Ausstellung : Naturfotograf vom Müggelsee zeigt seine Bilder

Der Revierförster vom Müggelsee gehört zu den besten Naturfotografen Europas – ab Freitag stellt er Unter den Linden aus.

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In seinem Revier. Josef Vorholt am Großen Müggelsee. Der Dunst des Wintertages schluckt die Müggelberge am anderen Ufer. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die fette Bache, die zwischen den Badegästen am Strand des Kleinen Müggelsees einen Mülleimer ausräumt, ist als Postkarte längst ein Bestseller. Die Schwanenkinder im Gefieder der Eltern laufen auch gut. Der Eisvogel, der seiner Gattin einen Fisch schenkt, wird ebenfalls gern gekauft. Josef Vorholt hat das schillernde Paar im Rahnsdorfer Erlenbruch erwischt, fast vor seiner Haustür. Die knorrige Eiche, die den nachdrängenden, gleichförmigen Kiefernstämmen trotzt, hat es gerahmt auf den Nachttisch einer Frau geschafft. Die interpretiert das Bild als Lob des Andersseins, ja, als Aufforderung dazu, sich von der Masse abzuheben. „Mehr kann ich mir wirklich nicht wünschen“, sagt Josef Vorholt.

Seit zwölf Jahren ist der 46-Jährige der Revierförster vom Müggelsee und nebenbei einer der besten Naturfotografen Europas. Von diesem Freitag an ist eines seiner Bilder im Automobilforum Unter den Linden zu sehen. „Wir sind umgeben von Wundern“, sagt er und schaut aus dem Fenster des alten Forsthauses. Draußen flattern die Meisen durch den verschneiten Wald. Zehn Gramm Leben, 50 Grad wärmer als die eisige Umgebung.

Naturfotografie in und um Berlin
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1 von 14Foto: Josef Vorholt / linnea images
14.01.2010 18:32Mit dem Bild "Flugpost" schaffte es Josef Vorholt unter die 91 Siegerfotos aus 29 Ländern, die jetzt in der Ausstellung...


Vorholt wird die Schau erst später besuchen können, weil er für einen Vortrag bis zum Wochenende 15 000 Fotos von seiner Reise zu den Falklandinseln durchsehen muss. Dort hat er sich erst einmal in die Pinguinkolonie einleben müssen. Hier in Berlin reicht es, sich nach Feierabend aufzuraffen und die Augen offenzuhalten. Die Menschen staunen über seine Entdeckungen. Und er staunt, dass andere so vieles übersehen.

Fünf Gehminuten westlich des Forsthauses stehen die Kiefern, die das Januar-Motiv in seinem 2010er-Kalender sind. Direkt auf dem Hang am Nordufer, seit 180 Jahren schon. Dass sie hier stehen, sei wohl den Bauern von Friedrichshagen zu verdanken, deren Vieh im frühen 19. Jahrhundert das letzte bisschen Grün vom kargen Sandboden rupfte. Nur die Kiefern kamen durch, erst fliegengroß und jetzt gewaltig. Ohne sie hätte der See sich den Hang längst geholt bei Sturm. So, wie er sich auch die kleinen Strände holen würde, wenn nicht halbhohe Erlen und Weiden das Ufer stabilisieren würden. Wenn Vorholt diese Bäume ruiniert vorfindet, weil sie wohl Schatten auf das Handtuch eines Badegastes geworfen haben, zweifelt er manchmal am Verstand der Menschen. Aber das vergeht auch wieder. Wenn er sieht, wie sich die scheinbar verlorenen Weidenkrüppel wieder berappeln und wenn er die Leute auf seinen Exkursionen erlebt: Neben ein paar mäßig Interessierten gibt es immer welche, die total begeistert sind.

Nicht der unbedarfte Stadtmensch ärgert ihn, sondern der Landwirt, der ganz legal den Tümpel neben seinem Acker überdüngt, während gleichzeitig ein Vater einen Heidenärger bekommt, der mit seinem Sohn dort ein paar Kaulquappen fängt. So, wie er die Stadtmenschen schätzt, die die Herkunft ihres Essens nicht mit „Kühlschrank“ angeben, sondern den Aufschwung der Biobranche ermöglicht haben. So verbessern sie die Welt, die auch der Revierförster verbessert, wenn es sich anbietet. Zum Beispiel, indem er beim Ausholzen die alten Eichen gegen die charakterlosen Emporkömmlinge ringsum verteidigt.

Ausstellung bis 21. März im Automobilforum, Unter den Linden / Ecke Friedrichstr., Mo.–Fr. 9–20 Uhr, Samstag und Sonntag 10–18 Uhr, Eintritt frei. Die Seite im Netz unter: www.josef-vorholt.de 

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