Bar jeder Vernunft : Die Lady und der Grandseigneur

Musicalsängerin Katharine Mehrling feiert in der Bar jeder Vernunft Premiere – mit dem Jazzer Rolf Kühn

G,a Bartels
309267_3_xio-fcmsimage-20091109222327-006000-4af8884f1c33e.heprodimagesfotos83120091110mehrlingkuehn.jpg
Prickelnde Kombination. Katherine Mehrling und Rolf Kühn merkten auf einer Party, dass sie musikalisch hervorragend...

Berlin - Es ist eine Ehre, von ihm zu lernen, sagt sie. Mir gefällt ihr Timbre, ihr Feeling, sagt er. Und da sage noch jemand, dass sich Alt und Jung nicht verstehen. Für leidenschaftliche Musiker wie Katharine Mehrling und Rolf Kühn, die über 40 Lebensjahre trennen, gelten solche Platitüden nicht.

Ab dem heutigen Dienstag ist die prickelnde Kombination in der Bar jeder Vernunft zu erleben, wo Katharine Mehrlings zweites Soloprogramm Premiere hat. Sie, eine hinreißend eigenwillige Berliner Chansonette und Musicalsängerin, die in „Cabaret“, „Piaf“, „Pinkelstadt“ oder „Irma La Douce“ beeindruckt hat, und er, ein Meister der Jazzklarinette, dessen Weltkarriere anlässlich seines 80. Geburtstags vorletzten Monat in allen großen Zeitungen gewürdigt wurde.

Kühn ist Mehrlings Stargast beim Jazzblock in der zweiten Showhälfte, wo sie unter anderem die bittersüße Ballade „Gloomy Sunday“ zusammen spielen. Und gemeinsame Jodelabenteuer sind auch geplant. „Ich jodele, seit ich drei bin“, grinst die in Hessen geborene und nach Stationen in London und New York seit zehn Jahren in Charlottenburg lebende Mehrling. „Und ich werd’ den Jodler mit der Klarinette zerstören, bis Katherine verzweifelt die Bühne verlässt“, droht Kühn augenzwinkernd.

Der Grandseigneur und die Lady arbeiten außerdem an einem gemeinsamen Album. Mehrling schreibt die Songtexte, Kühn die Noten. Kennengelernt haben sie sich vor ein paar Jahren im „Brel“ am Savignyplatz. Da feierte Radiolegende Henning Vosskamp seinen Geburtstag. „Wir haben ‚Autumn Leaves’ improvisiert“, erzählt Mehrling. „Und gemerkt, dass wir musikalisch vorzüglich zusammenpassen“, sagt Kühn. Der Swing, der Groove habe einfach gestimmt. Und später auch das gemeinsame Faible für Musicals.

Das zweite Leben des in Leipzig geborenen Rolf Kühn, der in den 50er Jahren die Soloklarinette beim Rias-Tanzorchester spielte, dann in die USA ging und mit Benny Goodman, Tommy Dorsey, John Coltrane, Chet Baker und zig anderen Jazzgrößen arbeitete, drehte sich ums Musical. 13 Jahre lang war er musikalischer Leiter im Theater des Westens und brachte Musicals wie „Chicago“ oder „Jesus Christ Superstar“ nach Deutschland.

Seit 2003 lebt Rolf Kühn jetzt nach Jahren in New York und Hamburg wieder ganz in Berlin. Warum? „Weil die Jazzszene hier so inspirierend ist wie nirgends sonst“, sagt er. Er selbst ist mit drei jungen Kollegen in der Gruppe Tri-O dabei.

Dass die Show in der Bar „Bonsoir Katharine“ heißt, hat natürlich mit Mehrlings Liebe zu Paris, Edith Piaf und französischen Chansons zu tun. Aber sie ist außerdem ein kleines Zitat von Caterina Valentes Filmkomödie „Bonjour Kathrin“. Auch so eine Genregrenzen sprengende Sängerin wie Katharine Mehrling, die locker Chansons, Countrysongs und Swingnummern in ihrem Programm vereint. Und wer hat Caterina Valente 1956 bei ihrem ersten Auftritt in New York als Bandleader und Klarinettist begleitet? Genau, Rolf Kühn.

Geheimnisse aus seinem ereignisreichen Musikerleben werden Dienstag auf der Bühne aber nicht gelüftet. Anders bei Katharine Mehrling. Sie outet sich als verhinderte Grand-Prix-Teilnehmerin. 1987 startete sie unter dem Namen „Cassy“ im deutschen Vorentscheid für Ralph Siegel. Und wie hieß der Song? „Aus“, lacht Mehrling, die alle Angebote von langweiligen Musicalgroßproduktionen ablehnt und ihren Schlagerausflug heute nur noch spaßig findet. Spaß wollen Mehrling und Kühn Dienstagabend übrigens reichlich haben. Aneinander und mit der Musik. Gunda Bartels

Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Wilmersdorf, 10. bis 15. November, Di–Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, Kartentel. 883 15 82

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben