Stadtleben : Bestnoten für die Stadt

Immer mehr Popstars ziehen nach Berlin, weil sie das kreative Umfeld lieben Nun kommt auch noch Travis-Chef Fran Healy. Aber aus einem anderen Grund

Sebastian Leber

Das hört man gerne: Berlin hat so viel Potenzial, sagt Fran Healy, es könnte bald „das New York von Europa“ werden. Und Healy wird mitten drin sein: Der Sänger der schottischen Popband Travis zieht nächstes Jahr nach Berlin.

Mehr als zehn Millionen Alben hat Fran Healy bisher verkauft, mit Balladen wie „Sing“ und „Why does it always rain on me?“ schaffte er es an die Spitze der Charts. Im Moment lebt der 34-Jährige mit Frau und Sohn abwechselnd in London und New York, vor einem Konzert in Süddeutschland erzählte er jetzt dem „Mannheimer Morgen“, dass sein Umzug nach Berlin beschlossene Sache sei.

Damit reiht sich Healy in eine lange Liste von internationalen Pop- und Rockkünstlern ein, die Berlin als ihren Lebensmittelpunkt wählen. Im Mai zog Matt Tong, Schlagzeuger der britischen Band Bloc Party, in eine Wohnung in Friedrichshain. Der Norweger Erlend Øye und die Schwedin Soffy O leben seit Jahren hier, ebenso mehrere kanadische Musiker wie Mocky, Peaches und Joel Gibb von The Hidden Cameras. Auch das New Yorker Trio Liars ist inzwischen komplett nach Berlin übergesiedelt.

In den meisten Fällen kommen die Musiker, weil sie die kreative Atmosphäre und die vielen Freiheiten schätzen, die ihnen die Stadt bietet. Travis-Sänger Fran Healy hat bodenständigere Gründe: Seine Ehefrau ist die deutsche Fotografin und Maskenbildnerin Nora Kryst – und die möchte, dass der gemeinsame Sohn in ihrem Heimatland zur Schule geht. Der Sänger lernte Kryst in den neunziger Jahren vor einem Auftritt in Hamburg kennen: Sie puderte ihm die Nase, er verliebte sich unsterblich. Später hat Healy ihr die Travis-Hymne „Sing“ gewidmet. Da überrascht es nicht, dass er sich ihrem Wunsch nicht entgegenstellen möchte. „Der Boss hat also gesprochen. Wir folgen“, sagt Healy scherzhaft.

In Neukölln lebt seit einem Jahr Evil Jared Hasselhoff von der amerikanischen Blödel-Rockgruppe Bloodhound Gang. Dort könne man „grenzenlosen Spaß“ haben, sagt der Bassist. Und wer die schlechten Manieren der Bloodhound Gang kennt – Hasselhoffs Spezialität ist es, sich auf der Bühne die Hose runterzuziehen, hat eine Ahnung, was er damit meint. Ja, sagt er, ihm gefalle die Liberalität Berlins. Die findet er leider nicht überall in Deutschland. Vor zwei Jahren flog Hasselhoff auf dem Münchner Oktoberfest aus einem Festzelt, als er sich dort in der Menge ausziehen wollte.

Auch Bloc-Party-Schlagzeuger Matt Tong lobt Berlin als eine „ziemlich relaxte Stadt“, in der es einem leicht gemacht werde, sich wohl zu fühlen. Sein Faible ist offenbar ansteckend: Inzwischen spielt auch Sänger Kele Okereke mit dem Gedanken, sich hier eine Wohnung zu mieten. Berlin sei schon lange seine Lieblingsstadt in Europa, betont er.

Das ist ein weiteres interessantes Phänomen: Es ist nicht nur angesagt, nach Berlin zu ziehen. Es gilt unter Künstlern auch als schick, öffentlich mit einem Umzug an die Spree zu liebäugeln. Das tut auch die New Yorker Rockband Yeah Yeah Yeahs seit längerem. Nur hat es bisher nicht geklappt. Zu viel Tourstress, heißt es.

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