Berlin-Festival : Mit Rock und Zelt

Am Wochenende wird am Poststadion in Moabit das Berlin-Festival gefeiert. Mit Grillplatz, Beachvolleyball und Tocotronic

André Görke
156720_3_070725_peaches_pa.jpg
Mitten in der Stadt. Am Samstagabend tritt Peaches auf die Bühne. -Foto: p-a

Morgens, wenn es so langsam hell geworden ist und die Vögel zwitschern, dann ist es am schönsten – findet jedenfalls Hilary Kavanagh. Sie steht auf dem Zeltplatz am Poststadion in Moabit, vorn liegt der feine, weiße Beachvolleyballsand, hinten funkelt die große Kugel des Fernsehturms. Großstadtidyll.

Hilary Kavanagh findet das lauschige Plätzchen nördlich des neuen Hauptbahnhofs so schön, dass sie dort an diesem Wochenende das Berlin-Festival 2007 veranstaltet. Mit Grillplatz, Camping, kühlen Drinks, viel Spaß und großen Musikbands wie Tocotronic. „Wir rechnen mit 3000 Leuten“, sagt sie.

Es ist nicht das erste Berlin-Festival, das sie veranstaltet, es ist das dritte, aber das erste, das auch wirklich in Berlin stattfindet. In den vergangenen beiden Jahren hatte sie die Musikbands ins Dörfchen Paaren im Gliem geschickt, einige Kilometer hinter Spandau. „Doch das hat nie so richtig geklappt, es kamen nur gut 1000 Leute dahin“, sagt sie. „Der Berliner ist leider faul, will nicht reisen, liebt das Kiezige.“ Paaren war nicht kiezig.

Nun haben sie sich in Moabit niedergelassen, neben der Ruine Poststadion, umgeben von vielen Bäumen. Dort werden dicke Boxentürme aufgebaut und zwei Musikbühnen, die Vorfreude ist groß, denn: Wann gab es denn das letzte Mal ein richtiges Festival in der Stadt, mit Camping und Rock?

In der Seydlitzstraße wird die Jugendkultur an diesem Wochenende einfallen, und nicht nur die deutsche. Hilary Kavanagh hat in Cork (Irland) Jura studiert, ist vor elf Jahren nach Prenzlauer Berg gezogen, arbeitet in der Eventbranche. Sie kennt viele internationale Freunde Berlins. „Ich habe aus Finnland Mails bekommen, aus Japan, aber vor allem aus Großbritannien“, sagt sie. „Die lieben diese Stadt, weil sie so billig ist, so jung und schnell.“ Normale Konzertkarten in London würden so viel kosten wie die Reise mit einem Billigflieger nach Berlin – inklusive Festivalticket versteht sich. Da lohnt sich die Anreise wirklich.

Der Bezirk hat das Musikfestival genehmigt und Auflagen erteilt, damit die Anwohner nicht auf die Barrikaden gehen wegen des Lärms. Die Musiker dürfen nur bis 22 Uhr spielen, dann ziehen die Leute weiter in den „Tape-Club“ zur zweitägigen After-Show-Party. Der Laden liegt in der Heidestraße, dort gibt es nicht viel mehr als einige Autowerkstätten und einen verlassenen Güterbahnhof, dort kann Berlin es krachen lassen.

Vor einigen Jahren gab es noch das große Musikfestival „Berlinova“ viele Kilometer südlich in Brandenburg, doch das hat sich vor zwei Jahren still und leise verabschiedet. Das Berlin-Festival mitten in der Stadt ist nun ein Test, auch für die Behörden, ob sich so eine Musikparty im Stadtkern etablieren kann. Auf ein Areal wie das bald stillgelegte Flugfeld in Tempelhof will Kavanagh nicht ausweichen. „Das ist uns viel zu groß: Wir sind eher intim.“ Deshalb haben sie jetzt auch die Anwohner angeschrieben. Sie sollen einfach mitfeiern, für den halben Preis.

Na, dann: Auf gute Nachbarschaft.

Festival und Bands im Netz:

www.berlinfestival.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben