Bap-Konzert : Den Wettergott gibt es doch!

"Verdamp lang her", dass Bap in Berlin waren. Vielleicht sehnte sich Bundespräsident Horst Köhler deswegen nach dem Rheinland und kam gleich zu einem Privatbesuch mit Familie zum Zitadellen Musik Festival.

Laura Wolf

BerlinAm frühen Montagabend sieht der Himmel noch nach Regen aus. Wolfgang Niedecken füllt sechs Schnapsgläser und bespritzt eine hochkant aufgeklappte Kiste mit Kronkorken, Aufklebern, Konzerterinnerungen und Anstecknadeln aus Kölner Karnevalsfeiern mit Alkohol. Dann hebt der Sänger von Bap sein Glas und beschwört bei seinem rituellen Altar-Grappa-Trinken den Wettergott. Zur Sicherheit auch noch den Fußballgott, die Heiligen drei Könige (Ron Wood, Bob Dylan und Keith Richards) und die 11.000 Jungfrauen. Zu Bob Dylan pflegt Niedecken eine besondere Beziehung. Seine ersten Anfänge als Musiker brachten ihm in Köln den Beinamen "Bob Dylan der Südstadt" ein.

Nach dem Grappa ist noch Zeit für einen kleinen Plausch mit Bundespräsident Horst Köhler, der eigens zu einem Privatbesuch gekommen ist. Auch Köhlers Frau Eva und Tochter Ulrike, beide Bap-Fans, sind mitgekommen. Niedecken und Köhler kennen sich schon länger und gehen beinahe freundschaftlich miteinander um. Sie engagieren sich für die Initiative "Gemeinsam für Afrika". 2004 begleitete Afrika-Botschafter Niedecken sogar den Bundespräsidenten auf seiner ersten Reise zum ärmsten Kontinent. Für "Gemeinsam für Afrika" bekam der "deutsche Bob Geldof" das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie verabschieden sich mit einem Handschlag und die fünf Rocker hasten auf die Bühne.

Bap, das sind Leute wie Du und ich

Die Band gibt gleich Vollgas. Doch mit der Stimmung will es anfangs nicht ganz klappen. Anders als in Köln und Umgebung tun die Berliner sich ein bisschen schwer mit der Ausgelassenheit. Was man vielleicht auf die Befremdlichkeit der Kölschen Mundart zurückführen kann. Die ist ja bekanntlich ein bisschen offener und ausgelassener. Frontsänger Wolfgang Niedecken fordert die Fans immer wieder zur "Handarbeit" auf. Die wenigen echten Fans in der ersten Reihe lassen sich nicht lange bitten, singen und tanzen gleich mit. Nach den ersten Liedern scheinen jedoch auch die restlichen Berliner aufzutauen und genießen den lauen Sommerabend mit ein bisschen deutscher Rockmusik. Es scheinen besonders viele gebürtige Berliner aus Spandau gekommen zu sein. Zugereiste Rheinländer sind nicht zu finden. Außerdem fällt auf, dass viele Paare unter den Zuschauern sind.

Die eher älteren Herrschaften sind ganz angetan von den "echten" Musikern. "Leute wie Du und ich", so ein Ur-Berliner, auch wenn sie nicht immer verstehen, was der Sänger gerade singt. Doch "das ist nicht weiter schlimm", bekräftigt ein älteres Ehepaar. "Die Melodie und das 'Rüber-bringen' ist das, was zählt." "Schließlich versteht man englische Lieder auch nicht immer," werfen zwei ältere Damen, die schon lange Bap-Fans sind, ein. Nur ab und an sieht man ein jüngeres Gesicht auf- und abhüpfen. Eine junge Berlinerin stört sich an dem älteren Publikum. "Das dachte ich mir schon," sagt sie und stellt klar, dass es "keinen Vergleichswert" zu Bap gibt. Viele der Zuschauer sind keine besonders großen Fans. Ihnen gefällt die Atmosphäre und kamen "einfach so" zum Konzert oder weil sie "Bap mal im Radio gehört haben". Wie alt die Musiker sind, ist ihnen egal, die "Musik ist super". Eine ältere Frau erklärt, "30 Jahre Bap zeigen, dass es hält".

Ein Stück deutsche Zeitgeschichte

Auch der ehemalige Bundestagspräsident Thierse lobte bereits die Rheinländer: "Bap haben deutsche Zeitgeschichte geschrieben". Und der Erfolg gibt ihnen recht. Denn bekannt durch ihren Kölsche Gesang und Lieder wie "Verdamp lang her" (1991) oder "Aff un zo" (2001) feierten die Kölner letztes Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Seither wechselte die Band um Frontsänger und Gründer Wolfgang Niedecken mehrmals ihre Besetzung. Über die Zeit schrumpfte die Gruppe von einem Septett zu einem Quintett. Doch schon seit Ende der 90er Jahre besteht diese Formation.

Den richtigen Profis macht es da auch nichts, dass sie "nur" vor wenigen tausend Leuten in Berlin spielen. Auch wenn Bap gewöhnt sind im Rheinland ganze Hallen zu füllen, konzentrieren sie sich auch bei einer kleineren Zuschauerzahl.

Der Regen bleibt beim Konzert aus und die Kölner Kult-Rocker Bap können am Montagabend bei angenehmem Wetter ihren Beitrag zum Zitadellen Musik Festival leisten. Vielleicht lässt sich der Wettergott ja wirklich mit Grappa-Spritzern besänftigen.

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