Baurbeiten : Schiller-Theater: Ein Haus wird wiederbelebt

Seit Januar sind bis zu 40 Bauarbeiter damit beschäftigt, das 1993 geschlossene Schiller-Theater umzubauen. Ab Herbst 2010 soll die Staatsoper für drei Jahre dort Quartier nehmen. Ein Baustellenrundgang.

Udo Badelt
284698_0_af14ed1c.jpg
Ein Saal mit Vergangenheit. Das Schiller-Theater wurde von Persönlichkeiten wie Boleslaw Barlog oder Samuel Beckett geprägt. Nach...Foto: dpa

Die alten Lüster hängen noch unter der Decke. Aber sie blicken in einen Saal, in dem nichts mehr so ist wie vorher. Nackte, ihrer Stuhlreihen beraubte Treppen verschwinden unter Staub. Ein riesiges Loch klafft dort, wo einst der Orchestergraben war. Die Proszeniumsdecke ist aufgerissen. Irgendwo kreischt eine gewaltige Säge, ein Laser misst die Höhe einer Mauer und piepst dabei so laut, dass es in den Ohren wehtut. So hört es sich an, wenn ein Theater nach Jahren des künstlerischen Dornröschenschlafs wieder ins Leben zurückgeholt wird.

Seit Januar sind bis zu 40 Bauarbeiter damit beschäftigt, das 1993 geschlossene Schiller-Theater für 23 Millionen Euro so umzubauen, dass ab Herbst 2010 die Staatsoper für drei Jahre dort Quartier nehmen kann, während ihr Stammhaus Unter den Linden saniert wird. Ein Opernbetrieb stellt andere Anforderungen als ein Sprechtheater, bei dem fünf oder sechs Schauspieler auf der Bühne stehen. Allein der Opernchor hat schon 80 Mitglieder, von den 120 Musikern der Staatskapelle ganz zu schweigen. Die brauchen Platz. Und so wird der Orchestergraben erweitert – auf Kosten des Zuschauerraumes, dem die ersten sechs Reihen fehlen werden. Statt 1203 Plätzen wird es nur noch 974 geben.

Eine der wichtigsten Fragen: Wie wird es klingen? „Wir nehmen alles heraus, was den Klang absorbiert“, erklärt der Architekt und Generalplaner Andreas Zerr. Die Farbe der in den 80er Jahren schwarz gestrichenen Wände wird entfernt, so dass das darunter liegende Ahornholz wieder sichtbar wird. Erreicht werden soll damit ein längerer Nachhall als die bisherigen 0,9 Sekunden. Fürs Sprechtheater sind die gerade richtig, bei einem Orchester aber bleibt der Klang stecken.

Dann geht es in die oberen Stockwerke. Man blickt über die Dächer Charlottenburgs und hinunter in eine enorme Baugrube. Ein Autokran zieht Betonwände hoch. Hier entsteht die neue Montagehalle, die auch im Schiller-Theater einen ständig wechselnden Repertoirebetrieb garantieren soll. Die Anlieferung erfolgt über eine Lkw-Schleuse, so dass die Anwohner nicht gestört werden.

Auf den Tag genau 17 Jahre nach der Schließung, am 3. Oktober 2010, soll der Spielbetrieb mit einer Uraufführung beginnen. Was nach den drei Jahren mit dem Schillertheater passiert, ist unklar. „Denkbar wäre, dass auch andere Theater, die saniert werden müssen, vorübergehend hier einziehen“, sagt Hermann-Josef Pohlmann von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Eine ewige Zwischennutzung, sozusagen. Das passt ja zu Berlin. Udo Badelt

0 Kommentare

Neuester Kommentar