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Beatrix-Blog (2) : Königin Beatrix auf Berlin-Besuch

An ihrem zweiten Besuchstag lässt sich die niederländische Königin Beatrix mit ihrer Entourage die Stadt zeigen - auch von ganz oben. Der erste Fototermin vor dem Brandenburger Tor wurde allerdings wegen Regens abgesagt.

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Berlin vom Wasser aus: Auch eine Spreefahrt gehört zum Berlin-Programm der Königin Beatrix. Anschließend spricht sie mit Sohn Willem-Alexander mit Investoren von Mediaspree...Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
13.04.2011 06:59Berlin vom Wasser aus: Auch eine Spreefahrt gehört zum Berlin-Programm der Königin Beatrix. Anschließend spricht sie mit Sohn...

8 Uhr Brandenburger Tor

Das Wetter meint es nicht gut mit dem Staatsbesuch der niederländischen Königin, der Wind pfeift und es regnet stärker als gestern vor Schloss Bellevue. Geplant ist, dass Königin Beatrix und ihre Begleitung vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit über den Pariser Platz zum Brandenburger Tor geführt werden. Doch es kommt anders. Um 8 Uhr 07 verkündet der Mitarbeiter des Landespresseamtes, dass der Fototermin im Adlon stattfindet. Ungläubiges Staunen, die Wirklichkeit findet im Saale statt. Vor dem Eingang zu dem Salon großes Gedränge, doch dann werden die wenigen Plätze für die Bildmedien demokratisch auf beide Länder aufgeteilt und so stehen die Journalisten in einem kleinen dunklen Salon und schauen aufs Brandenburger Tor. „Wir kommen extra aus Holland und brauchen doch ein Foto vom Brandenburger Tor“, beschwert sich ein Fotograf, aber es ist so wie es ist. 8 Uhr 20 trifft der Regierende Bürgermeister ein und pünktlich um 8 Uhr 30 öffnet sich die Tür und die Königliche Familie posiert vor der Fensterfront mit dem Regierenden. „Guten Morgen, Goedemorgen“, das ist der Dialog mit der Presse und dann beginnt die Stadterklärung. Wowereit weist darauf hin, dass das Brandenburger Tor nach dem Krieg ganz frei gestanden habe und dass nach der Einheit der Platz nach und nach rekonstruiert worden sei. „Die amerikanische Botschaft war das letzte Gebäude, das fertig gestellt wurde, sagte Wowereit, „aber die waren schon immer am Pariser Platz.“

 Er erläutert die Umgebung und erklärt das Holocaust Mahnmal. „Das ist sehr beeindruckend“, erwidert ihm die Königin, ich bin einmal durchgelaufen, es ist wirklich sehr beeindruckend geworden.“  Wowereit erläutert die Lage der britischen und französischen Botschaft und zeigt stolz auf den „Prachtboulevard Unter den Linden. „Aber die sind damals nach niederländischem Vorbild angelegt worden“, merkt die Königin an, „natürlich nicht diese Linden.“ In der Tat hatte der Große Kurfürst seiner Frau Luise Henriette die Straße im 17. Jahrhundert nach niederländischem Vorbild anlegen lassen, damit sie sich in Berlin heimisch fühle. „Und wo sind die Nordischen Botschaften?“, wollte Willem-Alexander noch wissen. Er hatte wohl von dem Grünen Band gehört, doch Wowereit musste ihm erklären, dass sie leider nicht auf der Route lägen. Und damit war der Fototermin im Trockenen schon zu Ende. Unten in der Lobby steht schon aufgereiht die engere Delegation der Königin, darunter  Botschafter Marnix Krop und  Außenminister Uri Rosenthal. Königin Beatrix und das Kronprinzenpaar verlassen den Aufzug und begrüßen per Handschlag ihre Mitreisenden, dann geht es durch die Lobby zur Wagenkolonne. Draußen vor dem Hotel warten Fotografen und Zaungäste, Rufe, man möchte, dass die Gäste winken, was Máxima auch eifrig tut. Pünktlich um 8 Uhr 45 führt die Kolonne zum Fernsehturm.

8 Uhr 50 Fernsehturm

Die königliche Gesellschaft hat zunächst ein 15-minütiges Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister im Restaurant des Fernsehturmes, dann gibt es eine Stadtführung aus der Vogelperspektive – „Das neue Berlin, das neue Deutschland.“ Angesichts der desolaten Wetterverhältnisse müssen die königlichen Gäste auf die Kraft der Imagination und des Wortes bauen. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erläutert die Entwicklung des Flughafengeländes Tempelhof und des Alexanderplatzes, der Direktor der Gedenkstätte Berliner Mauer, Axel Klausmeier, erklärt die historischen Stätten rund um die Mauer und das Zusammenwachsen von Ost und West. Wolf-Dieter Heilmeyer, ehemaliger Direktor der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, wird die Lage der Museumsinsel erläutern.

