Berlinale : Gut für das Image und die Kasse

Die 60. Berlinale ist vorbei, die Preise sind vergeben, fast 300 000 Tickets wurden verkauft, das ist ein Rekord. Von Schlagzeilen bis Steuereinnahmen: Was die Berlinale der Stadt einbringt

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Große Auftritte. Jury-Mitglied Yu Nan wird vom Regierenden Klaus Wowereit und seinem Partner Jörn Kubicki begrüßt. Foto: dpadpa

Am Morgen nach der großen Preisverleihung parkt vor dem Berlinale-Palast ein Wagen der BSR; auf einem Geldautomaten im Foyer einer Bank steht eine Flasche Wodka, viertelvoll. Ein junger Mann zieht seinen Rollkoffer über die Alte Potsdamer Straße, murmelt seiner Begleitung etwas in Englisch zu. Wo geht’s zum Bahnhof, zum Flughafen, nach Hause?

Die 60. Berlinale ist vorbei, die Preise sind vergeben, fast 300 000 Tickets wurden verkauft, das ist ein Rekord. Zehn Tage lang war Berlin Mittelpunkt des internationalen Filmgeschehens, war wichtig und glamourös, aber auch glatt und nass.

„Unendlich positiv“ sei die Berlinale für das Image der Stadt, sagt Christian Tänzler von Berlin Tourismus Marketing (BTM). Und ein Wirtschaftsfaktor noch dazu – vor allem wegen zahlloser gebuchter Hotelzimmer. Fred Hürst, Generaldirektor des Grand Hyatt, sagt etwa, er sei mehr als zufrieden mit dem Geschäft während der Berlinale. In seinem Haus wurden dieser Tage, mal abgesehen von belegten Zimmern, mehr als 12 250 Gläser Champagner ausgeschenkt, rund eine Tonne Frischfisch verspeist. Traditionell habe die Berlinale keine großen Auswirkungen auf den Handel in Berlin, sagt Nils Busch-Petersen, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Als Stadtmarketing hingegen seien die Festspiele kaum zu überschätzen. Und für die Potsdamer-Platz-Arkaden waren sie, neben dem Valentinstag, ein Anlass zur Öffnung am Sonntag vergangener Woche.

Die Investitionsbank Berlin (IBB) errechnete vor Beginn der Berlinale deren potenziell guten wirtschaftlichen Effekt: Rund 500 zusätzliche Arbeitsplätze könnten durch sie geschaffen werden, das zusätzliche Bruttoinlandsprodukt könnte rund 80 Millionen Euro betragen, von denen bis zu elf Millionen in Form von Steuern und Abgaben an die Stadt zurückfließen könnten. Die Taxifahrer am Potsdamer Platz hingegen sagen, von der Berlinale sei nur nachts etwas zu merken gewesen, wenn Journalisten und Fans vom Hotel zum Kino und zurück gebracht werden wollten. Viele kurze Fahrten habe es gegeben, sagt einer und fasst zusammen: „Mehr Arbeit, aber nicht mehr Umsatz.“ Und die vielen Berühmtheiten? Die fahren meistens VIP-Shuttle.

Obwohl, viele Berühmtheiten? Das Fehlen einiger Stars war in internationalen Zeitungen ein Thema, das so leidenschaftlich diskutiert wurde wie das Winterwetter – letzteres wohl ein Grund, weshalb einige lieber fernblieben. Bei dieser Berlinale seien die abwesenden Stars ebenso wichtig wie die anwesenden, schrieb etwa die New York Times. Sei es nun der unter Hausarrest stehende Roman Polanski, Regisseur Jafar Panahi, dem die Ausreise aus dem Iran verwehrt wurde, oder auch Penélope Cruz und Daniel Day-Lewis, die kurzfristig absagten. Und einer der Anwesenden, Leonardo DiCaprio, sorgte eher mit Gerüchten über sein Privatleben für Gesprächsstoff. Hat er nun oder hat er nicht – im Berliner Grill Royal um die Hand seiner Freundin Bar Refaeli angehalten? Leo, vielleicht verlobt, in Berlin? Wahnsinn!

Auf dem Laufenden konnten sich Fans in diesem Jahr auch erstmals über die Facebook-Gruppe „Berlinale“ halten, die flugs mehr als 19 000 Mitglieder zählte. Frischere Informationen gab es nur bei Twitter. „Der letzte Tag in Berlin“, schreibt Nutzer „thejoyjoy“ am Sonntag. Berlin ohne Berlinale, das findet er: kalt, leer und irgendwie – Zzzzzzzzz. Katja Reimann

Seiten 11 und 23

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