Berlin-Comic : Blutrausch im Trochäus

Berlins Jack the Ripper heißt Knochen-Jochen, ist eine Comicfigur und spricht gerne in Reimen.

Lars von Törne
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Kampfzone Kreuzberg. »Knochen-Jochen« ist nichts für zarte Gemüter.Illustration: Sobottke

Die Kampfhunde sind schuld. Hätten die den Jochen nicht in der Hasenheide beim Grillen belästigt, hätte er vielleicht nie seine Mordlust entdeckt. Aber die Hunde fühlten sich von Jochens Grillfleisch angezogen, er reagierte hysterisch – und setzte das Filetbesteck ein. Am Schluss der Begegnung formen die Gebeine der Tiere auf dem Boden des Neuköllner Parks folgendes Bekenntnis: „Knochen-Jochen hat’s verbrochen.“

So beginnt eine blutrünstige, makaber- amüsante Geschichte, die der Autor Helge Großklaus und der Zeichner Bela Sobottke kürzlich als Büchlein im Verlag Gringo Comics veröffentlicht haben. Der Clou: „Knochen-Jochen“ wird in Reimform erzählt. Die Morde der Hauptfigur werden in fröhlich rumpelnden Versen geschildert, was eine unterhaltsame, aber naturgemäß auch etwas derbe Mischung ergibt: Blutrausch im Trochäus.

Knochen-Jochens Gegenspieler ist ein Kommissar von der Polizeiwache in der Kreuzberger Friesenstraße. Die Jagd auf den Schlächter und die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in der Hasenheide wird für ihn zur Lebensaufgabe („Dieser Park ist für die Bürger, nicht für Mörder oder Würger“). Derweil arbeitet sich Jochen, der Killer mit dem Affengesicht und den wilden Locken, nach den Kampfhunden durch ein buntes Panorama Berliner Typen. Nach einem Jogger, der mit dem Spaten erledigt wird („Er versuchte auszuweichen, doch zu spät war’s für dergleichen“), muss ein Dealer dran glauben, dann eine Oma, und und und. Am Schluss gibt’s ein filmreifen Finale. Entstanden ist die Idee zum Buch übrigens tatsächlich in der Hasenheide, wie Autor Großklaus berichtet. Bei regelmäßigen Joggingrunden merkte er, „was dieser Park für eine herrliche Kulisse ist, ausgestattet mit Personal vom Allerfeinsten.“ Als er dann zum wiederholten Male mit hundekotverschmierten Schuhen nach Hause trabte, war der Schritt zum Serienmord fast eine logische Konsequenz. Lars von Törne

Bela Sobottke / Helge Großklaus: Knochen-Jochen. Gringo Comics. 50 Seiten, 7,90 Euro, www.knochenjochen.de.

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