Ben Katchor : Aus Liebe zur Exzentrik

Der New Yorker Comic-Literat Ben Katchor tritt am Montag im Jüdischen Museum auf. Berlin löst bei ihm Erinnerungen an das New York seiner Jugend aus.

Lars von Törne
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Ben Katchor

Aus dem großen Berlin-Epos ist dann doch nichts geworden. Ben Katchor ist eben kein Mann für Schnellschüsse. Wenn man mal einige Monate in einer fremden Stadt verbringt, so wie Katchor vor ein paar Jahren als Gast der American Academy, dann hat man hinterher vielleicht genug Material für einen Reiseführer, sagt er. Aber ein literarisch-grafisches Buch mit fein ausbalancierten Texten und Bildern, einen Comicroman vom Kaliber der Werke, für die Katchor weit über die Comicszene hinaus bekannt ist? „Unmöglich, dafür war ich nicht lange genug hier“, sagt der 58-Jährige mit dem grauschwarzen Locken und dem jünger wirkenden Gesicht beim Gespräch in einem Kreuzberger Café.

Sieben Jahre nach seinem Gastspiel als Academy-Fellow ist Katchor mal wieder für ein paar Tage in der Stadt, diesmal um die soeben erschienene deutsche Übertragung seines historisch-fantastischen Epos „Der Jude von New York“ vorzustellen. Es ist ein absurdes, mit feinem Strich und noch feinerer Komik gezeichnetes Sittengemälde New Yorks zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in dem Katchor reale und imaginäre Figuren wie in einem Papiertheater vorführt: Die Stadt als Tummelplatz exzentrischer Charaktere, voller Geschäftemacher, Glückssucher und gescheiterter Existenzen.

Vielleicht ist aus dem einstmals geplanten Berlin-Epos auch deswegen nichts geworden, weil Katchor die deutsche Hauptstadt nicht gerade als jene vibrierende Großstadt wahrgenommen hat, als die Berlin-Werber sie gerne präsentieren. „Ich war überrascht, wie leise und entspannt Ihre Stadt ist – und dass man hier die Vögel singen hören kann.“

Berlin löst bei Katchor Erinnerungen an das New York seiner Jugend aus: Der Geruch von deutschem Essen und der Klang der deutschen Sprache gehören zu seinen prägenden Eindrücken aus den Fünfziger Jahren, in denen in New York die deutschen Einwanderer eine der größten Bevölkerungsgruppen stellten.

Am Montag, 27. April, 19 Uhr, präsentiert Katchor sein im Avant-Verlag erschienenes Buch „Der Jude von New York“ im Jüdischen Museum an der Lindenstraße 9-14, Infotelefon: (030) 259 93 300, Eintritt frei. Zugleich zeigt Katchor einen kulturgeschichtlichen Diavortrag über verwandte Themen.

Ein ausführliches Interview mit Katchor finden Sie unter
diesem Link. Eine Rezension zu "Der Jude von New York" finden Sie hier.

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