Berliner Karneval : Narrenfreiheit ade

Berliner Jecken haben wenig zu lachen: In diesem Jahr müssen sie erstmals ihren Lärm messen. Beim Karnevalszug werden eine Million Zuschauer erwartet.

Berliner Karnevalsprinz Reinhard I.
Federführend. Reinhard Muss, Vorsitzender des Berliner Carneval-Vereins 1986 e.V. amtiert dieses Jahr als Karnevalsprinz Reinhard...Foto: ddp

Berliner Jecken haben wenig zu lachen – dieser Eindruck drängte sich jedenfalls am Montag auf, als die Organisatoren des diesjährigen Karnevalszuges standesgemäß in der „Ständigen Vertretung“ (StäV) für ihr närrisches Event am Sonntag warben. Vielleicht lag es an der frühen Stunde oder daran, dass Karnevalsprinz Reinhard I. ohne seine Prinzessin Doreen auskommen musste – er ist schon Rentner, sie muss noch arbeiten. Jedenfalls konnten nicht einmal die bunten Narrenkappen den Griesgram aus den Gesichtern der Karnevalisten vertreiben.

Dabei rechnen sie für den diesjährigen Zug – es ist der neunte, seit die vornehmlich vom Rhein eingewanderten Jecken an der Spree schunkeln – mit Rekorden: So sollen mehr als 3000 Teilnehmer auf, vor und hinter den 72 Festwagen durch die City-West ziehen, wo eine Million Zuschauer erwartet werden. Der RBB überträgt zwei Stunden und die Sonne wird scheinen – verspricht jedenfalls Martin Hortig, Schatzmeister der Karnevalisten.

Wie im vorigen Jahr startet der Zug am Sonntag um 11.44 Uhr an der Kreuzung Hardenberg-/Fasanenstraße und zieht vorbei am Bahnhof Zoo über die Kurfürsten-, Nürnberger und Tauentzienstraße zum Breitscheidplatz. Von dort geht es weiter auf den Ku’damm, wo die Jecken in Höhe Schlüterstraße wenden und zurück zur Joachimstaler Straße marschieren.

Etwa viereinhalb Stunden lang wollen die Narren mit Tanz, Musik, Gesang, Konfetti und Papierschlangen die Zuschauer unterhalten. Natürlich werden sie auch wieder jede Menge Bonbons, Schokolade und andere Süßwaren regnen lassen. Erstmals ist in diesem Jahr auch der Verein Gegen Kinderarmut mit einer Gruppe von über 100 Kindern dabei. Für die Kleinsten gibt es Stofftiere, und im „Q-Dorf“ können Aktive und Zuschauer für zehn Euro dauerschunkeln.

Der anfangs belächelte Berliner Karneval entwickele sich zu einem wunderbaren Familien-Event, sagt Martin Hortig. „Schon letztes Jahr sah man überall verkleidete Kinder und Erwachsene – offenbar gibt es auch hier ein Bedürfnis, mal in eine andere Rolle zu schlüpfen.“

Für den großen Tag haben die Karnevalisten ehrenamtlich viel Zeit und Geld investiert. Deshalb sind sie ein wenig angesäuert über die ihrer Ansicht nach mangelnde Unterstützung des Senats. Als besondere Schikane empfinden sie, dass ihnen die Umweltverwaltung erstmals zur Auflage macht, den Lärm während des Umzugs zu messen. „Das gibt es nirgends“ sagt Schatzmeister Hortig und schafft es – auch dank des inzwischen ausgeschenkten Kölschs – die Karnevalisten in der StäV zum Schmunzeln zu bringen: „Das närrische Gen hat nun auch den Berliner Senat erreicht.“

Während des Umzugs ist unter der Nummer 0160 / 5459307 ein Kummertelefon geschaltet.

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