Berliner Eisbahnen : Seligkeit auf Kufen

Freunde des Schlittschuhlaufens müssen in Berlin nicht auf eiskaltes Wetter warten. Kunsteisbahnen gibt es mehr als genug

Christoph Stollowsky
Eisbahn
Eisiges Vergnügen. Die Kunsteisbahn am Marlene-Dietrich-Platz lockt Schlittschuhläufer an. -Foto: Max Stuttmann

Als wären „Flügel an den Füßen“, so schwärmte Friedrich Gottlieb Klopstock Ende des 18. Jahrhunderts übers Schlittschuhlaufen. Allerdings sauste der Poet damals über die gefrorenen Havel, ein Vergnügen, das die Berliner letztmals im Winter 1997 erlebt haben. Seither war die kalte Jahreszeit eher milde, die Eisdecke zu dünn – wer Spaß auf Kufen haben wollte, war meist auf die Eisstadien angewiesen. Deren Saison hat auch diesmal wieder Mitte Oktober begonnen, aber sie werden zur Zeit spärlich besucht. „Erst wenn’s knackig frostig wird, gehen die Leute Eislaufen“, wissen die Betreiber. Das gehöre in den Köpfen irgendwie zusammen.

Auf den mobilen Kunsteisbahnen wird es hingegen schon früher eng, auf der Bahn der „Winterwelten“ auf dem Marlene-Dietrich-Platz und dann ab 27. November auch auf dem Bebelplatz in Mitte. Seit einigen Jahren werden diese privat finanzierten eisigen Vergnügungsstätten unter dem Motto „Berlin on Ice“ im November auf- und nach Silvester wieder abgebaut. Und sie sind im Trend, ihre Besucherzahlen wachsen. Mehr als 10 000 Schlittschuhläufer kamen in der vergangenen Saison zum Bebelplatz, während die großen bezirkseigenen Eisstadien eher Besucherschwund beklagen. Seit 2000 schrumpften hier die Gästezahlen, erst im Winter 2007/08 gab es wieder einen leichten Anstieg.

Kenner der Berliner Eislaufszene führen das auf die „Unbeweglichkeit des Öffentlichen Dienstes“ zurück. Die meisten Stadien bieten über die normalen Eislaufzeiten hinaus nur wenig besonderen Service oder Events an und werben auch kaum für ihre Angebote. Auf den mobilen Bahnen wird hingegen alles getan, damit sich die Gäste wohlfühlen. Sie sind festlich beleuchtet, es gibt Eislaufkurse, Eisstockschießen, Discos und Unterhaltungsprogramme. Ähnlich aktiv sind nur die Betreiber der privaten Berliner Eisstadien am Müggelheimer Damm am Müggelseeufer sowie besonders an der Leonorenstraße in Lankwitz und am Hohenzollernring in Spandau. Discos, Eisstockschießen, Kindergeburtstage gehören zum Angebot. In Lankwitz legt ein DJ für Jugendliche sonnabends von 17.30 bis 21.30 Uhr auf, speziell für Kinder mittwochs von 15 bis 17 Uhr. Geburtstagsfeste mit Schlittschuhspaß, Essen und Überraschungen kann man auch in Wilmersdorf buchen.

Aber nicht jeder mag Rummel auf dem Eis. „Zu viel Gedränge und rasante Jugendliche!“ – so klagen vor allem viele Ältere und Familien. Während der Laufzeiten am Vormittag geht es aber überall entspannter zu. Im Erika-Heß-Stadion gibt es dienstags und donnerstags sogar besonders frühe Laufzeiten, die auch von Berufstätigen gerne als Frühsport genutzt werden. Außerdem werden in Wedding werktags von 12 bis14 Uhr in der Halle Extra-Zeiten ausschließlich für Erwachsene angeboten. Insgesamt ruhiger geht es auch in Wilmersdorf zu. Das liegt an der großen Eisfläche des 400-Meter-Ringes im Horst-Dohm-Stadion, auf der sich die Läufer gut verteilen. Wilmersdorf ist deshalb bei Familien mit Kindern besonders beliebt.

Auch Menschen, die auf Kufen nicht nur ihre Ruhe schätzen, sondern auch noch durch ein festes Dach wetterunabhängig sein wollen, finden in Berlin diverse Angebote. Im Erika-Heß-Stadion zu den speziellen Erwachsenen- und Frühlaufzeiten etwa, außerdem beim Seniorenlauf in der Deutschlandhalle sowie im Sportforum Hohenschönhausen. Nur mit einem Zelt überdacht sind die Bahnen in Spandau und am Müggelsee.

Doch was tun, wenn man zwar laufen will, dies aber nie gelernt hat? Die „Ungewöhnliche Eislaufschule“ bietet in allen Stadien Kinder- und Erwachsenenkurse an, für Kindergeburtstage auch spielerische Eislaufstunden (Tel.: 84309340, www.eislaufschule. de). Im Horst-DohmStadion können Kinder jeden Sonnabend von 10.30 bis 12 Uhr an einem Schnupperkurs des Berliner Sportvereins 1892 teilnehmen (Kosten 5 Euro, Anmeldung nicht erforderlich). Gratis-Unterricht für Kinder zwischen vier und sieben Jahren gibt es an Sonnabenden und Sonntagen im November/Dezember auf der mobilen Bahn am Potsdamer Platz (Infotelefon: 2593 9299).

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