Berliner Zoo : Der bewegte Bär

Berlins tierische Persönlichkeit Knut entwächst seinem Laufgitter im Zoo – und braucht ein größeres Gehege. Im Tierpark wäre Platz genug. Wohin mit dem weißen Zotteltier?

Annette Kögel
knut
Wächst und gedeiht: Eisbär Knut. -

Thomas Dörflein hat über die Zukunft seines „Ziehsohnes“ Knut früher immer gesagt: „Der muss weg, was soll er hier denn so alleine, das ist doch eine Qual für ihn.“ Das wollte der Pfleger aber, als Knut noch Knuddel-Knut war, und als Dörfleins Chef, Zoo-Vorstand Bernhard Blaszkiewitz, weder ein neues Gehege für Knut im Blick hatte noch ein Weibchen. Er wollte den Besucherliebling schnell loswerden, je eine Eisbärengruppe im Zoo und im Tierpark reichten Blaszkiewitz aus tiergärtnerischer Sicht.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Knut wurde weltbekannt, war mit Leonardo Di Caprio auf der Titelseite von „Vanity Fair“, ist als Bildschirmschoner, Kuscheltier, Puzzle, Bettwäsche, T-Shirt, Briefmarke, Postkarte und Kinostar zu haben. Der Knut-Hype seit dem Eisbären-Geburtstag am 5. Dezember 2006 brachte dem Zoo – ohne Linzenzverkäufe – allein bis Ende 2008 über sechs Millionen Euro zusätzlichen Gewinn. Und der Stadt einen Botschafter, auf den sogar die Kanzlerin in aller Welt angesprochen wird.

Nun hat der Zoo-Chef – gedrängt vom Druck der Öffentlichkeit, wie er klagt – Knut doch für Berlin erhalten. Seine Vorstandskollegin Gabriele Thöne einigte sich mit Peter Drüwa, dem Chef des Zoos Neumünster, dem Knut entstammt, auf 430 000 Euro Ablösesumme. Knut bleibt Bärliner – ob im Zoo in der City-West oder künftig im Tierpark in Friedrichsfelde? „Wir haben dezidierte Vorstellungen“, sagt Blaszkiewitz. Mehr nicht.

Klaus Wowereit, Berlins Regierender, hat dem Zoo erst mal gratuliert. Christian Tänzler, Sprecher der Berlin Tourismus Marketing (BTM), sagt: „Knut ist eine Berliner Sehenswürdigkeit, eine Touristenattraktion, für Knut reisen sie immer noch aus aller Welt hierher – er ist ein Super-Aushängeschild für die Stadt.“ Die BTM verteilt als Werbegeschenke längst weiße statt braune Bären. Tänzler ist wichtig, dass viele Menschen Knut sehen können, „von daher ist die zentrale Lage des Zoos, die leichte Erreichbarkeit ein Argument“. Außerdem verbinde man die „Marke Knut“ mit dem Zoo, diesen Vorteil sollte er nicht unnötig verspielen.

Der artenreichste Zoo der Welt verfügt zwar nur über 35 Hektar (Tierpark: 160), genug Platz wäre trotzdem. Ex-Zoo-Vorstand Gerald Uhlich wollte einst die Gehegerückseite samt Feuchtwiese zu einer Knut- und Klimaerlebniswelt mit verglastem Unterwassertunnel machen. Peter Drüwa aus Neumünster sagt, für den handaufgezogenen Bären seien die Pfleger gerade nach dem Tode Dörfleins wichtige Bezugspersonen. Man sehe an der Artgenossin Flocke in Nürnberg, die unter Verhaltensstörungen leidet, was zu frühe Trennung auslösen kann. Sogar die Dauerbesucherinnen von der Initiative „Knut forever in Berlin“ sind zu einem vertrauten Stück Heimat für den Eisbären geworden. Die „Knut-Groupies“ würden ihre Besuchsschichten natürlich auch im Tierpark besetzen.

Von einem Umzug nach Friedrichsfelde könnten aber sowohl der Eisbär als auch der Tierpark profitieren: Mit einem neuen millionenteuren Knut-Gehege wäre der Tierpark – der doppelt so hohe Landeszuschüsse erhält wie der Zoo, obwohl er nur eine Million Besuchern jährlich zählt (Zoo: drei Millionen, 70 Prozent Touristen) – aus Sicht der Zoo AG dauerhaft gesichert. Und man hofft, dass jene 30 Prozent der Besucher, die seit Knut zusätzlich in den Zoo kommen, auch nach Friedrichsfelde fahren. „Wir könnten ihn in einem weitläufigen Landschaftsgarten zeigen“, sagt Thomas Ziolko von den Förderern von Tierpark und Zoo. „So wie die Marzahner jetzt zu Knut nach Tiergarten fahren, würden die Wilmersdorfer zu ihm nach Friedrichsfelde kommen.“ Zum Tierpark fährt auch nicht nur die S-Bahn – er hat sogar eine eigene U-Bahn-Station. Annette Kögel

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