Ausstellung : "Kein Tag ohne Präparat!"

In der Charité wird eine medizinische Daueraustellung eröffnet. Unter anderem sind diverse menschliche Präparate zu bestaunen. Außerdem werden spektakuläre Fälle aus 300 Jahren Medizin-Geschichte vorgestellt.

Medizin
Hautnah. Die Ausstellung in der Charité zeigt den Wachsabguss einer Augenkrankheit. -Foto: dpa

"Dem Leben auf die Spur" können Besucher ab Freitag in der neuen Dauerausstellung im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité kommen. Unter diesem Titel wird auf 800 Quadratmetern "ein Gang unter die Haut und zurück ins Leben geboten", wie Museumsdirektor Thomas Schnalke ankündigte. Die 1400 Objekte umfassende Schau gebe Einsichten in die Entwicklung der Medizin der vergangenen drei Jahrhunderte. Der Blick folge "dem Bemühen der Schulmedizin, sich ein Bild vom Inneren des menschlichen Körpers - gesund wie krank - zu machen und diesen in seinem Funktionieren zu verstehen".

Im Seziersaal eines Pathologen ist unter anderem der Arbeitstisch des Berliner Mediziners Rudolf Virchow (1821-1902) zu bewundern. Dessen bereits seit 2002 gezeigte Sammlung menschlicher Feucht- und Trockenpräparate sei in die neue Schau eingebettet, erläuterte Schnalke. "Kein Tag ohne Präparat!" - unter diesem Motto hatte der Mediziner 1856 den neu geschaffenen Lehrstuhl für Pathologie an der Berliner Universität auf dem Gelände der Charité übernommen.

Museum für menschliche Exponate

Bis zur Jahrhundertwende baute Virchow seine Sammlung auf über 20.000 Präparate aus. Für seine weltweit einzigartige Kollektion wurde schließlich 1899 ein "Pathologisches Museum" gebaut. Durch Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg dezimierte sich die Sammlung erheblich, so dass heute etwa 10.000 Präparate den Grundstock des Museums ausmachen. Diese Exponate seien von Virchow "nicht aus Sensationsgier gesammelt worden", betonte der Experte. Es habe ein "handfester wissenschaftlicher Hintergrund bestanden". Zudem seien sie Bestandteil einer Lehrsammlung gewesen, anhand derer Studenten Krankheitsverläufe gezeigt werden konnten.

Neben einem sogenannten anatomischen Theater und einem Labor zeigt die Schau einen historischen Krankensaal, in dem zehn Krankheitsfälle aus drei Jahrhunderten demonstriert werden. Das Spektrum reicht von einer komplizierten Geburt im Jahr 1726 bis zum Sepsis-Patienten auf einer heutigen Intensivstation. Das Konzept sieht fiktive Betten vor, an deren Fußende der Fall anhand eines Patienten vorgestellt wird.

Medizinische Werkzeuge aus dem 18. Jahrhundert

So geht es bei der werdenden Mutter um die 17-jährige Müllerstochter Dorotheen, deren Kind im Mutterleib gedreht wurde. Zudem wird ein riesiger hölzerner Gebärstuhl ausgestellt, und am Kopfende des fiktiven Krankenbettes können Gebärzangen und andere Instrumente aus dem 18. Jahrhunderts angeschaut werden.

Weitere individuelle historische Krankengeschichten beschäftigen sich mit dem Grauen Star, mit Fieber, Tuberkolose und Kinderlähmung. Und beim Intensivbett mit seinen zahlreichen Drähten und Schläuchen sind die Museumsbesucher dann wieder in der Gegenwart angekommen. (mit ddp)

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