Berlinale 2009 : Bühne frei für die Helden der Leinwand

Von Leonardo Di Caprio bis Julie Delpy: Das Star-Aufgebot der Berlinale beeindruckt. Natürch ist auch die einheimische Schauspielerriege dabei.

Andreas Conrad
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Leonardo di Caprio: Nach über zehn Jahren sind er und Kate Winslet wieder gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. -

Endlich weist mal jemand darauf hin: Was wäre die Berlinale ohne das „i“! Ein Wort ohne Mittelpunkt, vorne ein saftloses „Berl“, hinten ein blasses „nale“, dazwischen das blanke Nichts. Ja, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Film- und Festivalgeschichte dieser Stadt ohne „i“ anders verlaufen wäre. Dank sei also Paul Snowden, dass er dessen Bedeutung auf seinem Plakat zur 59. Berlinale pointiert herausstellt: oben die Silbe „Berl“, unten „nale“, dazwischen zwei Dutzend Mal ein angeschnittenes „i“, alles weiß auf rotem Grund. Und noch etwas hat der in Berlin lebende Neuseeländer anders gemacht als seine Vorgänger: Er hat nur ein Plakat für alle Sparten entworfen. Auf Sektionsplakate habe man diesmal „zugunsten einer einheitlichen Kommunikation“ verzichtet, gab die Festivalleitung bekannt und zitierte auch Snowdens Erläuterungen zu seinem Entwurf. „Den wunderbaren Bilderfluten dieses Filmfestivals etwas entgegenzusetzen und ihnen gleichzeitig Tribut zu zollen, erforderte eine Paul-Snowden-typografische Lösung – etwas Wagemutiges, das gleichzeitig die wahren Stars der Berlinale feiert: das Publikum und diese großartige Stadt.“

Nun, das ist nobel gedacht, doch werden sich „ die wahren Stars“ in ihrem Kinosessel vielleicht doch eher für „die echten“ interessieren, die auf der Leinwand und vor allem die auf dem roten Teppich, der wieder am 5. Februar ausgerollt wird. Bereits an diesem Dienstag will Festivalchef Dieter Kosslick das endgültige Programm vorstellen und dann auch mit der Liste der Schauspieler- und Regiegrößen aufwarten, die voraussichtlich in den zehn Tagen der Berlinale auftreten. Manche Namen sind schon bekannt, einige noch nicht endgültig bestätigt, andere muss man hinterher wohl doch wieder unter dem üblichen Schwund verbuchen.

Als erste hatte bereits Kate Winslet, die analphabetische KZ-Wärterin in „Der Vorleser“, den Finger gehoben: „Ja, ich komme.“ Auch ihr Vorleser David Kross wird erwartet, er gehört dieses Mal ohnehin zur Riege der Shooting Stars. Auf die sollte man stets ein Auge werfen, schließlich gehörte der neue Bond, Daniel Craig, vor Jahren auch mal dazu. Aber eine wie Hafsia Herzi, Hauptdarstellerin in „Francaise“, kennt mancher auch so, aus dem Film „Couscous mit Fisch“.


Auch Leonardo Di Caprio, Kate Winslets Partner in „Titanic“ und neuerdings in „Zeiten des Aufruhrs“, ist angekündigt als Gast bei der Gala „Cinema for Peace“. Früh bestätigt waren Steve Martin, Andy Garcia, Jean Reno und die indische Schauspielerin und Tänzerin Aishwarya Rai , die Stars in der Krimikomödie „Der Rosarote Panther 2“. Beim Eröffnungsfilm „The International“ werden neben Regisseur Tom Tykwer auch Hauptdarsteller Clive Owen, Armin Mueller-Stahl und Ulrich Thomsen über den roten Teppich laufen, vielleicht auch Naomi Watts. Da sie am 13. Dezember zum zweiten Mal Mutter wurde, gilt das als etwas unsicher.

Dieter Kosslick hatte in einem Interview weitere Namen in die Runde geworfen, Glamour-Kandidaten, deren Kommen ihm offenbar als halbwegs gesichert erschien, obwohl man das definitiv nie sagen kann. Michelle Pfeiffer aus Stephen Frears’ Wettbewerbsfilm „Cheri“ gehörte dazu, Willem Dafoe aus Theo Angelopoulos’ „The Dust of Time“ und Keanu Reeves aus Rebecca Millers „The Private Lives of Pippa Lee“. Die Regisseurin, Tochter von Arthur Miller und verheiratet mit Daniel Day-Lewis, hat auch die Romanvorlage geschrieben.

Gerechnet wird außerdem mit Claude Chabrol, der neben „Bellamy“ vielleicht auch Gérard Depardieu mitbringt, François Ozon („Ricky“) hat ziemlich sicher seine Hauptakteure Alexandra Lamy und Sergi López dabei.

Im Panorama ist diesmal Julie Delpy vertreten, als Regisseurin und Hauptdarstellerin in „The Countess“. Der Film schildert das Leben der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory (1560–1614), dem eine unselige Neigung, junge Mädchen zu ermorden und in ihrem Blute zu baden, nachgesagt wird. Die engelhafte Julie Delpy tritt damit in die Fußstapfen von Paloma Picasso, die diese Rolle 1974 in dem skandalumwitterten, der Pornografie verdächtigten Episodenfilm „Unmoralische Geschichten“ von Walerian Borowczyk gespielt hatte.

Natürlich ist auch das einheimische Starpersonal reichlich dabei, so beispielsweise Heike Makatsch in „Hilde“ oder Julia Jentsch, Sebastian Koch, und Juliane Köhler in „Effi Briest“. Und die Jury selbst hat ebenfalls mit Tilda Swinton an der Spitze und Namen wie Henning Mankell und Christoph Schlingensief reichlich Glanz zu bieten. 

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