Berlin Bücher : Ein warmes Bett für Tabori

In gefährlichem Pink leuchtet der Himmel über dem nächtlich angestrahlten Berliner Dom. Der knappe Titel auf dem Buchumschlag lautet „Trieb“, darunter steht „Thriller“. Einen, für den man sich Zeit nehmen muss, Autor Marcel Feige hat weit ausgeholt.

Hella Kaiser

In einem albanischen Bergdorf beginnt die Story. Dort lebt der elfjährige Tabori mit seinem behinderten Bruder und der Mutter, die putzen geht und ab und zu Männer empfängt, um die Familie über die Runden zu bringen. Tabori will helfen. Und so entschließt er sich, mit seinem zwei Jahre älteren Freund nach Berlin zu fahren – wie der junge Ryon, der von dort übermittelt hat, man könne „viel Geld in kurzer Zeit verdienen“.

Währenddessen geschieht im Hotel Adler, einem Luxushotel am Brandenburger Tor, ein Mord. Ein gewisser Rudolph, „Berliner Unternehmer“, wie man viele Seiten später erfährt, ist erschossen worden. Kommissar Kalkbrenner nimmt die Ermittlungen auf, zeitgleich will Reporter Sackowitz Licht ins Dunkel bringen.

Feige legt zwei Erzählstränge aus, lässt sie parallel nebeneinander laufen. Immer neue Personen treten auf, die mit dem einen oder anderen in irgendeiner Beziehung stehen. Oder einfach nur kurz auftauchen, um nie mehr wiederzukehren. Der Autor zwingt dem nach 300 Seiten schon arg ermüdeten Leser viele Verästelungen auf, deren Logik sich nicht erschließt.

Wenigstens Tabori muss irgendwann nicht weiter herumlungern. Er findet in Ludwig, einem Herren mittleren Alters, einen Menschen, der es offenbar gut mit ihm meint. Ein Zimmer in Ludwigs Wohnung bekommt der Junge, ein warmes Bett, frische Brötchen am Morgen und sogar einen Tagesfahrschein für die BVG. Was Ludwig wirklich von Tabori will, steht auf Seite 536. Der Junge ist hineingeraten in die Welt der Pädophilen.

Ein brisantes Thema. Nur ist dem Autor leider nicht gelungen, es fesselnd darzustellen. Enttäuschendes Fazit: Wo Thriller draufsteht, muss noch lange keiner drin sein.

Marcel Feige: Trieb. Thriller. Goldmann Verlag, München. 670 Seiten, 8, 95 Euro

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