Stadtleben : Bei Barbra Streisand wird’s eng

Veranstalter baut die Waldbühne für den Auftritt des Superstars um. Sitzplätze fallen dadurch weg

Nana Heymann

Für ihn ist ein lang ersehnter Traum in Erfüllung gegangen: Seit 20 Jahren hat sich Konzertveranstalter Peter Schwenkow darum bemüht, Barbra Streisand nach Deutschland zu holen. Nun ist es dem Chef der Deutschen Entertainment AG gelungen. Am 30. Juni tritt der Star, wie berichtet, in der Waldbühne auf.

Auf die Frage, wie ihm diese Sensation geglückt ist, antwortet Peter Schwenkow ziemlich nüchtern: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ In ihrer 40-jährigen Karriere ist die Sängerin noch nie in Kontinentaleuropa aufgetreten. Nur einmal spielte sie im Londoner Wembley-Stadion, 1994 war das, und Schwenkow war „als größter lebender Fan“ natürlich dabei. Wenig später lernte er Streisands Manager Marty Erlichman kennen. Ihn löcherte er immer wieder mit Anfragen.

Warum der Weltstar ausgerechnet jetzt, im Alter von 65 Jahren, erstmals auf Europa-Tour geht, darüber kann auch Peter Schwenkow nur spekulieren. „Vielleicht hat sie der gigantische Erfolg ihrer US-Tour dazu bewogen.“ Im vergangenen Herbst spielte Streisand 16 Shows in den USA. Die dazugehörige Doppel-DVD „Streisand: Live In Concert 2006“ ist gerade erschienen und gilt schon jetzt als Verkaufshit. Darüber hinaus glaubt Schwenkow, dass der Image-Gewinn Deutschlands durch die Fußball-WM ein Grund für ihre Berlin-Premiere sein könnte. Als orthodoxe Jüdin soll sich Streisand wegen der Nazi-Vergangenheit des Landes schwer mit der Vorstellung getan haben, hier aufzutreten.

Wer ihr Gastspiel in der Waldbühne miterleben will, der sollte sich beeilen. Und bereit sein, bis zu 500 Euro für den Eintritt zu bezahlen. Noch vor dem offiziellen Ticketverkaufsstart am morgigen Freitag hat gestern auf der Internetseite des Konzertsponsors Volkswagen der KaVorverkauf begonnen (www.volkswagen.de). Laut Schwenkow sind innerhalb der ersten drei Stunden 4000 Tickets verkauft worden. Die günstigsten in der Preisklasse von 95 Euro waren schon am Vormittag nicht mehr erhältlich.

Für wahre Streisand-Fans spielt der Preis keine Rolle, manche würden sogar mehrere tausend Euro zahlen und lange Anreisewege in Kauf nehmen, um ihr Idol zu sehen. „Viele hatten sich sogar schon Karten für die Show in Rom geholt“, sagt Yentl Langholz, Betreiberin der Fanwebsite www.barbrastreisand.de. Dass sie die nun wieder zurückgeben und ihre Flüge stornieren müssen, weil die Künstlerin ihren Auftritt in der ewigen Stadt kurzerhand abgesagt hat, nehmen sie mit Gleichmut hin – weil die Show in der Waldbühne sie mit den kurzfristigen Unannehmlichkeiten versöhnt.

Ihrem Status als eine der erfolgreichsten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts ist Barbra Streisand natürlich verpflichtet. Deshalb wartet die achtfache Grammy- Gewinnerin mit einer spektakulären Show auf. Während des anderthalbstündigen Auftritts wird sie von einem 58- köpfigen Orchester begleitet. Das hätte auf der normalen Bühne der Berliner Freiluftarena keinen Platz. Deshalb muss angebaut werden. „Letztlich passen nur noch etwa 16 800 Besucher in die Waldbühne“, sagt Veranstalter Schwenkow. Spekulationen um einen Zusatztkonzert erteilt er jedoch eine Absage: „Es wird definitiv keine weitere Show in Deutschland geben, da geht nichts mehr.“ In London, wo die Tickets für die zwei Auftritte in 20 Minuten ausverkauft waren, gibt Barbra Streisand eine Zugabe.

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