Berlin zur Zeit Friedrich II. : Der Stolz des Bürgers

Ein Buch zeigt Berliner Stadtansichten aus der Zeit Friedrichs II. Lustgarten? Von wegen. Place d’Armes – Exerzierplatz! Zwischen Zeughaus und Dom gab es 1780 weder Lust noch Garten, nur eine Sandwüste, angelegt, um darauf Regimenter hin- und hermarschieren zu lassen.

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Alte Pracht. Gesehen vom heutigen östlichen Ende der Linden. Foto: promo

 Der Soldatenkönig hatte dies 1713, im Jahr seiner Krönung, so beschlossen, seither stiegen dort statt Blütenduft nur Staubwolken auf. Erst 1790 wurde wieder Rasen gesät.

Von hohem Reiz war solch eine Exerzierfläche nicht, verständlich also, dass der Maler und Grafiker Johann Georg Rosenberg dem Place d’Armes in seiner Ansicht des Areals nicht gerade den Raum gab, den der Titel der Radierung erwarten lässt: ein schmaler Streifen Ödnis, umgeben allerdings von prächtigen Bauten, links das Zeughaus, in der Bildmitte der Vorgängerbau des Doms, in der Ferne die Marienkirche, rechts der im späten 19. Jahrhundert weitgehend abgerissene Apothekenflügel des Schlosses, das am rechten Bildrand, hinter Bäumen verborgen, gerade noch zu erahnen ist. Den Kupfergraben erkennt man nur an der über ihn führenden Hundebrücke, die so hieß, weil dort die Hunde versammelt wurden, bevor es zur Jagd in den Tiergarten ging. Heute steht dort die Schlossbrücke.

Das Bild des Place d’Armes findet sich in dem bei Nicolai erschienenen Bildband „Berliner Gouachen – 20 Stadtansichten aus der Zeit Friedrichs des Großen“, der eine stadthistorisch spannende wie ungemein bibliophile Kostbarkeit nach über 200 Jahren wieder zugänglich macht. Stadtlandschaften waren im 18. Jahrhundert europaweit beliebte Sujets, repräsentative Ansichten von Berlin entstanden aber vergleichsweise spät, erst mit der architektonischen Aufwertung der Residenz unter Friedrich II.

Vorbild für die zwischen 1773 und 1785 entstandenen Kupferstiche Rosenbergs, die der Maler Johann August Ernst Niegelssohn mit Deckfarben kolorierte, waren die venezianischen Veduten Canalettos. Solche Blätter waren beliebte Andenken an Bildungsreisen, die damals mehr und mehr auch nach Berlin führten. Andererseits drückte sich in den Stadtveduten der Bürgerstolz aus, über die Stadt wie die eigene steigende Bedeutung. Rosenberg kam dem stärker als andere Maler entgegen, indem er nicht nur die Repräsentationsbauten von Hof und Adel zeigte, sondern ebenso die Lebensräume des Volkes – etwa den Hackeschen Markt. Nicht immer aber bildete er die Stadt fotografisch getreu ab. Er komponierte seine Ansichten, verschob die Perspektiven, zum Wohle des Bildes.

Johann Georg Rosenberg / Johann August Ernst Niegelssohn: Berliner Gouachen – 20 Stadtansichten aus der Zeit Friedrichs des Großen. Texte: Ursula Cosmann, Peter P. Rohrlach. Nicolai, Berlin. 56 Seiten, 20 Abb., 24,95 Euro (erschienen auch bei der Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt).

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