im Märkischen Museum besucht, kann sich auf eine Reise in die Vergangenheit gefasst machen.

Vor allem in die eigenen Erinnerungen an Kaufmannsspiele, sei der Kaufladen je nach Einkommen der Eltern nun teuer gekauft, selbst gebaut oder mit Hilfe alltäglicher Utensilien improvisiert gewesen. Aber auch noch viel weiter zurück, denn rund 40 Exponate erzählen die Geschichte der Miniaturläden vom Biedermeier bis zur Gegenwart. „Kaufläden spiegeln die Erwachsenenwelt wider, deshalb sind sie kulturhistorisch so wertvoll“, sagt Kurator Peter Matuschek. Er ist freudig überrascht, dass sich allein zur Eröffnung vor ein paar Tagen mehr als 600 Besucher angemeldet hatten. „Das ist sehr ungewöhnlich und zeigt, wie stark das Thema nicht nur Kinder berührt“, so Matuschek. Jeder Erwachsene verbinde wohl mit der Erinnerung an Kaufladenspiele die Sehnsucht nach der heilen Welt der Kindheit.

Das älteste Ausstellungsstück stammt etwa von 1840, es ist ein kleiner Stoff- und Galanteriewarenladen mit Spitzen, Hüten und Tischdecken. Wie im 19. Jahrhundert üblich, ist es noch kein Laden zum Selbstbespielen, sondern ein Puppenkaufladen. Wahrscheinlich ein Einzelstück, denn die industrielle Produktion von Kaufmannsläden vor allem im Erzgebirge und rund um Nürnberg begann erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Dass Kaufmannsläden sich aus Puppenhäusern entwickelt haben, veranschaulicht noch ein anderes Exponat. Es ist die „Bäckerei Albert Wittmann“ wie ein Schild an dem etwa 1910 im Eigenbau hergestellten Puppenhaus verrät. Das zweigeschossige Haus ist liebevoll eingerichtet: Im Erdgeschoss befindet sich der Verkaufsraum, in dem winzige Brote und Kuchen zur Ansicht liegen, daneben ist ein kleines Café, sogar ein silberfarbenes Service steht auf dem Tisch. Im ersten Stock liegt die Wohnung der Bäckerfamilie, sie hat einen Balkon zur Straße. Vielleicht hat Albert seine Puppen hier an schönen Sonntagen Kaffee trinken lassen.

Die meisten der Kaufläden, die zum großen Teil der Stiftung Stadtmuseum gehören und von denen einige auch jüngste Schenkungen sind, stammen aus dem 20. Jahrhundert. Anhand der Einrichtung und der Gestaltung der Miniatur-Markenartikel lässt sich fast immer erraten, in welchem Jahrzehnt sie hergestellt wurden. Es gibt einen Gemischtwarenladen „Wolfgang Bamberg“ aus den 20er Jahren, den Wolfgangs Großvater, ein Weinhändler und Zigarrenliebhaber, aus alten Holzkistchen gebaut hat. Es gibt eine Fleischerei mit einem winzigen Wiegemesser, ein Blumengeschäft und einen Laden für Schulbedarf, in dem handgroße Puppen Schiefertafeln und Rechenschieber kaufen können. Schwarz-Weiß-Bilder an den Museumswänden beweisen, dass Jungen wie Mädchen gern wie die Großen Verkäufer gespielt habe. Auf einem Foto ist die junge Ost-Berlinerin Antje in ihrem 70er-Jahre-Kaufladen zu sehen, der auch ausgestellt ist. Die Großmutter musste Antje bei jedem Besuch Miniaturartikel aus West-Berlin mitbringen, so dass ihr kleiner Laden nach und nach eine Art Intershop wurde.

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur die Geschichte des Kaufladens, sondern auch die des Handels in Berlin: Unter anderem steht da eine große Warenhauskasse von 1900, an der vier Verkäufer gleichzeitig arbeiten konnten und die über farbige Tasten für die Bezahlung in bar, auf Kredit oder Rechnung verfügt. Und ein jahrhundertealter Fischeimer für Marktgänge, der zur Geruchsvermeidung aus Messing hergestellt und gern zu Hochzeiten verschenkt wurde. Außerdem wird anhand von Fotos und Gemälden die Geschichte der Berliner Markthallen sowie der Meierei Bolle und der Meyer-Filialen und Selbstbedienungsläden dokumentiert, von denen der erste 1951 in Ost-Berlin eröffnet wurde.

Es gibt einen Raum, in dem Kinder sich verkleiden können – dafür sucht das Museum noch gut erhaltene Kleidung und Accessoires aus Großmutters Zeiten –, eine Sammlung mit historischem Spielgeld und Spielzeug aus Papier, wie Karussells und Theater. Und wer im letzten Raum angekommen ist, möchte am liebsten sofort noch mal hindurch, so viel gibt es zu entdecken. „Wir sind Kinder- und Menschenfänger“, bestätigt Matuschek, sieht dabei aber alles andere als bedrohlich aus.

Geöffnet immer Dienstag und Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 12 bis 20 Uhr. Eintritt fünf, ermäßigt drei Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, für angemeldete Schulklassen und an jedem ersten Mittwoch im Monat ist der Eintritt frei. Märkisches Museum. Am Köllnischen Park 5, Mitte. Informationen auf www.stadtmuseum.de und unter der Telefonnummer 240 02 162.

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