Berliner Salon-Orchester : 30 Jahre Trompeten und Talente

Am Freitag findet im Kammermusiksaal der Philharmonie ein besonderes Konzert des Berliner Salon-Orchesters statt: Es wird 30 Jahre alt. Einst spielten auch Walter Scheel und Max Raabe in dem Ensemble.

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Gute Laune im Gymnasium. Das Salon-Orchester zu Gast in der alten Schule.
Gute Laune im Gymnasium. Das Salon-Orchester zu Gast in der alten Schule.Thilo Rückeis

Der Kaktus geht immer. Sogar, wenn das Salon-Orchester Berlin eigentlich noch nicht richtig wach ist. „Den Kaktus spielen wir auswendig“, sagt Orchesterleiter Christoph Sanft und setzt sich an den Flügel mitten in der Aula des Gymnasiums Steglitz. Dann legen sie alle los: Saxophon, Kontrabass, Gitarre, Trompete, Querflöte, Violinen füllen die kühle Schulluft mit den bekannten Tönen von „Mein kleiner grüner Kaktus“.

Nur der Sänger, Martin Stange, hat so früh am Morgen noch keine Lust. Gerade hat er gemosert, dass die Aula nicht gerade der schönste Ort sei, um Fotos von den Musikern zu machen. „Aber das hier ist doch die Wiege des Salon-Orchesters“, sagt Christoph Sanft. Und erzählt, wie er vor ziemlich genau 30 Jahren das Orchester mit anderen Abiturienten gegründet hat und bei seiner Abiturfeier, im Dezember 1980, zum ersten Mal aufgetreten ist. „Egon, ich hab’ ja nur aus Liebe zu dir, ein Glas zu viel getrunken“, spielten sie damals auf der Bühne der Aula.

Am Freitag wird der 30. Geburtstag des Orchesters gefeiert – mit einem Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie. „Komm spiel mit mir Blindekuh“ wird etwa zu hören sein und „Ich hab das Fräulein Helene baden seh’n“ – Musik aus den Zwanzigern und Dreißigern ist eine Spezialität des Orchesters. „Du warst doch der Erste, der die alten Lieder in den Achtzigern wieder ausgegraben hat, oder?“, fragt Sänger Martin Stange. Sanft nickt. Ein Mitschüler aus dem Musik-Leistungskurs habe damals alte Noten im Keller aufgestöbert. Und Sanft fand später 300 Notenblätter auf dem Sperrmüll. Inzwischen spielt das Orchester auch Stücke aus den Fünfzigern und Sechzigern und eine eigene Version von Lenas „Satellite“.

Sanft ist als einziger von den Salonorchestermusikern des ersten Auftritts übrig geblieben. Die anderen sind erst später hinzugestoßen, die Besetzung hat immer wieder gewechselt. Sanft hat ein Fotoalbum mitgebracht. Viele der alten Bilder sind unscharf: „Das hier ist Christoph Markschies“, sagt er und zeigt auf einen jungen Mann, den man sonst nicht unbedingt als den ehemaligen Präsidenten der Humboldt-Universität erkennen würde. Markschies habe mit ihm Abitur gemacht und bei den ersten beiden Konzerten mitgespielt, erzählt Sanft.

Auf einem Bild von 1985 sieht man den ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel mit Mikrofon vor dem Orchester stehen. Sie hätten ihn bei einer Veranstaltung begleitet, als er mal wieder sein legendäres Lieblingslied „Hoch auf dem gelben  Wagen“ sang. Auch mit Johannes Heesters sind sie aufgetreten: „Da war er erst 102“, sagt Sanft.

Und dann ist da ja noch die Geschichte mit Max Raabe: Der trat in den Achtzigern nämlich zwei Jahre lang als Sänger mit dem Salon-Orchester auf. Sanft nennt ihn meist beim richtigen Namen, Mattias Otto, und klingt dabei etwas schlecht gelaunt. Während Raabe nämlich später mit ähnlicher Musik und dem Palast-Orchester immer bekannter wurde, arbeitete sich das Salon-Orchester von Kurkonzerten zu Bällen und Galas hoch. Ernähren kann es auch nach 30 Jahren keinen der Musiker. Sanft arbeitet auch noch als Gutachter – er ist Ingenieur für Fahrzeugtechnik. Martin Stange und die anderen Vollzeitmusiker haben andere Engagements nebenbei.

Und, kann man „den Kaktus“ nach 30 Jahren immer noch gut ertragen? Sanft hat damit kein Problem: „Wir variieren ihn ja immer wieder.“ Martin Stange sieht das anders: „Sehen wir etwa so aus?“

Konzert am Freitag, 20 Uhr, Kammermusiksaal der Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1, Karten 31 Euro.

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