10 Uhr 30 Hotel nhow am Spreeufer

Beatrix schaut sich die Stadt vom Wasser aus an. Die Königin sitzt auf einem Dampfer namens "Der fliegende Holländer", der von drei Polizeibooten begleitet wird. Auf der Höhe des Osthafens dreht der Kahn eine Schleife und wird an einer mit niederländischen Fahnen geschmückten Anlegestelle vertäut. Nun geht es in das Designhotel nhow unweit von MTV und Universal, die ebenfalls zum Investitionsgebiet Mediaspree zählen.

Im Foyer werden Beatrix und ihr Sohn Willem-Alexander bereits erwartet, Máxima ist auf einem Termin in einer Schule. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit hat gemeinsam mit Franz Schulz, dem Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg und Investoren von Mediaspree zu einem Gespräch geladen.

Königin Beatrix gibt sich beeindruckt von dem Hotel, stellt aber schnell kritische Fragen: "Wohnen denn auch Leute hier?", fragt sie in die Runde und meint die umliegende Gegend der Mediaspree. Von dem Protest gegen die Bebauung des Spreeufers hat sie offenbar gehört, auch das Problem der Gentrifizierung durch steigende Mieten ist ihr präsent. Darauf zielt auch die nächste Frage des hohen Gasts: "Betreibt Berlin sozialen Wohnungsbau?" - "Den haben wir gerade abgeschafft", antwortet Wowereit.

12 Uhr 45 Palais am Festungsgraben

Jetzt ergänzen sich gleich zwei Stränge des Staatsbesuchs von Königin Beatrix. Sie ist gekommen, um sich über das vereinte Deutschland zu informieren und sie spricht gerne mit Jugendlichen. 16 Deutsche der Generation 90, die also kurz vor oder nach der deutschen Einheit geboren sind, treffen sich mit der königlichen Familie, dem Bundespräsidenten und seiner Frau und Außenminister Rosenthal zu einem Mittagessen, um genau darüber zu reden. Jonathan, 19 Jahre alt, aus Prenzlauer Berg, arbeitet mit beim europäischen Jugendparlament in Deutschland. „Wir hatten einen kleinen Workshop in der niederländischen Botschaft, aber es wurde uns nichts vorgegeben. Ich bin auch nicht angespannt“, sagt er selbstbewusst. „In meinem Pass steht noch ,Geboren in der Deutschen Demokratischen Republik’, erzählt Peter, 20 Jahre alt und jetzt Öffentlichkeitsarbeiter am Hans-Otto-Theater in Potsdam. Er hat mit seiner Familie nach der Wende bei Mainz gelebt und ist jetzt seit vier Jahren wieder in Berlin. „Ich muss mich nicht vorbereiten, wer mich gut fragt, bekommt eine gute Antwort“, sagt Hüsey Kici, 20 Jahre alt und Schauspieler in der „Lindenstraße“.

Dann müssen die Jugendlichen nach oben in den Marmorsaal, die Journalisten warten im Nebenraum. 

 Unterdessen erzählt eine Kollegin von dem Extra-Termin mit Prinzessin Máxima in der Friedensburg-Oberschule. „Sie ist ganz smart, ganz normal, ich bin jetzt ein Máxima-Fan“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Die Prinzessin habe die Schüler auf Englisch gefragt und die hätten am liebsten gleich geantwortet, so viele Englisch-Kenntnisse trauten sie sich zu, doch zur Sicherheit wurde alles übersetzt. Es ging vor allem um den richtigen Umgang mit Geld und die Gefahren der frühen Verschuldung. Die Kronprinzessin arbeitet auch als UNO-Botschafterin für finanzielle Allgemeinbildung.

Pünktlich fährt jetzt die Kolonne vor, die weißen Mäuse vorneweg, die Königlichen Hoheiten begeben sich mit dem Bundespräsidenten und seiner Frau in den prächtigen Marmorsaal, wo sie sich schon – wie schon gestern in der niederländischen Botschaft – unter die Jugendlichen gemischt hatten um Gespräche zu führen. Botschafter Marnix Krop erinnerte in einer kurzen Ansprache daran, dass in diesem Haus die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft ihren Sitz gehabt hatte und DDR-Bürger hier ein wenig Sowjetunion erleben konnten. „jetzt reden die jungen Leute hier heute über ihr Deutschland, für sie ist die Vereinigung selbstverständlich.“ Und dann liest er die Namen der Jugendlichen vor, und es wird schnell deutlich, dass es nicht nur um Ost und West, sondern auch um andere Herkunftsländer geht.

„Deutschland spricht seit 1990 politisch mit einer Stimme, aber im Innern doch noch manchmal mit zwei Stimmen“, sagt Botschafter Krop. Darüber werde man nun beim Mittagessen sprechen, über das neue Deutschland, über Identifikationsangebote und über die Zukunft.“ Den Journalisten blieb ein schneller Blick auf die festlich gedeckte Tafel im Gelben Salon des Palais, in dem die Jugendlichen in aller Ruhe mit der Königin, dem Kronprinzenpaar und dem Bundespräsident sprechen konnten. Und Hüsey Kici wird sicherlich die richtigen Antworten gefunden haben.

Am späten Nachmittag empfängt die niederländische Königin in der Akademie der Künste die Niederländer aus Berlin.

Um 20 Uhr das Konzert wird live und kostenlos im Internet unter www.digitalconcerthall.com zu verfolgen sein. 

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