Berliner Design : Der Bread & Butter-Effekt

Die Berliner Marke Hüftgold ist durch die Modemesse groß geworden. Aber auch die Stadt hat sich dank ihrer verändert.

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Gürtel ist nicht gleich Gürtel. Die Firma Hüftgold ist vom Zwei-Mann-Wohnzimmerbetrieb zum florierenden Modeunternehmen geworden. Fotos: Kai-Uwe Heinrich
Gürtel ist nicht gleich Gürtel. Die Firma Hüftgold ist vom Zwei-Mann-Wohnzimmerbetrieb zum florierenden Modeunternehmen geworden.Fotos: Kai-Uwe Heinrich

Auch Morten Neumann ist wieder dabei. Ab Mittwoch wird er seine Schals, Gürtel und Tücher auf der Bread & Butter drei Tage lang Händlern aus vielen Ländern der Welt zeigen, und am Ende werden wieder ein paar mehr Läden Produkte von Hüftgold verkaufen.

Morten Naumann wundert sich selbst über seine Naivität. 2006 zog er mit seiner Firma Hüftgold von Köln nach Berlin, einfach, weil er hier leben wollte. „Wir wussten nicht, wie sehr wir davon profitieren würden.“ Aus dem Zweimannbetrieb, der im Wohnzimmer Gürtelschnallen montierte und Schals aus dem Kofferraum verkaufte, ist ein richtiges Modeunternehmen mit mehr als 20 Angestellten geworden. Er hat mit seinem Geschäftspartner Dirk Bommersheim eine Fabriketage in Kreuzberg gemietet, „die wir uns nirgendwo sonst leisten könnten. Und in Berlin macht es Spaß, Mitarbeiter zu suchen. Es gibt hier tolle Leute.“

Der Erfolg seiner Firma hängt aber nicht nur mit der Wahl der Stadt, sondern auch mit der Messe Bread & Butter zusammen. Die hatte Karl-Heinz Müller, ein Freund aus Kölner Zeiten, schon 2003 von Köln, wo sie 2001 gegründet worden war, nach Berlin verlegt. Dort versammelte Müller die wichtigsten Jeansmarken, um der angestaubten Messe Interjeans zu zeigen, wie man eine zeitgemäße Veranstaltung macht. Heute ist die Bread & Butter die weltweit wichtigste Messe in diesem Segment.

Vor fünf Jahren mietete Neumann zum ersten Mal einen zwölf Quadratmeter großen Stand auf der Bread & Butter, „wir waren sehr zufrieden.“ Es ist immer noch die einzige Messe, auf der er seine Produkte zweimal im Jahr zeigt. Inzwischen liefert Hüftgold an mehr als 400 Händler – vor allem in Deutschland. „Langsam sind wir reif für die Expansion ins Ausland.“ Als sich Karl-Heinz Müller und die Bread & Butter 2006 nach Barcelona verabschiedeten, um dort die Messe zweimal im Jahr zu veranstalten, war Hüftgold noch nicht so weit. Deshalb waren die Chefs auch aufgeregt, als die Bread & Butter im Sommer 2009 nach Berlin zurückkam. „Wir haben die Zeit genutzt, um unser Markenprofil zu schärfen, jetzt sind wir dem gestiegenen Druck der Branche gewachsen“, sagt Morten Neumann.

Haben gut lachen. Hüftgold, die Marke von Morten Neumann (links) und Dirk Bommersheim, ist erfolgreich. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Haben gut lachen. Hüftgold, die Marke von Morten Neumann (links) und Dirk Bommersheim, ist erfolgreich.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Auch Berlin selbst hat sich seit der ersten Bread & Butter verändert. Am besten kann man das in Mitte sehen. Hier vergeht keine Woche, in der nicht eine Marke einen Laden eröffnet, die auch auf der Bread & Butter ausstellt. Wer eine neue Jeans, Turnschuhe oder ähnliche Artikel sucht, für den ist Mitte zu einem Mekka geworden.

Da es zwischen Hackeschem Markt und Alexanderplatz längst keine leeren Ladenflächen mehr gibt, werden kleinere und inhabergeführte Geschäfte zunehmend verdrängt. „Die Mieten sind für viele einfach zu hoch“, sagt Andreas Murkudis. Der Händler organisiert gerade seinen Umzug aus den Hinterhöfen in der Münzstraße in die Potsdamer Straße in Tiergarten. Dort hat er die stillgelegte Druckerei des Tagesspiegels zu einem weißen Tempel für seine Waren umbauen lassen. Er verkauft Bekleidung, Accessoires und Objekte von Marken wie Dries van Noten, Jil Sander, Maison Margiela und Nymphenburg, die man nicht im Vorbeigehen mitnimmt.

„Mitte ist nicht mehr mein Ort. Es ist hier zu rummelig.“ Manchmal stehen 30 Leute in Murkudis Laden, trinken Kaffee und telefonieren. Schon länger beobachtet er, dass jedes frei werdende Geschäft zu einem Jeansladen wird. Jetzt haben in der Neuen Schönhauser Straße eingesessene Mieter wie die Frisörin Ayfer und der kleine Espressoladen aufgegeben.

Andreas Murkudis ist froh, an einem Ort zu sein, der noch nicht besetzt ist: „Ich habe nicht mehr damit gerechnet, ihn in Berlin zu finden.“

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