Badessaison : Dieser Spaß ist nass

Die ersten Freibäder sind geöffnet, der Rest folgt nach und nach. Wo man jetzt oder später am besten seine Bahnen ziehen kann.

Matthias Oloew
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Auf ins kühle Nass. Die Berliner Freibad-Saison geht los. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

BerlinSchwimmer kennen eigentlich nur zwei Jahreszeiten. Sie heißen jedoch nicht Winter oder Sommer, sondern drinnen oder draußen. Berliner Fans der Draußen-Fraktion mussten dieses Jahr länger als sonst auf den Saisonstart warten, denn die Bäderbetriebe haben mit der Tradition gebrochen, die ersten Bäder am letzten Sonnabend im April zu öffnen. Neidisch blicken die Berliner Draußen-Fraktionäre nach München, wo es mit dem Dante-Winterfreibad ein 50-Meter-Becken gibt, das immer geöffnet ist – auch bei Frost und Tiefschnee.

Trotzdem ist die Verbundenheit zu „ihrem“ Freibad bei der Draußen-Fraktion unter Berlins Schwimmern viel größer als zu jeder Halle. Logisch, an der frischen Luft macht es ja auch viel mehr Spaß. Stammgäste halten ihrem Bad die Treue, an guten wie schlechten Tagen. Das honorieren die Bäderberbetriebe in der Regel nicht, Saisonkarten sind abgeschafft, es gibt sie nur noch bei den beiden bestbesuchten Bädern Berlins, am Wannsee und im Prinzenbad – zu stolzen Preisen. Bis zu 220 Euro kosten sie und gelten nur im jeweiligen Bad.

Im Strandbad Wannsee bedeutet es wegen der geringen Temperatur allerdings noch echte Abhärtung, ins Wasser zu springen. Da sind die Kunden in Kreuzberg fein raus. Wie in den meisten der Sommerbäder (das sind die Bäder mit gefliesten Becken) ist das Wasser im Prinzenbad in zwei der drei Becken beheizt. Das ist auch so bei den anderen großen Bädern, die sich von den kleineren darin unterscheiden, dass sie mindestes ein Becken mit 50-Meter-Bahnen haben. Aber es gibt auch innerhalb der Bädergruppen große Unterschiede.

Die Bäder am Insulaner und Humboldthain sind eingebettet in einen Park, beziehungsweise einen Grünzug. Das ist fast schon idyllisch. Einzigartig ist das kultige Badeschiff an der Arena, das nicht unter der Regie der Bäderbetriebe läuft. Pankow (das einzige Sommerbad, das zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin entstanden ist) und Wilmersdorf bestechen durch ihre großen Wiesen. Die Kinderbäder Monbijou und Platsch sind rappelvoll, wenn es richtig heiß ist. Schon die nächsten Tage und das Pfingstfest werden sommerlich, aber weitere Bäder werden nicht geöffnet. „Die Kapazität der fünf geöffneten Sommerbäder reicht aus“, sagt Bäder-Vorstand Klaus Lipinsky.

Nach jahrelanger Schließung geht am 17. Mai auch das Bad in der Wuhlheide wieder an den Start. Erst war es ein gebrochenes Wasserrohr, das dieses Bad lahmlegte, dann hauten Vandalen im vergangenen Jahr alles kurz und klein, sodass nun Schäden in Höhe von 260 000 Euro zu beseitigen sind. Doch unter dem Druck einer Bürgerinitiative, die „ihr“ Bad wieder nutzen wollte, gaben die Bäderbetriebe nach und machten das nötige Geld locker. Eröffnung ist mit einem Fest, das die Bürgerinitiative ausrichtet.

Anderswo täte eine Instandsetzung auch dringend not. Im Olympiastadion zum Beispiel sind eigentlich nur noch die Becken tadellos, weil sie zur Schwimm- Weltmeisterschaft 1978 neu gebaut wurden. Die Duschen und Umkleidekabinen sind arg sanierungsbedürftig, und beim Schwimmen mit Blick auf die baufälligen und weitgehend gesperrten Zuschauertribünen haben die Gäste das Gefühl, zwischen Ruinen antiker Maya-Tempel ihre Bahnen zu ziehen. Beim Anstellen des Wassers platzte vor zwei Wochen ein Rohr, sodass sich die Eröffnung des Bades verzögert. Die Bäderbetriebe hoffen jedoch, dass am Sonnabend auch am Olympiastadion angebadet werden kann.

Ein großer Vorteil der Freiluftbäder sind die verlässlichen Öffnungszeiten. Beispiel Prinzenbad: täglich ab 7 Uhr – das kann sich jeder merken. Bei den Hallen ist das komplizierter – sie haben täglich wechselnd geöffnet. Wer allerdings erst später abends schwimmen will, ist doch auf die Hallen angewiesen. Denn die Freibäder schließen auch im Hochsommer pünktlich (im Mai um 19, danach um 20 Uhr), selbst wenn die Sonne erst sehr spät untergeht. Da sind die – privat betriebenen – Freibäder (von Grünau, bis Plötzensee, Weißensee und Lübars) und das Badeschiff flexibler. Geöffnet ist, wenn Kunden kommen. So einfach.

Dieses Prinzip gilt auch zum Ende der Saison. Sie dauert an, so lange Leute kommen. Die Bäderbetriebe machen hingegen am 7. September Schluss, egal wie das Wetter ist. Dann beginnt für die Draußen-Fraktion eine neue Wartezeit.

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