Bar jeder Vernunft : Joachim Król erstmals live in Berlin

Joachim Król in der Bar jeder Vernunft - mit Lyrik und Jazz.

G,a Bartels
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Joachim Król -Foto: dpa

Für Joachim Król sind das heute in der Bar jeder Vernunft gleich zwei Premieren. Er hat noch nie auf einer Berliner Bühne gespielt. „Bislang hab’ ich mir hier nur Preise abgeholt – einmal im Friedrichstadtpalast, einmal im Theater des Westens“, grinst er. Und „Tell me the Truth about Love“ ist sein erstes Lyrik-Projekt.

Eigentlich ist es aber das des Komponisten und Jazzpianisten Andreas Schnermann, der erst die Jazzsängerin Inga Lühning, dann Król mit ins Boot holte. Alle drei leben in Köln, wo die Konzert-Lesung mit Gedichten von W. H. Auden Premiere hatte. Auf Auden wurde Schnermann nicht wie der Rest der Menschheit ins Taschentuch schniefend im Kinosessel aufmerksam, wo in „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ ein junger Mann W. H. Audens zornigen „Funeral Blues“ als Trauergedicht zur Beerdigung seines Freundes aufsagt. Nein, Andreas Schnermann bekam die Texte des modernen britischen Lyrikers von einem Freund empfohlen.

„Ich habe sie sofort als Songs gehört, Sprache hat ja auch einen Sound“, sagt er. Und er habe sich daran gemacht, sie für eine Jazzband zu vertonen.

„Feinsinnig“ nennt Inga Lühning die so entstandenen balladesken, poppigen, bluesigen Songs, die genau wie die von Joachim Król gelesenen Gedichte auf CD zu haben sind. Das ist gut gemachter, schön gesungener Lounge-Jazz, in den Audens englische Texte gebettet sind. Król liest die deutsche Übersetzung. Den „Funeral Blues“ ernst, brüchig und schroff vor Wut über den Tod. Wieso er als populärer Schauspieler, dem die Angebote nur so ins Haus rauschen, ausgerechnet hier mitmacht? „Der war so absolut ambitioniert und wollte mich unbedingt dabeihaben“, nickt er zu Andreas Schnermann hinüber. Und so könne er jeden Abend anderthalb Stunden neben Inga Lühning verbringen, lächelt er ihr zu. Außerdem wäre er selbst gerne Musiker, sei aber leider „kein großer Über“, und „die Stimme ist auch ein Instrument, mit dem man anrühren kann“. Das klappt selbst beim Pressetermin, als Król erst mault, dass die Auslöser der Kameras zu laut in die Rezitation klicken, und sich dann wie von selbst Stille einstellt.

Der Abend bietet die Chance, drei Interpretationen von W. H. Audens Gedichten hintereinander anzuhören, finden die drei: Króls Lesung, Schnermanns Musik und Lühnings Gesang. Dass er die deutsche Übersetzung erwischt hat, was bei Gedichten ja durchaus heikel sein kann, stört den putzmunteren, Kekse mampfenden Joachim Król nicht die Bohne. „Ich frage mich eh immer, was das mit einer Gesellschaft macht, wenn sie seit 60 Jahren Rock und Pop hört und kein einziges Wort versteht.“

Und was für eine Wahrheit über die Liebe gibt’s bei Auden und den drei Künstlern zu erfahren? „Och, gar keine, wir suchen ja selber“, sagt Inga Lühning. Und Joachim Król sinniert etwas wie „ein weites Feld“ und „das Geheimnis ist das Geheimnis“. Dann heißt der Abend also nur „Tell me the Truth about Love“, weil es gut klingt? Genau, sagt Andreas Schnermann, das sei die Antwort auf alle Fragen, das Programm betreffend: „Wir machen alles, was gut klingt.“

Und dass die Bar jeder Vernunft sie damit nach Berlin eingeladen hat, freut die drei. Schnermann wie auch Lühning sind hier schon häufig in Jazzclubs aufgetreten, und Joachim Król offenbart sich gar als Fan der Stadt. „Ich hab’ große Lust auf Berlin“, sagt der gebürtige Herner. „Hier erfahre ich an einem Nachmittag mehr aus meiner Branche, als in Köln im Vierteljahr.“ Er wünsche sich, mal in Berlin Theater zu spielen, sagt Król . Wenn einer was für ihn habe, ließe er sich gerne finden. Gunda Bartels

Bar jeder Vernunft, 12. bis 17. Januar, Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, ab 21,50 Euro

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