Ausstellungen : Berliner Kulturtipps fürs Wochenende

Temporäre Kunsthalle am Schloßplatz, Jeff Koons in der Neuen Nationalgalerie: Einigen flirrt schon der Kopf vor lauter Kunstleckerbissen, die Berlin an diesem Wochenende serviert - das Warten lohnt sich!

Thomas Loy
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Ein Muss für Flaneure. Die neue temporäre Kunsthalle auf der Schlosswiese war am ersten Öffnungstag bereits gut besucht. -Foto: Peters

 Ein Tourist aus Hildesheim steht vor der frisch eröffneten Kunsthalle auf dem Schlossplatz und muss feststellen, dass dies nicht der Gropius-Bau mit der Tropen-Ausstellung ist. Im Kunsthallen-Cafe sitzt ein Paar aus Amsterdam und trauert, dass es morgen abfährt, ohne Jeff Koons in der Neuen Nationalgalerie gesehen zu haben.

Vor der Nationalgalerie bildete sich am Freitag eine kurze, aber zähe Besucherschlange, was auf etwas härtere Wartebedingungen am Wochenende schließen lässt. Die Veranstalter bieten wieder „First-in-Tickets“ für 30 Euro an. Die Karten sind für zwei Termine vor der regulären Öffnungszeit gültig.

Die temporäre Kunsthalle, der blauweiße Kasten auf der Schlosswiese, war am ersten Öffnungstag ein Muss für Mitte-Flaneure. Die Halle lässt sich von zwei Seiten erobern. Vorne kann man dicke Kunstbücher in tiefen Sesseln wälzen, hinten, in Blickrichtung zum Staatsratsgebäude, lädt ein großes Café mit imposanter Deckenhöhe zum Träumen ein. Auch wegen dieser Möglichkeit einer beschränkten Nutzung bildete sich an der Kasse zur Ausstellung keine Schlange. In den abgedunkelten Ausstellungsräumen verteilten sich die Besucher.

Im Foyer verraten schwer zu definierende Urwaldrufe, dass es dahinter nicht unbedingt klassische Hochkultur zu beschauen gibt. Viele ältere Kulturgänger beließen es denn auch mit dem Studieren der Büchertische. „Wir kommen aus der Oper und wollten nur mal stöbern“, erzählen zwei ältere Damen. „Nicht meine Welt“, raunt ein Besucher in den Herbsthimmel.

Zu sehen sind drei große Videowände, auf denen Fans von Madonna, John Lennon und Michael Jackson Hits ihrer Idole interpretieren. Akustisch synchronisiert ergibt sich ein jeweils vielstimmiger Laienchor, auf den die Zuschauer sehr unterschiedlich reagieren. Einige lassen sich mitreißen, glucksen, wippen und murmeln, andere stehen pikiert in den Ecke und bleiben von alledem unberührt.

Tanzlehrerin Ortrud Künzel aus Stahnsdorf ist „völlig begeistert“ von der Installation. Sie strahlt, als sei sie selbst gerade auf einem Casting gewesen. Ihr Begleiter, ein Immobilienmakler aus Berlin, tut sich schwerer mit dem Begeistern. „Das spricht mich nicht an, zu laut. Da könnte ich auch in eine Karaoke-Bar gehen.“ Die Kunsthalle selbst finden sie jedoch uneingeschränkt „super“.

Manfred Ackermann, ehemaliger Ministerialbeamter, ist von der Halle geradezu elektrisiert. Der Bau sei „Billig-Architektur auf hohem Niveau“, da könnten sich die Sanierungsplaner der Staatsoper mal ein paar Anregungen abholen. So einen offenen Raum wie die Kunsthalle sollte es später unbedingt auch im Humboldt-Forum geben, findet er.

Bis dahin wird die temporäre Halle längst abgerissen sein. Eine Glasscheibe ist schon in tausend Splitter zersprungen. Thomas Loy

Temporäre Kunsthalle, Teil I bis 27. 11., Teil II bis 28. 12.; tägl. 11-18, Mo bis 22 Uhr

Jeff Koons, Neue Nationalgalerie, bis 8. 2.; Di bis So 10 bis 18 Uhr, Do bis 22 Uhr

Tropen-Ausstellung im Martin-Gropius- Bau bis 5. 1., tägl. außer Di, 10 bis 20 Uhr

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