Autoschau im Technikmuseum : Ab in die Steilkurve

Das Technikmuseum öffnet die Autoschau „Mensch in Fahrt“ – mit einer echten Rarität von der Rennstrecke. Die neue Dauerausstellung ist auf 1400 Quadratmetern museumspädagogisch ausgesprochen unterhaltsam aufbereitet.

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Drang zur Masse. Auch eine Ente, offiziell ein Citroen 2 CV von 1955, sowie ein VW von 1951, wegen der noch geteilten Heckscheibe auch „Brezel-Käfer“ genannt, gehören zur neuen Ausstellung im Technikmuseum. Präsentiert werden sie auf der Themeninsel „Der Aufstieg des demokratischen Wagens“.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
12.05.2011 12:32Drang zur Masse. Auch eine Ente, offiziell ein Citroen 2 CV von 1955, sowie ein VW von 1951, wegen der noch geteilten Heckscheibe...

Vor zehn Jahren hatte Audi eine hübsche Idee, für ein stufenloses Automatikgetriebe zu werben. Das Filmchen gipfelte in den Leiden eines Elvis-Fans, der die beim Schalten sonst heftig zappelnde Figur seines Idols auch in solch einem Audi tanzen lassen wollte – ohne Erfolg. Nichts ruckte mehr, Aus für Elvis the Pelvis.

In der neuen Dauerausstellung des Technikmuseums, betitelt „Mensch in Fahrt – Unterwegs mit Auto & Co.“ und untergebracht in zwei benachbarten Hallen der ehemaligen Ladestraße des Anhalter Güterbahnhofs, erhält der King of Rock’n’Roll eine neue Chance: Man öffne nur die rote Klappe von „Extra 8/9“, schon tanzt und singt er wieder – ein humoristischer Schnipsel Autogeschichte.

Solche Details, spaßig auch für PS-Ignoranten, die etwa den Käfermotor noch immer stets vorne suchen, prägen die am Mittwoch vorgestellte und ab Freitag zu besichtigende Mobilitätsschau fast ebenso stark wie die 33 Großobjekte aus dem reichhaltigen, bislang im Depot versteckten PS-Fundus des Museums. Klar dass die zwingenden Schmuckstücke solch einer Oldtimer-Versammlung nicht fehlen dürfen, nicht das erste Auto, der Benz-Patentmotorwagen von 1886, als Nachbau vorhanden wie das Ur-Motorrad, der „Daimler Reitwagen“ von 1885, nicht der Jaguar E, der Brezel-Käfer oder Preziosen wie ein NAG-Protos von 1930 aus Berlin, damals Hochburg des deutschen Automobilbaus.

Auf elf Themeninseln sind diese Großobjekte präsentiert, sie reichen von „Laufbereit: Füße, Fahrrad, Pferdewagen“ über „Drang zur Masse: Der Aufstieg des demokratischen Wagens“ über „Lustobjekt: Klasse statt Masse“ bis zu „Aufgeladen: Die zweite Erfindung des Automobils“ über frühe Elektrofahrzeuge, das erste stammt bereits aus dem Jahr 1920.

Das alles ist auf 1400 Quadratmetern museumspädagogisch ausgesprochen unterhaltsam aufbereitet, durch die Wahl der Kleinobjekte, wie Klinker aus der legendären Avus-Steilkurve, die die Rennstrecke zur schnellsten der Welt machte. Viele der Objekte sind mit Geschichten verbunden, die man freilich, da die erläuternden Texte knapp gehalten wurden, nur in Ansätzen erfährt. So macht das „Dinos“-Rennrad von 1956, neben einem Wohnwagen von 1938 auf der Insel „Fernweh: Der bewegte Mensch“ postiert, optisch wenig her. Allerdings hat es den Besitzer – einen Hamburger Bäckergesellen – bis nach Australien getragen.

Saniert wurden die Gebäude durch die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, der größte Posten der 4,6 Millionen Euro Baukosten entstammt dem Konjunkturprogramm II. Nur etwas über zwei Jahre hat alles seit Zusage der Mittel gedauert. Für das Museum ist dies aber bei aller Freude über das Erreichte nur Zwischenstation auf dem langen Weg des Aufbaus, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Und so sehr man dabei auch der Vergangenheit verpflichtet ist, will man doch mehr bieten als nur historische Sammlerstücke, vielmehr verstärkt Themen der Gegenwart und Zukunft aufgreifen, in diesem Fall etwa durch das Präsentieren alter E-Fahrzeuge, durch die Solarstromanlage auf dem Dach oder den medial präsentierten Schlusspunkt der neuen Schau: Das Verkehrsgeschehen der Stadt, des Landes, der Welt, aktuell eingespeist aus verschiedenen Quellen. Wie viele Flugzeuge kreisen gerade über Berlin? „Mensch in Fahrt“ zeigt es.

Technikmuseum, Trebbiner Straße 9, Kreuzberg ab Freitag (Di bis Fr 9-17.30 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr), an diesem Sonntag Eintritt frei

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