Auszeichnung : Versandhaus-Gründer wird Ehrenbürger

Kommende Woche wird Unternehmer und Mäzen Werner Otto 100 Jahre .– und vorher noch Ehrenbürger. Als Kind reichte das Geld nicht einmal für die Schule.

Elisabeth Binder
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Foto: ddpddp

Heute kennen ihn alle nur als überaus erfolgreichen Unternehmer und großzügigen Mäzen. Am 13. August wird Werner Otto 100 Jahre alt. Wenn er aus dem Anlass schon zwei Tage vorher vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zum Ehrenbürger Berlins ernannt wird, sollte man einen Moment an die ersten 40 Jahre dieses außergewöhnlichen Lebens denken. Die waren geprägt von Schwierigkeiten und Krisen. Es war dem Unternehmer keineswegs an der Wiege gesungen, dass er eines Tages in der Lage sein würde, Millionen für die Allgemeinheit zu spenden. Aus Geldmangel konnte er einst nicht mal die Schule beenden.

Geboren wurde Werner Otto als Sohn eines Lebensmittelhändlers am 13. August 1909 in Seelow im Oderbruch. Auch dort half er später, indem er für mehr als eine Million D-Mark den Turm seiner Taufkirche wiederaufbauen ließ, die 1945 gesprengt worden war. Die Mutter starb schon kurz nach der Geburt. Aufgewachsen ist er in Prenzlau. Das Gymnasium musste er dort abbrechen, weil sein Vater in finanzielle Schwierigkeiten geriet und das Schulgeld nicht mehr aufbringen konnte. Zunächst machte Werner Otto eine kaufmännische Lehre in Angermünde, ging dann nach Stettin. Die Nazis, die ihn für zwei Jahre ins Gefängnis steckten, fanden neben kritischen Flugblättern auch zwei unveröffentlichte zeitkritische Romane in seinen Unterlagen. Seine Hoffnung, diese Manuskripte jemals wiederzusehen, hat sich bislang nicht erfüllt. Später machte er einen Zigarrenladen am Alexanderplatz auf.

Nach dem Krieg landete er in Hamburg und dort begann am 17. August 1949 mit der Gründung eines eigenen Versandhauses die beispiellose Erfolgsgeschichte. 14 Seiten hatte der erste Katalog mit einer Auflage von 300 Exemplaren. Getrieben wurde der damals schon 40-jährige Werner Otto von dem Wunsch, Frau und die damals zwei Kinder durchzubringen. Damals arbeitete er von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends an sechs Tagen in der Woche. Am Sonntag befasste er sich mit Organisationsfragen.

Im vergangenen Jahr setzte das Hamburger Unternehmen immerhin 10,1 Milliarden Euro um. Zum Imperium gehören auch Europas größter Betreiber von Shopping-Centern, ECE, der Post-Konkurrent Hermes und die Spielwarenkette MyToys.

Aus der Unternehmensleitung hat sich Werner Otto bereits in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre zurückgezogen, als er spürte, dass sein Körper der Dauerbelastung nicht mehr standhielt. Dafür konnte der Vater von fünf Kindern, der seit 46 Jahren mit seiner dritten Frau Maren verheiratet ist, im Alter von 65 sagen: „Die interessanten Jahre liegen noch vor mir.“ Er hat sich für Fehler nie geschämt, weil sie einen voranbringen, weil man daraus lernen kann. Ein Unternehmen lediglich als Bilanzgröße anzusehen, ist seine Sache nicht. Von ihm stammt der Satz: „Ein Unternehmen ist in erster Linie eine Gemeinschaft von Menschen.“

Um seine vielen wohltätigen Projekte hat er sich immer gern persönlich gekümmert. Unter anderem hat er 4,4 Millionen Euro gespendet für den Umbau des Orchesterprobensaals im Schauspielhaus. Ursprünglich wollte er nur seinen 90. Geburtstag im Schauspielhaus feiern. Im Werner-Otto-Saal finden auch Konzerte und Lesungen statt. Für die Restaurierung des Belvedere in Potsdam gab er rund 6,5 Millionen Euro und für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche drei Millionen DM. Im Jahr 2000 eröffnete in Neukölln das Werner-Otto- Haus für hörgeschädigte Kinder. Und im Jahr 2001 half er der Weddinger Kita Demminer Straße 27 mit 67 000 D-Mark für eine Feuertreppe.

In Hamburg förderte er unter anderem ein Behandlungszentrum für Krebskrankheiten im Kindesalter und den neuen Jungfernstieg. Der Harvard-Universität schenkte er einen Museumsneubau.

Bereits 1969 gründete er eine private Stiftung, die sich für die Behandlung kranker Kinder engagiert. Und als er im vergangenen Jahr in Berlin den ersten James-Simon-Preis für vorbildliches soziales und kulturelles Engagement in Deutschland erhielt, spendete er das Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro umgehend für ein Elternhaus an der Kinder- und Jugendklinik in Buch.

Von Hamburg war er zunächst nach Garmisch Partenkirchen gezogen, wegen des Klimas. Erst 1998 kam er zurück nach Berlin, wo schon sein Großvater als Kunstschmied gearbeitet hatte. In seinem Büro am Kurfürstendamm hat er immer am liebsten am Stehpult gearbeitet.

„Stillstand ist Rückschritt“ lautet einer seiner Grundsätze. Er ist überzeugt, dass aktive Menschen die meisten Fehler machen und dass sich die fähigen von den unfähigen dadurch unterscheiden, dass sie sich mit Fehlern auseinandersetzen und sie dann in Erfahrung umwandeln. Elisabeth Binder

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